Kurzlebigkeit ist Trumpf

Früher als die Umsatzzahlen, die erfahrungsgemäß nicht vor Mitte Februar publik gemacht werden, lässt die Jahresbestsellerliste von „Publishers Weekly“ erste Interpretationsansätze für die Befindlichkeit des US-Buchmarktes im abgelaufenen Jahr zu. Das Fazit des Bestsellergeschäfts 2008: Einen Listenplatz angesichts von 200.000 Neuerscheinungen zu ergattern, war schwierig genug, ihn zu halten aber noch viel schwieriger.

Mit 563 Titeln (2007: 561, 2004: 421) haben mehr Bücher als je zuvor den Sprung auf die vier Bestsellerlisten geschafft, die PW wöchentlich erstellt. Sie verteilen sich auf 179 (176) gebundene Romane, 123 (116) Sachbücher, 205 (212) Mass-Market-Taschenbücher und 56 (57) Paperbacks. Gleichzeitig nahm aber auch die Zahl der Bücher zu, die ein viel zu kurzes Gastspiel gaben, um bei den Buchkäufern eine bleibende Erinnerung zu hinterlassen.

Nach maximal zwei Wochen ist Schluss

Das gilt ganz besonders für die Unterhaltungsliteratur: Hier waren 42% aller gebundenen Romane und 40% aller Taschenbücher nach maximal zwei Wochen schon wieder in der Versenkung verschwunden. Lediglich neun Hardcover kamen auf eine zweistellige Verweildauer, angeführt von Stephenie Meyers Science Fiction-Roman „The Host“ (30) und dem Newcomer des Jahres, David Wroblewskis Erstling „The Story of Edgar Sawtelle“ (26).                                

Wie kurzlebig das Bestsellergeschäft geworden ist, zeigt das Beispiel John Grisham. Die Justizthriller des Amerikaners sind zweifellos immer noch stark gefragt, sonst hätte „The Appeal“ nicht 15 Wochen auf der Hardcoverliste verbracht. Doch gemessen an seinem ersten Bestseller „The Firm“, der 1991 auf 41 ununterbrochene Bestsellerwochen kam, ist das jüngste Buch aus der Feder des erfolgreichen Autors schnell verblüht.

Das Establishment bleibt unter sich

Die Analyse der Bestsellerlisten machen auch den Würgegriff deutlich, mit dem die großen Verlagskonglomerate den US-Buchmarkt fest im Griff haben. Die Zahlen lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Die „Big 6“, als da sind Random House, HarperCollins, Penguin USA, Hachette Book Group USA, Simon & Schuster und Macmillan, haben im vergangenen Jahr das Bestsellergeschäft fast nach Belieben unter sich aufgeteilt. Zusammengerechnet hat das Sextett 85% aller verfügbaren Hardcoverplätze auf der PW-Jahresbestsellerliste vereinnahmt. Beim Taschenbuch war die Dominanz mit 80% nur geringfügig geringer ausgeprägt Unumstrittener Marktführer war einmal mehr die Mega-Gruppe Random House, auf deren Konto 88 gebundene Bestseller gingen.

Mehr zum  Thema im aktuellen buchreport.express 6/2009

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