Stadt der verschwindenden Bücher

Nachdem Ulla Unseld-Berkéwicz im aktuellen „Spiegel“ noch einmal den Umzug von Suhrkamp an die Spree begründet hat, besteht Hoffnung, dass dieses Thema nach wochenlanger Feuilleton-Debatte endlich zu Ende ist. Bei allem Überdruss an der Trauer um die Suhrkamp-Kultur: Heute gibt der Schriftsteller Thomas Hettche (der sich zuletzt auf buchreport.de zur Digitalisierung der Branche äußerte) in einem Artikel für die „FAZ“ (nicht online) Impulse, die über das übliche Suhrkamp-Lamento hinausgehen. In seinem Beitrag spricht sich der Ungern-Berliner für den Ausbau von Frankfurt zum Literaturlabor der Nation aus. Seine wesentlichen Argumente:

  • In Frankfurt sei u.a. mit der „FAZ“, Fischer, Schöffling, der FVA, Deutschen Buchhändlerschule, Buchmesse und dem Börsenverein die Infrastruktur der Literatur dieses Landes in einer einzigartigen Konzentration versammelt.
  • Doch das besondere kulturelle Kapital Frankfurts – kein Ort der Dichterpartys und Lesebühnen, sondern der literarischen Infrastruktur – mache die Stadt in einer Zeit des grundlegenden Strukturwandels auf dem Buchmarkt (siehe Interview) in besonderem Maß verletzlich.
  • Ergo müsse Frankfurt seine Chance als Buchstadt im „Zeitalter des Verschwindens der Bücher“ nutzen und sich zum Labor dieser Veränderungen machen.
  • Konkrete Vorschläge: Das jetzige Domizil des Börsenvereins am Hirschgraben sei die ideale Basis eines „think tanks künftiger Literatur“ (Tagungen, Stipendien, etc).
  • Wie in Leipzig müsse ein hochkarätig besetztes, internationales Lese-Festival aufgebaut werden. „Es wäre ein Vergnügen, sich auszudenken, an welchen Orten und mit welchem inhaltlichem Konzept man ein solches in Frankfurt zelebrieren könnte.“
  • Die Literaturhäuser müssten (mit Schreibwerkstätten, Poetikveranstaltungen, Lesezirkeln, Übersetzungsübungen, Café, literarischen Buchhandlungen) aus- und umgebaut werden.

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