Stress im Weihnachtsgeschäft

Vom Zusammenbruch des britischen Einzelhandelskonzerns Woolworths ist auch die Buchbranche unmittelbar betroffen: Die Woolworths-Tochter Entertainment UK (EUK), die u.a. den Supermarktgiganten Tesco mit Büchern versorgt, hat Konkursverwalter Deloitte ebenfalls im Haus, der als Erstes einen Auslieferstopp verfügt hat.

Besser sieht es für das Barsortiment Bertrams aus, dessen Übernahme durch EUK erst vor 15 Monaten gegen den heftigen Widerstand von Verlegern und Buchhändlern von der Kartellbehörde abgesegnet worden war (buchreport berichtete). Der im ostenglischen Norwich ansässige zweitgrößte Zwischenbuchhändler auf der Insel ist vom Woolworths-Konkurs mittelbar nicht betroffen, weil er wirtschaftlich unabhängig vom Mutterkonzern operiert, mit anderen Banken arbeitet und bei einem Umsatz von zuletzt  (geschätzten) 108 Mio Pfund (130 Mio Euro) tiefschwarze Zahlen schreibt.

Doch hängt über Bertrams Zukunft inzwischen ebenfalls ein großes Fragezeichen. Noch hat sich Deloitte nicht öffentlich geäußert, aber der Verkauf des Unternehmens, das auch viele Bibliotheken mit Literatur versorgt, ist so gut wie sicher. Angeblich gibt es bereits eine Reihe von Interessenten. Nicht überraschend löst in Norwich deshalb eine Krisensitzung die andere ab.

Nachschub-Probleme

Groß ist auch die Verunsicherung innerhalb der Branche. Obwohl Bertrams-Geschäftsführer Michael Neil in den vergangenen Tagen gebetsmühlenhaft die Botschaft von Business as usual wiederholt und reibungslosen Service im Weihnachtsgeschäft versprochen hat, sollen mehrere Verlage die Belieferung kurzfristig eingestellt haben. Bislang hat jedoch nur Hachette Livre UK, die neben Random House größte britische Publikumsverlagsgruppe, entsprechende Maßnahmen bestätigt, die „bis auf Weiteres“ gelten. Stattdessen liefert Hachette Distribution per 24-Stunden-Hotline die Bücher von Headline, Hodder & Stoughton und Co. an Bertrams-Kunden direkt aus. Beide Seiten führen Gespräche und hoffen auf eine Übereinkunft noch in dieser Woche.

Die Supermärkte, die ganz offensichtlich nicht damit gerechnet hatten, dass der Woolworths-Konkurs auch EUK einbezieht, arbeiten hektisch an Alternativplänen. Anders als Tesco, der lediglich Bücher über den Grossisten bezieht und kurzfristig von den Verlagen direkt beliefert wird, versorgt die Woolworths-Tochter Asda, Sainsbury’s, Morrison und Medienhändler Zavvi auch mit CDs und DVDs. Und wie im Buchhandel ist das Weihnachtsgeschäft für die Musikbranche von existenzieller Bedeutung.

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