Warten auf Generation 2.0

Die Vision einer Alexandria-Bibliothek im stationären Buchhandel ist so faszinierend wie tückisch. Fünf Monate, nachdem die Libri-Tochter BoD (Books on Demand) angekündigt hat, die schnellen Digital-Drucker „Espresso Book Machines“ (EBM) im deutschen Buchhandel einzuführen, stockt das Projekt. Bis zur Frankfurter Buchmesse wollte der selbst ernannte europäische Marktführer in der digitalen Buchpublikation, ähnlich wie Blackwell’s in Großbritannien, erste Geräte im Buchhandel installieren, um zunächst sämtliche BoD-Titel sowie später im Print vergriffene Titel anderer Verlage innerhalb weniger Minuten als Taschenbuch drucken zu können. Doch noch fehlt ein Pilot-Test. Im Gespräch mit buchreport nennt BoD-Geschäftsführer Moritz Hagenmüller technische Probleme.

Derzeit entwickele der US-Partner On Demand Books eine zweite Generation der EBM (Foto); in dieser Situation mache es keinen Sinn, mit den alten Maschinen zu arbeiten. Angesprochen auf die Anregung von VVA-Chef Stephan Schierke, auf die mit Qualitätsmängeln behaftete „Espresso“-Buchfertigung in Buchhandlungen zu verzichten und stattdessen in besserer Qualität bei der VVA zu drucken (buchreport.express 49), erklärte Hagenmüller: „Das Espresso-Konzept ist reizvoll am Point of Sale, aber nicht zweckmäßig in der Logistik, dafür ist es zu wenig industriell.“ Grundsätzlich sei man bei der Hardware und  auf der Suche nach einem Geschäftsmodell noch am Anfang. Ob am Ende im Buchhandel, an Kiosken oder in Unis gedruckt werde, sei unklar.

Trotz Espresso-Problemen zeigte sich der BoD-Chef zufrieden:

  • In diesem Jahr strebt BoD ein Umsatzplus im „nicht-einstelligen Bereich“ an, ziert sich Hagenmüller allerdings, bereits die Größenordnung zu spezifizieren.
  • Sowohl das Autorengeschäft als auch das B2B-Geschäft (z.B. digitaler Nachdruck von Backlisttiteln, Kooperationen mit über 100 Verlagen, darunter Suhrkamp, Walter de Gruyter, Springer) entwickelten sich erfreulich; beide Säulen seien umsatzmäßig etwa gleich stark.
  • Die Expansion in Europa (wie 2008 nach Frankreich) werde fortgesetzt.
  • Als Zukunftsprojekt steht die Kooperation mit einem Volltextsuche-Portal auf der Agenda, um die von Google & Co. eingescannten und teils vergriffenen Bücher nachzudrucken; noch gebe es jedoch keine konkreten Verhandlungen. „Eine BoD-Option in einem Volltextsucheportal wäre für alle Marktteilnehmer wünschenswert, um eine maximale Optionsvielfalt anbieten zu können.“

aus: buchreport.express 50/2008

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