Postskriptum: Attackierte Auszeichnungen

Auszeichnung: Attackiert
In den vergangenen Tagen konnte man als Stifter oder Juror eines Literaturpreises geradezu depressiv werden: Da schmähte Peter Handke den ihm verliehenen Thomas-Mann-Preis als „Scheißpreis“, Literaturkritiker zerpflückten die Shortlist für den Deutschen Buchpreis und Elke Heidenreich (Foto) bezeichnete die Auszeichnung gar als „völligen Schwachsinn“. Wie anders sieht die Welt nach der Verleihung des Buchpreises an Uwe Tellkamp aus: Allseits werden Preisstifter und -richter für die gute Wahl gelobt. Mal geprügelt, mal gepriesen: Das ist eben der Preislauf des Lebens.     

Entscheidung: Erraten
Apropos Literaturpreis: Für Aufsehen hat die Treffsicherheit einiger englischer Glücksspieler gesorgt, die vor der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises auffällige Wetten auf den überraschend geehrten Jean-Marie Gustave Le Clézio platziert hatten. In der Nobelpreis-Akademie macht jetzt ein schlimmer Verdacht die Runde: Der literarische Sachverstand englischer Zocker könnte jahrzehntelang sträflich unterschätzt worden sein. Bei der Neubesetzung frei werdender Plätze in der Jury sollen sie künftig bevorzugt berücksichtigt werden.   

Reich-Ranicki: Raubeinig
Noch einmal: Apropos Preis. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat mit seiner robusten Schelte für die Qualität des TV-Programms bei der Gala des Deutschen Fernsehpreises mächtig Staub aufgewirbelt. Mir persönlich hat allerdings die weniger spektakuläre, aber kaum weniger vernichtende Programmkritik der frischgebackenen Weltrekordhalterin im Dauerfilmschauen besser gefallen: Nachdem die Deutsche Claudia Wavra vergangene Woche in New York am Stück 57 Kinofilme mit einer Gesamtlänge von 123 Stunden und 10 Minuten angeschaut hatte, wurde sie von der „FAZ“ gefragt: „Wie lange schauen Sie für gewöhnlich fern?“ Antwort: „Kaum. Vor dem Fernseher schlafe ich nämlich immer ein.“ 

Vorwort: Vorbildlich
Selbst unter wohlwollenden Buchlesern hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass man an Vorworten vorsichtshalber vorbeiblättern sollte. Ein schönes Beispiel dafür, dass das nicht immer zutrifft, liefert jetzt Dr. Eckart von Hirschhausen in seinem Vorwort zu dem gerade bei Rowohlt erschienenen Buch „Denken Sie selbst! Sonst tun es andere für Sie“ von Vince Ebert, das mit den Sätzen beginnt: „Am Anfang war das Wort. Und vorher? Das Vor-Wort?“

Schlusssatz: Schlecht
Vom Vorwort kommen wir diesmal direkt zum Schlusssatz, und zwar ganz konkret zu dem Schlusssatz einer Kolumne über Schlusssätze von dem verehrten Kollegen Harald Martenstein im „Zeit Magazin Leben“: „Mir hat mal ein alter Lokalredakteur das Geheimnis der Schlusssätze verraten. Der letzte Satz ist meistens prätentiöser und pseudobedeutsamer Mist, sagte er, den letzten Satz, den du in der ersten Fassung hingeschrieben hast, musst du immer streichen. Der Grund dafür, dass letzte Sätze meistens danebengehen, sei folgender.“

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