Ohne verlegerisches Risiko

Billigbücher bei Aldi bringen die Buchbranche längst nicht mehr in Wallung, sondern führen höchstens zu vereinzeltem Nasenrümpfen unter den Sortimentern. Noch bevor Aldi-Nord ab 23. März „Klassiker“-Verwertung betreibt und eine Karl-May-Sammler-Edition startet, bietet der Discounter ab heute in seinen rund 2500 Filialen zehn Krimis aus dem Grafit Verlag zum Schleuderpreis von 1,99 Euro an.

In einer Auflage von jeweils 20.000 Exemplaren hat der Tandem Verlag die in der Gestaltung stark an der Originalausgabe orientierten Bücher produziert (Foto). Darunter sind Titel von den Bestseller-Autoren Jürgen Kehrer („Wilsberg und die Wiedertäufer“) und dem im vergangenen Jahr zu KBV gewechselten Jacques Berndorf („Eifel-Gold“), die – wie alle Aktionstitel – auch weiterhin in der regulären Ausgabe im Handel erhältlich sein werden (zu Verlagspreisen um 8 Euro). Grafit hatte zuvor auch schon Sonderausgaben mit Weltbild und dem Bertelsmann Club gemacht, mit Aldi ist dies nach der Beteiligung an zwei Hörbuch-Kompilationen die erste Buch-Kooperation.

„Sortimentsbuchhandel ist sehr vorsichtig bei unbekannten Autoren“

Die finanzielle Seite der Aldi-Verwertung ist Grafit-Verleger Rutger Booß zufolge überschaubar: „Wir haben uns nicht aus Geldnot zur Lizenzvergabe entschlossen, sondern sehen hier nicht zuletzt eine Möglichkeit, einmal ins Reich der buchfernen Kundenschichten vorzustoßen.“ Dem Buchhandel nehme die Aktion nichts weg, denn mit Ausnahme von Berndorf und Kehrer seien die übrigen acht Titel bundesweit im Sortiment „so gut wie gestorben“. Zum Teil seien weniger als 100 Exemplare im gesamten Jahr 2008 abgeflossen, kritisiert Booß auch das Einkaufsverhalten:

  • Insbesondere der Filialbuchhandel sei sehr vorsichtig bei noch unbekannten Autoren. Entsprechend sei es nun spannend, zu sehen, wie Titel in hoher Auflage neue Leser finden, die bisher nur in geringer Stückzahl verkauft wurden.
  • Bei vergleichbaren Buchhandelsaktionen neigten die Sortimenter zu der Ansicht, „dass Verleger selbst das verlegerische Risiko tragen sollen. Bei dieser Aktion haben Tandem bzw. Aldi dieses Risiko übernommen“.

(Aus buchreport.express 10/2009)

Kommentare

1 Kommentar zu "Ohne verlegerisches Risiko"

  1. Plopper Peter | 6. März 2009 um 21:19 | Antworten

    Bücher in der Tiefkühltruhe. Direkt neben den ungenießbaren Pizzen. Furchtbar.

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