Maßhalten statt expandieren

Im August hat buchreport sein jährliches Ranking der weltweit größten Buchverlage veröffentlicht, das einmal mehr gezeigt hat, wie sehr dieser Teil der Buchbranche mit größter Selbstverständlichkeit Länder- und Sprachgrenzen aus den Schranken hebt. Und der Buchhandel?

Auf der Liste der Großen (das Bild zeigt die Fnac in Paris)hat es zunächst wenig Veränderungen gegeben:

  • Größtes Medienunternehmen ist erneut die Fnac; ein hauchdünnes Umsatzplus von 0,1% hat CEO Christophe Cuvillier an Eigentümer Pinault-Printemps-Redoute (PPR) berichtet, zu dem 143 Filialen in acht Ländern beigetragen haben.
  • Nr. 1 unter den klassischen Buchhandelsunternehmen ist unverändert Barnes & Noble mit 3,63 Mrd Euro (minus 5,4%).
  • In Europa gibt Thalia mit 855 Mio Euro (plus 6,7%) im zweiten Jahr den Ton an. Waterstone’s, die ehemalige Nr. 1, ist auch aufgrund des schwächelnden Pfundkurses mit umgerechnet 637 Mio Euro (minus 3,6%) noch hinter DBH (755 Mio Euro) auf Platz 3 abgerutscht.
  • Das Schlusslicht bildet mit 72,6 Mio Euro die norwegische Notabene-Kette.

Notabene ist ein gutes Beispiel für die Probleme, mit denen sich viele Buchhandelsunternehmen dieser Tage auseinandersetzen müssen: Nach einem massiven Expansionskurs im Jahr 2007 mit der Eröffnung neuer Filialen in Serie kam im vergangenen Jahr der Rückschlag für die Kette, die seit 2006 zu 60% dem Finanzinvestor Reiten & Co. und zu 40% der Familie Nicolaisen gehört.

Nicht nur für Notabene gilt, dass die weltweite Rezession, gepaart mit dem unaufhaltsamen Vormarsch des Online-Buchhandels und zum Teil hausgemachter Probleme, der internationalen Expansion der Filialisten (vorläufig) einen Riegel vorgesetzt hat.

Der Buchhandel steckt rund um den Globus in einer Phase des Umbruchs. Was die Amerikaner schon lange hinter sich haben – der unaufhaltsame Aufstieg der Buchketten zu Lasten der unabhängigen Sortimenter traditioneller Prägung –, ist mittlerweile globaler Alltag.  Statt internationaler Denkübungen und Expansion um (fast) jeden Preis ist Konsolidierung und Standortsicherung im eigenen Land angesagt, durchaus auch mit Konsequenzen wie dem Rückzug aus anderen Märkten, so zum Beispiel

  • der irische Medienhändler Eason, der im Mai nach nur vier Jahren den britischen Buchhändler British Booksellers & Sussex Stationers wieder verkauft hat;
  • der Amerikaner Borders, der sich nach Großbritannien auch aus Singapur, Australien und Neuseeland zurückgezogen hat;
  • die französische Medienkette Fnac, die bereits zum zweiten Mal nach 1995 vor dem deutschen Sprachraum kapituliert und die Großfläche in Basel nach weniger als einem Jahr wieder dichtgemacht hat.

Zu den wenigen, die erfolgreich gegen den Strom schwimmen, gehört Kinokuniya. Schon seit vielen Jahren ist der japanische Großbuchhändler nicht nur im asiatischen Raum, sondern auch in den USA (8 Filialen) und Australien (1 Filiale) präsent. Im November hat er in Dubai ein Prestigeobjekt eröffnet: Eine Großfläche in dem mit 520.000 qm Verkaufsfläche größten Einkaufscenter der Welt.

Mehr zu den internationalen Buchketten lesen Sie im aktuellen buchreport.magazin 9/2009 (hier das Inhaltsverzeichnis, hier können Sie das Heft bestellen).

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