Die Politik hat es nicht begriffen

Heute Morgen haben die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse über den Status Quo des diesjährigen Branchentreffens referiert. Wie die Ausstellungs- und Messe-GmbH bei der Eröffnungspressekonferenz bekannt gegeben hat, eröffnet die Buchmesse im Jubiläumsjahr mit einem leichten Ausstellerrückgang die Pforten: 7373 Aussteller verzeichne die Messe in diesem Jahr – im Vorjahr 7448. Nach Angaben von Messe-Chef Juergen Boos (Foto) konnte die AuM 1,4% mehr an Fläche vermieten. Besonders erfreulich sei der überdurchschnittliche Zuwachs von 2% unter den angelsächsischen Ausstellern, der „nicht selbstverständlich, sondern hart erarbeitet“ sei.

In seiner Rede widmete sich Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins, zunächst der Branchenkonjunktur: Dem Buchmarkt gehe es zwar gut, da 2007 jedoch mit einem Plus von 3,4% ein hervorragendes Jahr gewesen, weshalb Verlage und Buchhandlungen froh sein könnten, wenn sie dieses Niveau in diesem Jahr halten könnten.

Schwerpunktmäßig ging Honnefelder auf die Digitalisierung der Branche ein – 42% der ausgestellten Produkte sind in diesem Jahr Bücher, rund 30 Prozent digital. Dabei sei es verständlich, dass Regelungen, Abläufe und Geschäftsmodelle hinter der technischen Entwicklung herhinkten. „Das liegt in der Natur der Sache: Zuerst wurden die Autos immer schneller und erst dann wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt.“ Gleichwohl müsse sich jeder Verlag Gedanken darüber machen, ob sein Geschäftsmodell künftig noch innovativ sein werde, und bereit sein, sich auf neue Finanzierungs- und damit Verlagsmodelle einzulassen. „Es geht um neue buchgerechte Finanzierungsmodelle, die die Leistung der Verlage auf neue – vielleicht indirekte – Weise entlohnen.“

Schließlich mahnte der Ex-DuMont-Verleger eine politische Debatte über die Rahmenbedingungen des digitalen Vertriebs an. Die Politik habe nicht begriffen, dass ein Gesamtkonzept für den Umgang mit geistigem Eigentum und Persönlichkeitsrechten im Netz für die Zukunft entscheidend sei. „Mit kosmetischen Änderungen in einzelnen Gesetzen ist den Autoren, Kreativen und Verlagen nicht geholfen. (…) Man kann das Internet nicht als weitgehend rechtsfreien Raum behandeln, nur weil es große Schwierigkeiten macht, das Problem des Umgangs mit geistigem Eigentum im Netz zu lösen.“

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