Tod mit 179 Jahren

 

Im Internetzeitalter scheint kein Platz mehr für Mammut-Printprojekte zu sein. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, will die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften die Neubearbeitung von Grimms Wörterbuch 2012 nur noch im Internet fortsetzen. Damit endet die Print-Geschichte des Grimm’schen Wörterbuchs, die 1830 begann, als der Verleger Karl Reimer den Germanisten Jacob und Wilhelm Grimm vorschlug, ein neuhochdeutsches Wörterbuch herauszugeben. Aktuell arbeiten die Wortforscher daran, bis 2012 den Abschnitt A-C aus dem Wörterbuch zu überarbeiten. Dann soll die Arbeit in einem „Digitalen Wörterbuch“ (DWDS) fortgeführt werden, an dem die Forschungsstätte seit 2007 arbeite. „Der Vorteil des Digitalen Wörterbuchs ist“, zitiert das Blatt Wolf-Hagen Krauth, Wissenschaftsdirektor der Berlin-Brandenburgischen Akademie, „dass man sich nicht alphabetisch vorarbeiten muss, sondern die Wortartikel zu allen Buchstaben ständig bearbeiten und vertiefen kann.“ (Das Foto zeigt einen Zettelkasten, mit dem die Berliner Wörterforscher arbeiten)

tagesspiegel.de

Auch das „Handelsblatt“ beschreibt den Tod einer Print-Legende: des Brockhaus-Lexikons. Aufhänger ist die heutige Hauptversammlung der Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus AG, bei dem der „Brockhaus“ aus dem Firmennamen getilgt wird; im Zentrum steht der Brockhaus-Fachredakteur Peter Neulen sowie der Lexikonsammler Otmar Seemann, der einst den Brockhaus von 1809 und alle folgenden Auflagen sowie alle Meyers, Herders und Bertelsmanns besaß – 12.000 Bände.

„Der Verkauf (des Brockhaus an Bertelsmann) ist das Eingeständnis, dass das Bifab die Patientin Brockhaus nicht mehr retten konnte, dass ein langes Siechtum endet: eine Folge des Internet-Virus, mit dem die Patientin sich vor einiger Zeit infiziert hatte. Brockhaus hat den Kampf gegen die Online-Nachschlagewerke wie Wikipedia verloren und damit den Rang als Autorität gedruckten lexikalischen Wissens“, rekapituliert das „Handelsblatt“. Dabei würden mehr als 93 Prozent der Deutschen den Brockhaus kennen – so bekannt sei vielleicht noch Franz Beckenbauer. „Diese Marke ist tot, und die Angehörigen begehen eine der geräuschlosesten Trauerfeiern, die das Land in solchen Fällen erlebt hat. Keine Demonstrationen, keine Streiks.“
handelsblatt.com

Der „Tagesspiegel“ beschreibt die Auswirkungen der Pleiten traditioneller Kaufhäuser auf Shopping-Center, die florierten. Laut German Council of Shopping Centers (GCSC) hätten die deutschen Einkaufszentren 2008 rund 36 Milliarden Euro Umsatz gemacht, für 2010 erwarte man einen Umsatz von 38,6 Milliarden Euro. Der Anteil der Malls am gesamten Einzelhandelsumsatz lag demnach 2008 bei 8,4 Prozent, 2010 sollen es 8,9 Prozent sein. Das Wachstum der Center schaffte Arbeit: 2010 würden 544.000 Menschen dort arbeiten, 2008 waren es 497.000 – ein knappes Fünftel aller Beschäftigten im Einzelhandel habe einen Center-Job. Künftig sollten die Center verwaiste Fußgängerzonen revitalisieren und die Funktion „zentraler Marktplätze“ übernehmen – mit einem steigenden Anteil an Gastronomie.
tagesspiegel.de

VERLAGE

Peter Suhrkamp: Der Verleger war während seiner Zeit am Darmstädter Theater mit der jüdischen Sopranistin Fanny Cleve verheiratet – Neues zur Biographie.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 9)

BÜCHER & AUTOREN

Henning Mankell: Der Bestsellerautor schickt seine Romanfigur Kurt Wallander erneut auf Verbrecherjagd – und verrät den Fans vorab einige Details.
focus.de

ONLINE

Google Settlement: Die Regulierungsbehörde der EU will Verleger und Autoren zur Auswirkung des Google-Settlements zum Einscannen befragen.
„Süddeutsche Zeitung“ (S. 12)
 
Typographie: Gute Typographie ist im Internet rar, aber es gibt Fortschritte.
„Süddeutsche Zeitung“ (S. 10)

Pirate Bay: wird möglicherweise doch nicht verkauft.
spiegel.de

Video: Youtube steht knapp vor der Gewinnschwelle und My Video will mit deutschen Serien punkten.
tagesspiegel.de

MEDIEN & MÄRKTE

Insolvenz: Die Insolvenz erscheint vielen als Schreckgespenst, bietet aber Chancen für zahlungsunfähige Unternehmen.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 19)

Medien: Gruner + Jahr erwägt Kurzarbeit.
spiegel.de

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