Weitere Eruption auf dem MA-Markt: Paperbackworld pleite

Die offenbar chronische Krise auf dem MA-Markt hat einen weiteren Riesen zu Fall gebracht: Nach Zanolli, Elbe Team, Cobu, vielbuch.de und hitbuch.de ist auch die in Arnstadt (Thüringen) ansässige und auf den Handel mit MA-Titeln im Internet spezialisierte paperbackworld.de AG zahlungsunfähig. Der entsprechende Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens (Aktenzeichen 174 IN 459/09) ist am Mittwoch beim Amtsgericht in Erfurt eingereicht worden. Die Dimension der Paperbackworld-Pleite ist vergleichbar mit dem Niedergang des Billigbuchimperiums der Gebrüder Zanolli (das Foto zeigt Bruno und Guido Zanolli).

Die Pleite von Paperbackworld (PBW) hatte sich nach buchreport-Informationen bereits vor Wochen abgezeichnet. Seit Ende Juni hatte PBW keine Angebote mehr online auf den von den Ostdeutschen bestückten MA-Marktplätzen Ebay, Amazon, Booklooker und Abebooks. Zuletzt mehrten sich die Negativbewertungen von Kunden, die nicht beliefert wurden und sich beschwerten, dass kein Kontakt zu PBW möglich sei. Auf Anfrage von buchreport hieß es Mitte der Woche bei Booklooker und ZVAB, der Anbieter sei gesperrt worden. Auch die eigene Plattform der Arnstädter paperbackworld.de ist seit Tagen schon offline. Auf Anfrage von buchreport hat PBW-Chef Andreas Makedon nicht reagiert; der Aufsichtsrat des Unternehmen wollte sich zur Krise des Unternehmens nicht äußern.

Wie groß PBW war – und wie groß die Folgen möglicherweise für den Internet-MA-Markt sein werden –, zeigt die Anzahl der Bewertungen des Händlers auf Ebay (rund 230.000 seit Juni 2001) und Amazon (mit zwei Konten rund 330.000) – zum Vergleich: Die selbst erklärte Nummer drei im Online-MA-Handel, das Ex-Zanolli-Internetportals billigbuch.de, hat auf Amazon 120.000 Bewertungen. Ergo ist mit Paperbackworld der vermutlich größte Anbieter von MA-Artikeln auf Amazon und Ebay gestürzt – und insofern mit der Pleite des größten stationären MA-Anbieters Zanolli 2005 vergleichbar.

Die Pleite reiht sich ein in die Insolvenzen von Zanolli, Elbe Team, Cobu, vielbuch.de und hitbuch.de (mehr dazu im buchreport-Dossier zum MA-Markt). Die Ursachen sind meist die gleichen gewesen: Managementfehler, ein Überangebot von MA-Titeln bei steigender Monotonie der Programme sowie insbesondere der Preiskampf im Internet: „Der Preiskampf ist nicht einzudämmen“, erklärte  Klaus Töberich, Geschäftsführer beim Großantiquariat BuchVertrieb Blank, im Februar gegenüber buchreport. Uni sono Elmar Wolff (Lit-Media-Buchdiscount): „So lange es Kunden gibt, die Bücher für einen Cent kaufen, wird es wohl Anbieter geben, die Bücher zu diesen Preisen anbieten.“ Die Händler hätten die Kunden zu dieser Mentalität erzogen, sich ihre eigenen Preise „versaut“ und müssten nun die Rechnung tragen.

Daniel Lenz

Kommentare

2 Kommentare zu "Weitere Eruption auf dem MA-Markt: Paperbackworld pleite"

  1. Fritz Schenkel | 9. Januar 2010 um 18:14 | Antworten

    Kein Wunder, dass Paperbackworld pleite ist. Die haben doch tatsächlich EUR 100.000,– für die Adler-Software bezahlt. Standartlösungen hätten es auch getan und die gibts für ein paar Euro.

  2. Die MA-Titel liefen bei Amazon unter „powerbazar“

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