Wir setzen auf Deeskalation

Rund eine Woche, nachdem sich 14 führende Winzer gegen die vom Christian Verlag erhobene Marketinggebühr aufgelehnt haben, setzen die Münchner verstärkt auf Deeskalation. Im Interview mit buchreport.de kündigt Programmleiter Clemens Hahn an, noch in dieser Woche den Dialog mit den Winzern zu suchen und transparent darzulegen, wie die Auswahl zum Weinführer entsteht.

Sie sprechen von einer „Kampagne gegen den Gault Millau WeinGuide“ – wer sollte ein Interesse daran haben?
Das fragen wir uns auch. In vielen Tageszeitungen haben Dinge gestanden, die einfach unwahr sind und über die mit uns niemand gesprochen hat. Es wurde immer wieder unterstellt, Winzer müssten für den Eintrag im „Gault Millau WeinGuide“ zahlen. Das ist schlicht und einfach falsch. Teils offen, teils versteckt wurde auch geschrieben, die Bewertung im WeinGuide sei vom Erwerb des Marketingpakets abhängig. Auch das ist unwahr.

War es auch eine Kampagne gegen den am 9. Juli zurückgetretenen Chefredakteur Armin Diel?
Ja, Armin Diel wurde sowohl von einigen Medien als auch von manchen Winzerkollegen heftig angegriffen. Das wollte er sich nicht mehr antun. Mit seinem Rücktritt hat er aber auch den „Gault Millau“ schützen wollen. Seine Rolle als bekannter Winzer einerseits und als Chefredakteur andererseits machte ihn für einige zur Reizfigur. Diel hat gesagt: Wenn es so sehr daran zu hängen scheint, dann ziehe ich mich zurück.

Einige Topwinzer regen sich öffentlich aber nicht über Herrn Diel, sondern über die von Ihnen verlangte „jährliche Gebühr“ von 195 Euro auf. Warum haben Sie die nicht zurückgezogen?
Es haben zwar einige gesagt: Wir machen da nicht mit. Aber über 450 Winzer wollen zahlen für die Marketingunterstützung des „Gault Millau WeinGuide“. Angesichts dieser vielen positiven Rückmeldungen gibt also keinen Grund, das Angebot zurückzuziehen.

Würde der „Gault Millau WeinGuide“ ohne die Gebühr nicht weiterexistieren können?
Wir stehen grundsätzlich vor der Frage, wie wir den „Gault Millau“ wirtschaftlich tragfähiger machen können. In der Vergangenheit war der „WeinGuide“ ein Verlustbringer, das soll er künftig nicht mehr sein. Einen Beitrag, dieses Ziel zu erreichen, soll die erwähnte Gebühr für das Marketing-Paket der Winzer leisten. Aber ich sage es noch einmal ganz klar: die Abnahme des Marketing-Pakets ist freiwillig und hat keinerlei Einfluss auf Aufnahme und Bewertung im „Gault Millau WeinGuide“.

Der Weinführer ist beschädigt – wie wollen Sie das Vertrauen der kritischen Spitzenwinzer und der Kunden wiederherstellen?
Noch in dieser Woche werden wir mit einem konkreten Gesprächsangebot auf die Winzer zugehen, damit wir sie im direkten Dialog wieder für uns gewinnen können. Über unsere Öffentlichkeitsarbeit und auch im neuen „Gault Millau WeinGuide“ werden wir ganz transparent darlegen, wie wir arbeiten, wie wir testen, um Kommunikationsdefizite aus der Vergangenheit aufzuholen.

Könnte ein „Gault Millau WeinGuide 2010“ auch ohne eine Beschreibung und Bewertung von Gütern und Produkten der kritischen Winzer auskommen?
Wir wollen uns mit diesen Winzern verständigen. Ich möchte nicht darüber spekulieren, was passiert, wenn diese Verständigung nicht gelingt. Wir setzen ganz klar auf Deeskalation.

Die Fragen stellte Ingo Schiweck

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