Ran an die Leinwand

Spätestens die diesjährige Berlinale ist der Beweis dafür, dass Filme, wie sie im Buche stehen, Konjunktur haben: Während „Der Vorleser“ und „Effi Briest“ bei den Filmfestspielen an der Spree aktuell für große Schlagzeilen sorgen, waren „Die Buddenbrooks“, „Twilight“, „Zeiten des Aufruhrs“ sowie „Tintenherz“ im Vorfeld der Berlinale beste Beispiele für die erfolgreiche filmische Adaption von Bücherstoffen. Für Verlage sind Filmrechte ein Geschäft ohne große Risiken – aber mit großem Potenzial.

Denn für Verlage wie Rowohlt, die seit Jahren mit darauf spezialisierten hausinternen Agenturen für Medienrechte die Lizenz zum Filmen verkaufen, bleiben die Risiken überschaubar: Im besten Fall verdienen sie am Erfolg an der
Kinokasse mit; im schlimmsten Fall haben sie zwar Arbeit in die Vermittlung der Bücherstoffe (wie etwa beim Berlinale- tête-à-tête mit Filmproduzenten „Breakfast & Books“) oder die Auswahl der Produktionsfirma investiert, erleiden aber keine finanzielle Bauchlandung – üblicherweise werden die Verlage nicht an den Filmproduktionsrisiken beteiligt. Wie lukrativ dieses Geschäft ist, macht die Agentur für Medienrechte von Rowohlt vor, die jährlich rund 5 Mio Euro mit Drehbuch- und Verfilmungsrechten umsetzt.

Doch auch jenseits der Leinwand ergeben sich für die Verlage, die das Geschäft professionell betreiben, Vorteile – nämlich Rückkoppelungseffekte im Kerngeschäft: Bei erfolgreichen Verfilmungen zieht in der Regel auch die Backlist an, wenn ein Filmbild auf dem Cover klebt. Auf diesem Weg profitieren nicht nur Print-Erfolge der Vergangenheit, sondern mitunter auch die stillen Kandidaten aus der zweiten Reihe. So avancierten Tania Blixens Afrika-Erinnerungen erst durch den Erfolg von „Jenseits von Afrika“ zum Bestseller.

(Aus buchreport.express 7/2009)

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