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Geschäft von einiger Größe

Es ist fast 50 Jahre her, dass der 17-jährige Heinrich Breloer in einem kleinen Kino in seiner Heimatstadt Recklinghausen den „Buddenbrooks“- Film von Regisseur Alfred Weidenmann sah. Das Werk von 1959 hinterließ einen bleibenden Eindruck auf den Sohn eines Mehlgroßhändlers, der seine eigene Geschichte erkannte, wenn auch „im historischen Gewand“. Nach dem Stummfilm von Gerhard Lamprecht, der 1923 noch zu Lebzeiten von Thomas Mann entstand, war es die zweite Verfilmung über den Aufstieg und Niedergang der Lübecker Handelsfamilie. Zwei weitere Adaptionen sollten folgen: Eine elfteilige Fernsehserie im Jahr 1979 und in diesem Jahr, mit Filmstart am 1. Weihnachtstag, der Spielfilm von Breloer, zugleich seine erste Arbeit fürs Kino.

Breloer fand 1959 über den Film zum Buddenbrooks-Roman, der nicht nur ein literarischer Klassiker, sondern mit etwa 5 Mio verkauften Exemplaren auch ein Longseller ist. Hinzu kommen 1 Mio verkaufte ausländische Ausgaben in mehr als 40 Sprachen. Dass die Verfilmungen sich auf die Rezeption des Romans auswirkten, machte sich – wie im Fall Breloer – nicht nur in einer späteren künstlerischen Auseinandersetzung bemerkbar, sondern auch in den Verkaufszahlen der Bücher.

Vor allem die dritte Verfilmung Ende der 70er-Jahre unter der Regie von Franz Peter Wirth brachte dem Buchhandel einen wahren Buddenbrooks-Boom: Innerhalb von sechs Wochen wurden 250.000 Exemplare verkauft. Als Grund für diesen großen Erfolg sieht die Literaturwissenschaftlerin Britta Dittmann die Werktreue der Produktion. In dem von Hans Wißkirchen herausgegebenen Band „Die Welt der Buddenbrooks“, den S. Fischer neben einem Filmbuch von Breloer zum Start der Neuverfilmung in den Handel bringt, erinnert sie an Thomas Manns eigene Prognose: „Das Buch bleibt ja. Es wird wegen des Films nicht weniger gelesen werden, wahrscheinlich sogar mehr.“ Das ganz große Interesse an dem Schriftsteller setzte bereits mit der Veröffentlichung der Tagebücher 1977 ein; die TV-Serie lockte im Herbst 1979 wöchentlich 14 Mio Deutsche vor den Bildschirm, das „Hamburger Abendblatt“ begleitete die Ausstrahlung mit einer eigenen Serie.

Der Regisseur gelobt Werktreue

Eine ähnliche Aufmerksamkeit und ein Millionenpublikum erreichte 2001 auch Breloers TV-Dreiteiler „Die Manns“, der dem „Spiegel“ eine Titelgeschichte wert war. Dass der neue Breloer auch den Absatz der Bücher ankurbeln wird, davon ist S. Fischer-Sprecher Martin Spieles überzeugt. Zuletzt waren die Verkaufszahlen der „Buddenbrooks“ mit jährlich 50.000 verkauften Exemplaren stabil, ohne große Ausreißer.

Wenn die Werktreue des Films Kriterium für eine Nachfrage der literarischen Vorlage ist, könnte sich der Verlag über eine erneute Renaissance des Klassikers freuen, denn im Interview hat Breloer Textnähe versichert: „Wir haben versucht, so motivtreu wie möglich zu sein; es bleibt bei allen Verdichtungen immer Thomas Mann.“

Till Spielmann
www.buddenbrooks-derfilm.de

aus: buchreport.magazin 12/2008

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