Wo ist die digitale Strategie?

Verhalten positiv haben große E-Book-Anbieter wie libri.de oder buch.de Ende März, zwei Wochen nach dem PR-Feuerwerk rund um die Leipziger Buchmesse, auf Anfrage von buchreport eine erste Bilanz zum Start des Sony Readers gezogen (hier mehr). Zwei Monate später folgt ein technisches Resümee: buchreport hat sechs Dienstleister von Verlagen, die digitale Bücher ins Epub-Format verwandeln, nach den Stärken und Schwächen des Formats, den erforderlichen Verbesserungen sowie dem drohenden Krieg der Formate befragt. Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage im Überblick:

Kritik an Trennung zwischen Herstellungs- und E-Abteilung

  • Volumen: Mit unterschiedlichen Tendenzen antworten die Dienstleister auf die Frage nach der Entwicklung des Auftragsvolumens seit dem Frühjahr. Während einer der großen Dienstleister klagt, dass sich die Verlage seit dem Start des Sony-Lesegeräts wieder stärker zurückhielten, um die E-Entwicklung abzuwarten, melden Wettbewerber deutliche Zuwächse; die Zentrale Medien GmbH (ZM, Bochum) etwa gibt 100% Kundenzuwachs an. Hinter vorgehaltener Hand erklärt ein Epub-Experte, dass die Dumping-Kurse einzelner Dienstleister die Preise kaputt machten und die Nachfrage der Verlage auf sich fokussierten.
  • Verbesserungspotenzial: Beinahe unisono wünschen sich die Techniker, dass die Kommunikation mit den Verlagen verbessert wird. Hintergrund: Bei den Verlagen fehle oft das nötige Wissen zu den Möglichkeiten und Beschränkungen des Formats und der Lesegeräte. Weitere Baustellen:
  • Bei vielen Verlagen fehle eine „digitale Strategie“, die Medienherstellung und E-Book-Vertrieb miteinander verbindet (Sebastian Posth, ZM); analog dazu moniert Uwe Matrisch (le-tex) die weiterhin praktizierte Trennung zwischen Herstellungs- und E-Abteilung in Verlagen.
  • Eine Standardisierung der Schnittstelle, etwa über den Austausch der Titeldaten über ONIX (moniert Stefan Krause, Editura), fehle bislang.
  • Nina Kreutzfeldt (Kreutzfeldt Electronic Publishing) regt einheitliche Qualitätsstandards für E-Book-Konvertierungen an.

Mangelnde Qualitätskontrolle, zu hohes Kostenbewusstsein

  • Fehlermanagement: Der letztgenannte Vorschlag zielt auf die zuletzt lauter gewordene Kritik von E-Book-Lesern, die sich über fehlende Cover, fehlerhafte oder fehlende Inhaltsverzeichnisse sowie schlechten Textfluss und Lücken in Worten von Epubs beschwert hatten. Die Suche nach den Ursachen führt die Befragten einerseits zur mangelnden Qualitätskontrolle bzw. zur zu stark automatisierten Konvertierung bei Dienstleistern in den eigenen Reihen.
  • Andererseits seien auch Verlage schuld. „Verlage sparen! Oftmals erhält der günstigste Anbieter den Zuschlag. Die Qualität ,kann‘ in einem solchen Fall auf der Strecke bleiben“, retourniert Dietmar Bröcker (SHI Elektronische Medien).
  • Und auch ZM-Chef Posth warnt: „Fehler im Text oder Funktionalität sind für die gesamte Brache und die Entwicklung des digitalen Marktes nicht wünschenswert, vielleicht schlimmer als Fehler im klassischen Buchsatz.“
  • Format-Krieg: Eine neue Herausforderung ergibt sich für die Epub-Spezialisten, sobald Amazon das Kindle-Programm in Deutschland einführt und sich ein Wettstreit zwischen Amazons Mobipocket- und dem Epub-Format anbahnt. Während Nina Kreutzfeldt (erwartet auf absehbare Zeit ein Dualismus der Formate statt eine Verdrängung) und Stefan Krause (das Rennen zwischen MP3 und dem Apple-Format AAC zeige, dass ein Krieg über Jahre offen bleiben könne) gelassen bleiben, warnt Dietmar Bröcker (SHI): „Wenn sich Amazon am Markt durchsetzt, gewinnt Amazon. Verlierer sind die Dienstleister und die Verlage.“

aus: buchreport.express 22/2009

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