Der Vorsprung schmilzt

Anders als in den USA, wo sich fünf große Publikumsverlagsgruppen um den Löwenanteil des Umsatzkuchens streiten, hat der britische Buchmarkt nur Platz für zwei Großverdiener. Dieses Duo liefert sich seit einigen Jahren einen erbitterten Kampf um die Marktführerschaft, der sich 2008 noch weiter zugespitzt hat: Hachette Livre UK hatte mit einem Marktanteil von 15,9% (2007: 16,6%) die Nase knapp vor der Random House Group, die auf 14,8% (14,6%) kam.

Doch im Handel mit allgemeiner Literatur, auf dem die von Mediendienstleister Nielsen BookScan ermittelten Zahlen für 2008 aufbauen, wird die Luft für den Marktführer dünner. Der Vorsprung, der 2007 noch satte 2% betragen hat, ist auf 1,1% geschrumpft. In Umsatzzahlen sind das 282,5 Mio Pfund, 5,4% weniger als ein Jahr zuvor, gegenüber 262,7 Mio Pfund der Bertelsmann-Tochter, die um 0,4% zugelegt hat.

Hachettes CEO Tim Hely-Hutchinson sieht den Rückgang freilich gelassen, denn dafür ist seine zum Medienimperium der französischen Group Lagardére gehörende Verlagsgruppe 2009 umso besser aus den Startlöchern gekommen: Zehn der 20 meistverkauften britischen Bücher entfallen auf Hachette-Imprints. Den Vogel schießt der Taschenbuchverlag Atom ab, der alle vier Vampirromane von Stephenie Meyer plus das „Twilight“-Filmbuch im Ranking hat – insgesamt verkaufte Exemplare: 1,443 Mio.

Der Vergleich mit Harry Potter drückt den Umsatz

Laut Nielsen BookScan, der die Buchumsätze von 8500 Ketten-, Internet- und unabhängigen Buchhändlern festhält, haben die britischen Publikumsverlage im vergangenen Jahr 236,9 Mio Bücher (minus 0,4%) zum Preis von 1,773 Mrd Pfund (minus 1,5) verkauft. „Harry Potter and the Deathly Hallows“ herausgerechnet, klettert die Branche sogar leicht in die schwarzen Zahlen.

Im Ranking der Verlage blieben die Positionen bis zum vierten Rang unverändert, mit Penguin und HarperCollins hinter dem Spitzenduo auf Platz 3 und 4. Auf den fünften Platz schob sich die Holtzbrinck-Tochter Pan Macmillan vor, die ihren Umsatz um 6,6% auf 57,9 Mio Pfund verbessert hat. Ohne Harry Potter ging es für Bloomsbury nicht unerwartet steil abwärts: 43,4 Mio Pfund bedeuten einen Umsatzeinbruch von 42,6% und Platz 7 statt 5.

Die Erfolgsstory der Independent Alliance dagegen ging 2008 weiter, denn der Zusammenschluss unabhängiger Kleinverlage legte um 12,5% auf 47,5 Mio Pfund zu. Das gute Abschneiden, das die Allianz im Ranking auf Platz 6 brachte, haben die acht Mitglieder fast im Alleingang Canongate zu verdanken, der seinen Umsatz um sage und schreibe 158,2% auf 10,4 Mio Pfund in die Höhe schraubte. Vorzeigeautor des schottischen Verlags war US-Präsident Barack Obama mit seinen Bestsellern „Dreams from My Father“ und „The Audacity of Hope“.

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