Zeit der Notwendigkeiten

Die schlechten Gesamtwirtschaftsprognosen für 2009 versuchen sich zu übertreffen. Sie enthalten aber, anders als befristete wie konkrete Unwetter- und Glatteiswarnungen, wenig Handlungsperspektive. Sie lassen Viele rätseln, was diese trotz der intensiven Nachrichteneinschläge merkwürdig abstrakte und oft unverstanden wirkende Krise mit ihnen machen wird – außer womöglich einer gewissen Abstumpfung, wenn allerorten ganz selbstverständlich mit Milliarden-Beträgen jongliert wird.

In den letzten Wochen, so berichtet ein großer und umtriebiger Marktteilnehmer, habe er in zahlreichen Gesprächen festgestellt, dass nur ganz wenige Unternehmen in der Buchbranche ihre Planung für 2009 nach unten korrigiert hätten. Dieser Optimismus sei schon etwas irritierend: Auch wenn den Buchhandel die Großwetterlage immer nur verspätet erreicht hat und dies meist auch nur in abgeschwächter Form, so sei doch nicht zu erwarten, dass der Buchhandel von einer so heftigen globalen Krise verschont bleiben werde.

Aber was ist richtig: Weiter zügig geradeaus in Richtung Stauende fahren, solange es noch geht, oder besser vorsorglich das Tempo drosseln und den Stau damit womöglich noch weiter verlängern? Wer Minus plant, macht Minus.

Keine Zeit für Mätzchen

Unabhängig davon, ob die härteste Krise seit Menschengedenken bevorsteht oder der Sturm vielleicht doch nur gedämpft durch den Markt fegt: Es gibt die naheliegende Vorbereitung, aufgeschobene Hausaufgaben abzuarbeiten und Dauerbaustellen zu beseitigen. Keine Zeit für Mätzchen. Auch wenn es wohlfeil ist, von der Krise als Chance zu sprechen: Wenn der Situation etwas abzugewinnen ist, dann die gesteigerte Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen und Umsetzungen zu forcieren. Am Ende könnten Unternehmen und die Branche besser dastehen als nach auskömmlicheren Zeiten.

2007 hatte querbeet mit überwiegend freundlichen Zahlen davon abgelenkt, dass diese Branche nicht mehr wächst. 2008 hat bereits ein realistischeres Bild beschert, das 2009 noch kontrastreicher werden wird. Es ist die Zeit weiterer Rationalisierung, der Kunst des Weglassens und der Häutung, was immer das im Einzelfall heißt: Vielleicht gelingt es beispielsweise 2009 auch kleineren Buchhändlern, sich über die E-Book-Diskussion als der örtliche Online-Vollsortimenter zu positionieren, der sie unerkannt und kaum genutzt längst sind.

Mit weniger Ware bessere Geschäfte

Auch für die allgemeinere Branchen-Agenda 2009 braucht es keine neuen Themen, sondern Handlungsbereitschaft:

  • Das teure Recycling einschränken: Senkung der Remissionen, Einsatz anderer Verfahren (Titelblattremission) und Abbau der Resterampen.
  • Titelzahl reduzieren: Der frömmste und älteste Wunsch der Branche, mit weniger Ware bessere Geschäfte zu machen.
  • Kommunikation optimieren: Von der Informationsfütterung des Handels durch die Verlage bis hin zu den Bestellwegen.

Das ist schwierig, weil nicht individuell zu lösen. Was Hoffnung macht, ist die 2008 erkennbar gewachsene Bereitschaft, in und außerhalb der Branche Allianzen zu finden.

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