Die E-Book-Angebote kommen für viele Verlage einige Monate zu früh

Im Stakkato kündigen die E-Book-Apologeten in diesen Tagen ihre nächsten Schritte an. Wird 2009 das Jahr des E-Book?
Auf jeden Fall. Wir haben die einmalige Chance, ein neues Medium auf dem Markt zu etablieren und dabei können wir eine historische Partnerschaft zwischen einem Hardware-Hersteller, Sony, und dem Buchhandel eingehen. Das sollte sich keiner entgehen lassen, bevor das Geschäft in Richtung Media Markt und Saturn abwandert.

Sind die Verlage gut aufgestellt?
Nein, angesichts der Probleme beim Produktionsprozess, beim Konvertieren der Dateien in verschiedene Formate, kommen die neuen Angebote für viele Publikumsverlage einige Monate zu früh.

Sind technische Probleme die größten Hürden?
Eine große Hürde, hinzu kommt die schwierige Rechtefrage. Es fehlen z. B. noch die Abstimmungen zwischen den Autoren/Agenten und dem, was die Verlage derzeit für finanzierbar halten. Es ist kein Geheimnis, dass auf diesem neuen Feld zumindest am Anfang nicht viel Geld zu verdienen ist. Andererseits ist die Herausforderung für die Verlage groß. Es wird quasi nicht nur die Auslieferung gewechselt, sondern ein komplettes Herstellungs- und Vertriebssystem. Und das ist Neuland für die Publikumsverlage. Holtzbrinck, Random House und Bonnier können sich große Lösungen leisten, aber wir müssen aufpassen, dass dieser Trend nicht zu einer Monopolisierung führt, bei der diejenigen, die sich das finanziell, technisch und personell leisten können, den Ton angeben. Wir müssen kleinere und mittlere Verlage unterstützen, die es sich nicht leisten können, einen Mitarbeiter für ein halbes Jahr für diese Aufgaben freizustellen. Aber auch sie müssen dabei sein. In den USA sind die Autoren schon so weit, dass sie sich bei ihrem Verlag melden und fordern, dass ihre Titel rasch auch als E-Book angeboten wird. Das kommt auch in Deutschland und wird von den Verlagen auch erkannt. Aber es herrscht eine große Unsicherheit beim Thema E-Book.

Eine Unsicherheit, die Verlage gelähmt hat?
Die klassischen Publikumsverlage haben diesen Themenkomplex frühestens im Sommer 2008 mitbekommen. Wenn man sich vor Augen führt, dass es zum Beispiel immer noch keine klare Festlegung gibt – sind E-Books ein Haupt- oder Nebenrecht –, sieht man, dass es noch einige Zeit braucht. Im Moment muss jedes Buch noch einzeln angefasst werden, um zu entscheiden, wie es konvertiert werden soll. Große Verlage werden einen Standard-Herstellungsprozess entwickeln, in den das Manuskript hineinläuft und aus dem es am Ende in verschiedenen Formaten herauskommt – aber selbst die Konzerne sind bei den Backlisttiteln davon noch weit entfernt.

Erweitern oder kannibalisieren E-Books den Markt der gedruckten Bücher?
Es wird Kannibalisierungen, aber auch Zusatzverkäufe geben, z. B. nach dem Prinzip: Wer bei mir E- und gedrucktes Buch kauft, spart Geld. Der Kunde kann den 1000-Seiten-Roman zu Hause gedruckt lesen und unterwegs als E-Book.

Die Mitspieler setzen derzeit auf verschiedene Standards – droht ein Krieg der Formate?
Nein, kein Krieg, aber die Verlage müssen sich im Klaren sein, dass sie verschiedene Formate bedienen müssen.

Was den Prozess noch teurer macht.
Nicht deutlich, die meisten Verlage haben ohnehin ihre Bücher im PDF-Format; Epub ist das aufwändigste und in der Konvertierung teuerste Format, allerdings sind die weiteren Abzweigungen z.B. zu Kindle/Mobipocket dann günstig. Dass Libreka aufs PDF setzt, ist zwar schade für die Weiterentwicklung von Epub, aber eine pragmatische Entscheidung, weil so deutlich mehr Titel zum Start der Reader lieferbar sein werden.

Warum kann sich die Branche nicht auf einen Standard einigen, ähnlich wie die Musikbranche mit mp3?
Weil im Moment noch jeder seine Position bezieht und versucht, proprietär etwas durchzusetzen. Dabei fehlt eine ordnende Macht wie iTunes, um ein Format zu bestimmen. Branchenpolitisch erscheint es vielen unklug, sich dem Format von Amazon unterzuordnen – wenn die Amerikaner nach Europa kommen, wird es spannend.

Wie hoch wird der Marktanteil digitaler Bücher aus Publikumsverlagen in fünf Jahren sein?
Prognosen wie von Mathias Horx über 15 bis 18 Prozent halte ich für völlig überzogen. Ich denke, dass ein Anteil von drei bis fünf Prozent 2014 realistisch ist.

Die Fragen stellte Daniel Lenz.

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