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Übersetzerverband steht hinter Hinrich Schmidt-Henkel

Die Übersetzer haben sich entschieden: Hinrich Schmidt-Henkel (“Reise ans Ende der Nacht”, L.-F. Céline) bleibt auch in den kommenden vier Jahren Vorsitzender des VdÜ/Bundessparte Übersetzer. Schmidt-Henkel hatte die Führung des Verbands bereits nach dem Scheitern der Honorarverhandlungen im September letzten Jahres übernommen. Er war zunächst jedoch ad interim gewählt worden. Am Wochenende wurde der renommierte Übersetzer aus Berlin nun auf der Mitgliederversammlung mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt. Als 2. Vorsitzender wurde Luis Ruby wiedergewählt, Josef Winiger bleibt Schatzmeister, Brigitte Große Schriftführerin. Irmgard Hölscher, Martina Kempter und Karen Nölle sind als Beisitzerinnen im Vorstand vertreten.

Der neue Vorstand steht vor großen Herausforderungen. Zahlreiche Übersetzerinnen und Übersetzer bestreiten ihren Lebensunterhalt Monat für Monat von wenig mehr als 1.000 Euro vor Steuern – obwohl sie einen unverzichtbaren Beitrag nicht nur zur literarischen Kultur, sondern auch zu den wirtschaftlichen Potenzialen der deutschen Verlagslandschaft leisten.

Das politische Anliegen der neu gewählten VdÜ-Gremien, Vorstand und Honorarkommission, ist klar: Sie wollen erreichen, dass literarische Übersetzungen endlich angemessen vergütet werden. Über eine Reihe von Vertragsanpassungsklagen entscheidet am 18. Juni der Bundesgerichtshof. „Das letzte Wort in dieser Sache wird aber hoffentlich nicht vor Gericht fallen, sondern am Verhandlungstisch“, bekräftigte Hinrich Schmidt-Henkel am Sonntag in der Verlagsstadt Frankfurt. Der VdÜ-Vorsitzende arbeitet darauf hin, dass die BGH-Urteile auf dem Verhandlungsweg zügig in eine „gemeinsame Vergütungsregel“, wie sie das Urhebervertragsrecht vorsieht, übersetzt werden können.

Eine Branchen-Vereinbarung müsste aus Sicht Schmidt-Henkels vor allem Folgendes leisten:

„1. Die Übersetzenden müssen am wirtschaftlichen Erfolg jeder urheberrechtlich relevanten Verwertung ihrer Übersetzung in angemessener Weise beteiligt werden.

2. Die seit Jahren sinkenden Seitenhonorare müssen endlich angehoben werden – vor allem am unteren Ende.

3. Kein Text ist wie der andere, Anspruch und Aufwand sind nie gleich. Übersetzer brauchen keinen Einheitslohn, sondern differenzierte Vergütungen.“

Damit sei keineswegs eine platte Unterscheidung zwischen E und U gemeint, erklärte Schmidt-Henkel. „Wer sich mit Übersetzungen auskennt, weiß, dass auch die Unterhaltungsliteratur oft hohe Ansprüche an die Übersetzenden stellt – wenn sie nicht nur billig, sondern auch gut übersetzt sein soll.“

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