Postskriptum: Leben ohne Elke

Buchhandel: Beschädigt

Die Buchbranche trauert um „Lesen!“. Wegen des Streits zwischen Moderatorin Elke Heidenreich und dem ZDF hat der Sender die Bücher-Show abgesetzt. Buchverlage sollten jetzt prüfen, ob sie Anspruch auf Hilfen aus dem 500-Mrd-Euro-Rettungspaket haben, das die Bundesregierung vor Kurzem zur Rettung der deutschen Bankenlandschaft geschnürt hat. Abwegig? Durchaus nicht. Schließlich gab es Zeiten, in denen allein die Erwähnung eines Buches in der Sendung für die publizierenden Verlage eine sichere Bank war.

Reich-Ranicki: Reklamiert

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist aufgrund seiner harschen Kritik an der Qualität des Fernsehprogramms unverhofft zum Werbeträger avanciert: Die Telekom zeigt sein Gesicht in einer Anzeige zu dem Slogan: „Bei uns findet jeder ein Fernsehprogramm, das ihm gefällt.“ Witzig. Auch der Billigflieger Ryan Air bedient sich des Kritikers und textet zu seinem Bild: „Diesen Preis nehme ich an.“ Ha ha. Immerhin aber schließt sich mit Reich-Ranickis Reklamekarriere in gewisser Weise der Kreis, denn sein Auftritt bei der Gala für den Deutschen Fernsehpreis war unübersehbar von einem alten Werbe-Klassiker inspiriert: Dem HB-Männchen.    

ARD: Ausgestiegen

Für Empörung sorgte die ARD, weil sie die Übertragung der Friedenspreisverleihung mitten in der Rede des Preisträgers Anselm Kiefer abbrach (siehe Seite 5). Begründung: Die vom Börsenverein zugesicherte Sendezeit wurde überzogen. Eine merkwürdige Erklärung, denn schließlich wird bei Unterhaltungsformaten wie „Wetten, dass …?“ die Sendezeit ständig überzogen. Wenn der Verband sicherstellen will, dass die Verleihung des Friedenspreises in Zukunft vollständig gezeigt wird, muss er ihn wohl Thomas Gottschalk geben.       

Gatte: Gekauft

Einen aus Sicht des Buchhandels nachteiligen Handel hat Pop-Queen Madonna ihrem angehenden Ex-Gatten Guy Ritchie angeboten: Er bekommt 77 Mio Euro, wenn er keine Details aus ihren Ehejahren ausplaudert. Das ist ärgerlich, denn der Millionen-Maulkorb verhindert die Entstehung eines möglicherweise verkaufsträchtigen Enthüllungsbuchs. Da möchte man doch als Buchhändler bei der Pop-Röhre anfragen, ob sie eigentlich auch dafür bezahlt, dass man das Buch, das Mr. Ritchie nicht schreibt, nicht verkauft.

Firmenchef: Freizügig

um „Kämpfer der Woche“ kürte „Bild am Sonntag“ jetzt den Eisenacher Unternehmer und Autor Roland Kehr. Begründung: Um seine bei einem Brand zerstörte Modellbaufirma wieder hochzubringen, hat Kehr ein Buch über Sex in der DDR geschrieben („Ein heißer Sommer…“, erschienen im Kehi-Verlag). Ob der tapfere Modellbauer sich mit seinem Buch über freie Liebe in Datsche und Trabbi allerdings wirklich einen Gefallen getan hat, wird sich erst noch zeigen müssen: Ob seine Leser nach der Lektüre große Lust haben werden, mit der Modelleisenbahn zu spielen, ist einigermaßen zweifelhaft.

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