Der digitale Kunde hat mehr Macht

Die Digitalisierung der Medien stellt die Geschäftsmodelle von Verlagen zunehmend in Frage. Welche Geschäftsmodelle zwischen Werbefinanzierung und Paid Content schaffen für Verlage auch langfristig eine solide wirtschaftliche Grundlage? Wie können Verlage ihre Nutzer im Netz zu zahlenden Kunden machen? Antworten gibt die von der Akademie des Deutschen Buchhandels in Kooperation mit Heinold, Spiller & Partner veranstaltete Konferenz  „Verlag 3.0 – Geschäftsmodelle für den digitalen Verlag“ (1. Juli, München, hier und hier mehr Infos). Vorab interviewt buchreport.de einige Referenten und Diskutanten. Heute: Frank Antwerpes, Chef der DocCheck AG, größten europäischen Community im Gesundheitswesen.

In welchen inhaltlichen Segmenten sind die Chancen für Verlage am größten, digitale Geschäftsmodelle zu realisieren?
Chancen bestehen in allen Segmenten. Das sieht man an Plattformen wie scribd.com, issuu.com oder yudu.com. Ohne Mut und Experimentierfreude wird man diese Chancen weder entdecken, noch nutzen. Das Problem der meisten Verlage ist, dass sie sich an die tradierten Geschäftsmodelle klammern wie an die Reeling der Titanic. Natürlich, von denen die hinausschwimmen, werden auch einige untergehen. Aber wer rechtzeitig in kleinere Rettungsboote umsteigt, überlebt.
 
Für welche Art von Leistungen werden Kunden künftig bezahlen (und für welche nicht)?
Diese Frage kann nur der Kunde selbst beantworten. Wofür er wenig oder nichts mehr bezahlen wird, ist die reine Distributionsleistung vom Autor zum Leser. Hier hat das Internet die Spielregeln dauerhaft verändert.

Was wird der größte Unterschied zu klassischen Kundenbeziehungen sein?
Gibt es sie überhaupt die „klassische Kundenbeziehung“? Ich glaube, viele müssen den Kunden erstmal entdecken. Der digitale Kunde hat wesentlich mehr Macht – und er wird sie nutzen. Die gehorsamen Buchkäufer mutieren: einige zum Raubkopierer oder Preisfuchs, andere zum Abonnenten, kostenlosen Rezensenten oder gar Mitschreiber. Auf alle diese möglichen Kundenreaktionen muss der Verlag der Zukunft Antworten haben. Das geht nur, wenn man sich als  Dienstleistungsunternehmen versteht.

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