Hirten und unruhige Lämmer

Turbulente Tage in Augsburg: Während hinter den Kulissen über einen Verkauf des Buchbranchenriesen Weltbild verhandelt wird, brodelt es in der Belegschaft. „Keiner weiß, wie es weitergeht“, klagt Visnja Bernhard, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, im Gespräch mit buchreport.

Mit einer Unterschriftenaktion und in Form eines offenen Briefs an die Bischöfe der insgesamt 14 Diözesen sowie die Soldatenseelsorge Berlin, die als Weltbild-Besitzer die Fäden in der Hand halten, hatte der Betriebsrat gefordert, die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern nicht zu vergessen. Am vorvergangenen Freitag trat Klaus Donaubauer, Finanzdirektor der Diözese Augsburg und Aufsichtsratschef von Weltbild, vor die Belegschaft. „Es wurde keine Standort- und Arbeitsplatzgarantie gegeben“, subsumiert der Betriebsrat und demonstriert Kampfbereitschaft. „Wir haben ver.di mit im Boot.“

Geschäftsführung gießt Öl auf die Wogen

„Derzeit finden Gespräche mit fünf Interessenten statt. Ein Interesse bedeutet noch keinen Verkauf“, versucht Weltbild-Chef Carel Halff in einer Stellungnahme der Geschäftsleitung die Wogen zu glätten: „Über Jahrzehnte haben die Gesellschafter der Verlagsgruppe ihre Großzügigkeit gegenüber dem Unternehmen sowie äußerste Zurückhaltung bewiesen, was Ausschüttungen anbelangt. Die Geschäftsführung ist sicher, dass auch bei einem Verkauf die Interessen der Mitarbeiter und des Unternehmens angemessen berücksichtigt werden.“

„Die Faktoren ,Standortsicherung‘ und ,Erhalt der Arbeitsplätze‘ haben einen sehr hohen Stellenwert. Die derzeitigen Gesellschafter nehmen ihre Verantwortung ernst“, betonte auch Donaubauer gegenüber buchreport. Die Prüfung der Verkaufsoption erfolge in einem „geordneten, jedoch ergebnisoffenen Prozess“. Donaubauer auf die Frage nach einer möglichen Filetierung der Weltbild-Gruppe: „Eine unorganische Zerschlagung ist nicht zielführend.“ Zu den Bewerbern, mit denen derzeit gesprochen wird, gibt es offiziell keinen Kommentar. In der Gerüchteküche kochen mehrere Kandidaten hoch:

  • Bertelsmann: Könnte die Akquise des Hauptwettbewerbers das Clubgeschäft – mühevoll saniert, gleichwohl weit von den Konzern-Renditezielen entfernt – im Sinne der Vorwärtsverteidigung langfristig entscheidend absichern?
  • Thalia: „Als Ganzes interessiert uns Weltbild nicht, einzelne Teile dagegen sehr“, so Douglas-Chef Henning Kreke. Würden die Weltbild-Gesellschafter ein Rosinenpicken goutieren? Welche Grenzen würde das Kartellamt ziehen?
  • Holtzbrinck: Die Verlagsgruppe legt derzeit den Hauptakzent auf neue Internet-Aktivitäten. Passt der Multichannel-Klotz Weltbild ins Konzept?
  • Arcandor: Mit Karstadt/DBH und Quelle/Weltbild gibt es bereits Kooperationen, aber der Konzern hat wohl andere Sorgen?!
  • In den Spekulationen fällt auch der Name Hugendubel, mit Weltbild über die DBH eng verbandelt. „Dazu möchten wir uns nicht äußern“, so Nina und Maximilian Hugendubel im Interview mit dem buchreport.magazin auf die Frage zum möglichen Weltbild-Verkauf:  „Wir vertrauen den Weltbild-Gesellschaftern und verlassen uns darauf, dass sie eine richtige Entscheidung treffen werden.“

aus: buchreport.express 44/2008

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