Was tun gegen Google, Herr Krings?

Google Books stößt in Teilen der Öffentlichkeit auf Widerstand. Der CDU-Medienexperte Günter Krings (Foto) will das Digitalisierungsprojekt stoppen. Im Interview mit buchreport.de erklärt der Bundestagsabgeordnete warum.

Google Books könnte Autoren und Verlagen eine neue Einnahmequelle erschließen. Warum wollen Sie es trotzdem stoppen?
Die finanzielle Beteiligung der Autoren und Verlage nach dem Google-Modell fällt ja eher bescheiden aus. Mir geht es aber auch um eine grundsätzliche Frage: Darf ein Unternehmen ein Buch ohne Genehmigung des Autors und des Verlages einfach digitalisieren und ins Internet stellen? Meine Antwort lautet Nein. Der Autor ist und bleibt Herr über sein Werk und wenn er sagt, er will es nicht in digitaler Form veröffentlichen, dann hat man das zu respektieren. Diesen Respekt vor den Urhebern und ihren Rechten vermisse ich bei Google.

Wie realistisch sind die Aussichten, Google von  seinem Digitalisierungsprojekt abzubringen?
Das ist schwierig einzuschätzen. Zumindest die öffentliche Diskussion darüber hat in Europa in letzter Zeit an Fahrt aufgenommen. Google hat nun keinen Rückenwind mehr, seitdem auch die Medien verstärkt über den Fall berichten. Die Verlängerung der Ausstiegsfrist bis zum 7. Oktober sollte Google dazu nutzen, sich über die Realisierung des Projektes noch einmal Gedanken zu machen. Ich meine, wir sollten jedenfalls für die Rechte der europäischen Autoren kämpfen und diese Rechtsverletzung nicht hinnehmen.

Was tun Sie konkret?
Als einzelner Bundestagsabgeordneter kann ich nur etwas gemeinschaftlich mit anderen tun. Wichtig ist, dass die Bundesregierung das Thema in der Europäischen Union auf die Tagesordnung bringt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat hier mit meiner Unterstützung auf dem EU-Ministerrat Mitte Mai eine klare Positionierung für die Urheber durchsetzen können. Ich freue mich, dass nun auch die Bundesjustizministerin sich dem Vorgehen angeschlossen hat und ebenfalls Aktivitäten angekündigt hat. Diese Ankündigung muss sie jetzt aber auch wahr machen. Man sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass der Einfluss der Politik in dieser Frage begrenzt ist. Die EU oder die Bundesrepublik können in dem zivilrechtlichen Verfahren vor dem US-Gericht nicht als Partei auftreten, sondern maximal ihre Einwände gegen den Vergleich vorbringen.

Zur Person: Günter Krings

1969 in Mönchengladbach geboren, sitzt seit 2002 für die CDU im Deutschen Bundestag. Der promovierte Jurist  fordert in einer gemeinsamen Erklärung mit dem medienpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion Wolfgang Börnsen, das Digitalisierungsprojekt GoogleBooks zu stoppen und stattdessen die urheberfreund-
licheren europäischen Digitalisierungsmodelle voranzubringen.  

Die Fragen stellte David Wengenroth

aus: buchreport.magazin 7/2009

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