Google bleibt nicht das Maß

Über den rechten Umgang mit dem Suchmaschinen-Giganten Google herrscht in der Buchbranche Uneinigkeit. Dirk Lewandowski erforscht computergestütztes Suchen und wartet auf eine Suchmaschine, die besser ist.

Ist Google eher gefährlich oder nützlich aus Sicht der Verlage?
Für jemanden, der viele Nutzer erreichen will und eine gute Vermarktung anstrebt, ist Google zweifellos ein sehr nützliches Angebot. Das Unwohlsein rührt daher, auf einen Anbieter angewiesen zu sein. Aber sich abzuschotten, ist keine zielführende Strategie: Eine Öffnung ist nötig. Die Alternative hieße, eine eigene Suchmaschine zu installieren und mit dieser eine ähnlich große Nutzerzahl zu erreichen.

Was tun, wenn die eigene Volltextdatenbank von Google nicht indexiert wird?
Es bleibt in jedem Fall, die eigenen Seiten für die Suchmaschinen zu optimieren. Amazon fährt ja auch die Doppelstrategie: Ein eigenes Tool, um Bücher zu durchsuchen, aber auch der allgemeinen Suchmaschinenlogik zu genügen.

Muss es die Buchbranche nicht auch nervös machen, dass Google selbst verlegerisch aktiv wird, aktuelles Beispiel ist „Knol“?
Tatsächlich geht es Google immer auch darum, über Inhalte zu verfügen, die es werblich nutzen kann. Es sind aber keine eigenen Inhalte: Knol ist ein eindeutiger Web 2.0-Ansatz. Er eröffnet Google die Option, bei vielen Suchen nicht nur immer wieder prominent auf „Wikipedia“ zu verweisen, sondern auch auf eine Substanz, die sie selbst vermarkten kann …

… und die bei den Such-Rankings ganz weit vorn gelistet sind…
Das wird vermutlich so sein.

Bleibt Marktteilnehmern nur, auf der Google-Welle zu surfen?
Es liegt nahe, die vielen Möglichkeiten offensiv zu nutzen. Der Google-Marktanteil liegt in Deutschland mittlerweile bereits bei 90%, ein Quasi-Monopol, das kurzfristig wohl auch nicht gebrochen wird. Aber ich bin sicher, mittelfristig wird eine Suchmaschine kommen, die besser ist …

Ist eine solche Monopol-Marke wie Google wirklich zu knacken?
Da wird sich etwas tun. Ich mache mir deshalb wegen der Monopolstellung von Google keine so großen Sorgen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch schon Zeiten gegeben hat, da hielt man Microsofts Internet-Explorer für beherrschend und unangreifbar. Aber so stabil sind die Strukturen besonders im Internet nicht. Das Suchen mit den vielen Fundstellen und der nicht immer einsichtigen Reihenfolge der Suchergebnisse ist jedenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss. Google wird nicht das Maß der Dinge bleiben. Und jedes innovativere Konzept könnte die derzeitige Suchmaschinenwelt aus den Angeln heben.             

Die Fragen stellte Thomas Wilking

Zur Person: Dirk Lewandowski

ist Professor für Information Research & Information Retrieval an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Er ist Herausgeber des soeben erschienenen „Handbuch Internet-Suchmaschinen: Nutzerorientierung in Wissenschaft und Praxis“ (Akademische Verlagsgesellschaft Aka, Heidelberg).

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