Postskriptum: Süße Jugendsünden

In „Bild“ schrieb Kolumnist Franz Josef Wagner (Foto) wehmütig: „Liebes Warenhaus, in Dir fuhr ich das erste Mal Rolltreppe, klaute als zehnjähriger Junge eine Dose Bohnerwachs. (…) Es gab Probierhäppchen verschiedener Wurstsorten, nach dem zwanzigsten Mal verscheuchte mich die Verkäuferin. Das Warenhaus war fantastisch, es war mein Märchenland. Als Zwölfjähriger lungerte ich in der Unterwäscheabteilung, kiebitzte in Umkleidekabinen. Bis auf Särge gab es alles. Hochzeitskleider, Betten, Schuhe, Schallplatten – Gott, jetzt erinnere ich mich noch, dass ich die Schallplatte von den ,Beatles‘ klaute, ,Penny Lane‘.“ Wundert es da noch irgendwen, dass die Warenhäuser Pleite gehen?

UBS-Kunden: Umgeleitet

Die Schweizer Bank UBS sorgt durch katastrophale Bilanzen für Schlagzeilen. Dieser Tage ging auch noch die Meldung durch die Presse, dass von der UBS-Website ein Link statt wie angekündigt zu einer Rede ihres Chefs Oswald Grübel zu einer Pornoseite führte. Offiziell spricht UBS von einer Panne, aber für literarisch gebildete Zeitgenossen bietet sich eine optimistischere Lesart an: Vielleicht wollten die Vorstände der Bank durch die Verlinkung zu verstehen geben, dass sie zwar derzeit dastehen wie Hans Christian Andersens „Kaiser ohne  Kleider“, aber dass sie wenigstens das Beste daraus machen wollen.   

Kirchentag: Kürzend

Einen skurilen Rekordversuch startet das Internetportal evangelisch.de auf dem bevorstehenden Evangelischen Kirchentag in Bremen: Dessen Teilnehmer sollen die ganze Bibel „twittern“. Warum nicht, schließlich heißt „Twitter“ auf Deutsch „Gezwitscher“, und Jesus selbst empfiehlt im Matthäus-Evangelium (Kapitel 6, Vers 26) die „Vögel unter dem Himmel“ ausdrücklich als Vorbild. 

Experiment: Einträglich

Interessante Perspektiven eröffnet das Ergebnis eines Experiments, das TV-Schlaumeier Ranga Yogeshwar in seinem Buch „Sonst noch Fragen?“ (gerade erschienen bei KiWi) beschreibt: Sein Team hatte in einer Fußgängerzone einen Verkaufsstand mit Putzutensilien zu je 59 Cent aufgebaut und bot einen Dreierpack für 1,99 Euro an. „Bei unseren Käufern machten wir eine interessante Beobachtung“, berichtet Yogeshwar: „Viele entschieden sich für das Angebot im Dreierset – obwohl es tatsächlich teurer war.“ Für Buchhändler versehen wir dieses Experiment allerdings mit dem Warnhinweis: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Börsenvereinsjuristen oder Preisbindungstreuhänder.

Bäume: Bedeutend

Erhebliche Zweifel müssen zum Schluss noch an der Authentizität des „Keltischen Baumhoroskops“ angemeldet werden, das Carla Ludwig in ihrem neu erschienenen Buch „Das kleine Kelten-Horoskop“ (Mosaik bei Goldmann) beschreibt. Darin fand sich der Autor dieser Kolumne der Gruppe der „Feigenbaum-Geborenen“ zugeschlagen. Von einem echten Kelten hätte man für diese Einordnung doch bestimmt eins mit der Keule auf den Wipfel bekommen.

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