Zensur an den Pranger

Hunderte von Bibliotheken und Buchhandlungen, aber auch Tageszeitungen sowie Radio- und Fernsehsender haben in der vergangenen Woche in den USA mit Veranstaltungen, Diskussionsrunden und Lesungen mobil gemacht: Bis Samstag fand die „Banned Book Week“ statt, in der das jenseits des Atlantiks permanent akute Thema Zensur öffentlich an den Pranger gestellt wurde.

Seit 1982 gehen die Branchenverbände American Library Association (ALA) und Association of American Publishers (AAP) immer in der letzten September-Woche an die Öffentlichkeit. Unterstützt werden sie dabei von American Booksellers Foundation for Free Expression, American Society of Journalists and Authors und National Association of College Stores.

Die Initiatoren geben eine Liste der am häufigsten zensierten Bücher heraus, stellen Aktionspakete mit Werbe- und Informationsmaterial zusammen und richten eine Zentralveranstaltung aus; alle anderen Aktivitäten werden lokal organisiert. In diesem Jahr fand die Hauptveranstaltung in Chicago statt. Acht Schriftsteller diskutierten mit dem Publikum und lasen aus ihren Büchern, darunter Judy Blume und Lois Lowry.

Schwule Pinguine schlecht gelitten

Zum zweiten Mal hintereinander stand das 2006 bei Simon & Schuster erschienene Kinderbuch „And Tango Makes Three“ von Justin Richardson und Peter Parnell an der Spitze der Zensur-Liste, in dem zwei männliche Pinguine ein Küken ausbrüten. Das mehrfach preisgekrönte Bilderbuch basiert auf einem tatsächlichen Erlebnis im Zoo von New York, doch wird es wegen der assosierten Homosexualität in konservativen Kreisen kontrovers diskutiert und ist aus etlichen Schulbüchereien entfernt worden.

2007 weiß ALA-Sprecherin Macey Morales von 420 Fällen, in denen versucht wurde, Bücher zu zensieren, davon 71% in Schulen und 24% in Büchereien. Morales: „Unglücklicherweise ist das nur die Spitze des Eisbergs. Hinter jedem gemeldeten Buch stehen erfahrungsgemäß mindestens vier bis fünf Bücher, von denen wir nichts erfahren.“ Überwiegend stammten die Eingaben von Eltern (61%), aber auch Bibliothekssponsoren (15%) und Verwaltungspersonal (9%) zensieren gern.

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