Autoren sind überfordert bei der Überwachung

Angesichts der Digitalisierungsoffensive von Google und den Open-Access-Aktivitäten von Max Planck & Co. haben sich Verleger und Autoren mit einem offenen Brief an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder gewandt: Das bestehende Urheberrecht, die Publikationsfreiheit und die Freiheit von Forschung und Lehre müssten entschlossen und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln verteidigt werden. Im Interview erklärt Roland Reuß, Literaturwissenschaftler an der Universität Heidelberg (hier ein Beitrag in der „Frankfurter Rundschau“), die Hintergründe der Offensive.

Google will Autoren und Verlage an seinen Einnahmen aus Google Books beteiligen, und viele Urheber finden diese Aussicht gar nicht so schlecht.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in der Praxis funktioniert. Die meisten Autoren werden vollkommen überfordert damit sein, alle ihre Sachen bei Google anzumelden und die Verwertung zu überwachen. Außerdem darf man nicht vergessen, mit was für einer Perversion wir es hier zu tun haben: Aus dem hohen Rechtsgut, selber über die Verwendung ihrer Werke zu entscheiden, für das die Urheber jahrzehntelang gestritten haben, wird ein reines Einspruchsrecht.

Ist das nicht ein eher theoretisches Problem?
Ganz und gar nicht. Das Neue an der digitalen Publikationsform ist, dass die Inhalte später faktisch nicht mehr rückrufbar sind. Sie können nicht vergriffen sein wie in einem Buch, sondern liegen für theoretisch unbegrenzte Zeit auf einem Server. Die Autoren werden jetzt genötigt, innerhalb einer kurzen Frist eine Entscheidung zu treffen, deren Konsequenzen sie überhaupt nicht absehen können. Jeder, der auf digitalem Weg etwas veröffentlicht, muss sich im Klaren darüber sein, dass er im Grunde bestimmte Rechte endgültig abgibt.

Für Urheber scheint es doch im Grunde egal zu sein, wer ihre Inhalte digitalisiert.
Das Problem ist, dass hier ein Monopol angestrebt wird. Als Autor profitiere ich von der Freiheit, mir den Verlag aussuchen zu können, in dem ich publizieren will und gegebenenfalls den Verlag zu wechseln. Wenn die Strategie von Google aufgeht, wäre diese Möglichkeit auf diesem Publikationsweg nicht mehr gegeben.

Die Fragen stellte David Wengenroth. Das komplette Interview erscheint Ende März im buchreport.magazin 4/2009.

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