Neue Technik birgt Chancen

Der Audio Media Verlag ist seit Gründung 2004 kontinuierlich gewachsen, das Portfolio umfasst über 250 Titel. Zu den erfolgreichsten Produktionen zählt die ADAC-Hörbuch-Edition mit 400.000 verkauften Exemplaren. Geschäftsführer Thomas Bernik über die Entwicklung des Hörbuch-Marktes.

Was sind die Gründe für die Stagnation beim Hörbuch?
Wenn das Hörbuch im Handel immer weniger Fläche bekommt, kann der Umsatz nicht wachsen. Und die zunehmende Konzentration der Einkäufer auf Top-10-Titel führt dazu, dass der Handel weiter sein Profil verliert und dem Kunden die Vielfalt des Mediums nicht aufgezeigt wird. Die Folge ist eine nachhaltige Verlagerung der Einkaufsgewohnheiten unter anderem zu Online-Anbietern. Hier verzeichnen viele Verlage durchaus ein deutliches Umsatzplus.

Ist der Online-Markt der stärkste Motor für den Hörbuch-Markt?
Auf der technischen Seite ganz sicher, wobei ich nicht der Meinung bin, dass der digitale Vertrieb die haptischen Verkäufe stark beeinflussen wird. Daher sollt man den Online-Download nicht verteufeln, sondern als Chance begreifen. Neue, onlinekompatible Endgeräte wie Handys oder Nintendo DSi bringen auch dem stationären Handel neue Kundenströme.

Hat die fortschreitende Filialisierung Folgen für die Hörbuch-Verlage?
Die Konzentration im Handel ist in der Tat besorgniserregend und wird das Geschäft nachhaltig beeinflussen, für die Verlage jenseits der Top 5 oft nicht zum Besseren. Doch wir sind optimistisch, uns auch hier durchsetzen zu können. Grundsätzlich steigen künftig die Möglichkeiten für die Nutzung von Hörbüchern, was auf Anbieterseite zu begrüßen ist. Die Konsolidierung auf Verlagsseite findet bereits statt und ist positiv.

Wo gibt es noch Potenzial?
Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft, da viele Menschen noch nie ein Hörbuch gehört haben. Deshalb muss der Handel gemeinsam mit den Verlagen neue Kunden für das Medium Hörbuch gewinnen. Das ist nicht einfach, aber mittelfristig dringend notwendig. Sicher wird auch die technische Entwicklung dazu führen, dass sich der potenzielle Kunde mal schnell ein Hörbuch im Buchhandel, an der Tankstelle oder direkt auf das Handy für die Reise herunterlädt. Grundsätzlich birgt der Buchhandel selbst das größte Potenzial, wenn er sich hoffentlich dazu entscheidet, aus dem Hörbuch einen relevanten Markt zu machen und bereit ist, dem Kunden die Vorteile zu erklären, denn kaum ein Hörbuch verkauft sich von allein.

Was muss der Buchhandel ändern?
Die vom Handel geforderte Angebotskonzentration ist einerseits verständlich, lässt den Verlagen jedoch kaum mehr die Möglichkeit, ein Profil herauszuarbeiten. Leider fehlt immer mehr der Bauch bei der Einkaufsentscheidung. Die rein auf Zahlen basierte Bewertung im Einkauf lässt nur einen Blick in die Vergangenheit zu und lässt wenig Raum, den Kunden zu überraschen. Auch die Präsentation von Hörbüchern ist im Handel ein Dauerthema. Wer Hörbücher heute noch nur mit dem Rücken in ein kleines Regal einordnet, muss sich nicht wundern, wenn der Abverkauf zu wünschen übrig lässt.

aus: buchreport.magazin 7/2009, Hörbuch-Spezial (hier das Inhaltsverzeichnis)

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