Technik ist Vorsprung

Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse überschlagen sich die Apologeten der digitalen Lektüre mit Meldungen zur Erweiterung ihrer Volltextsuchen. Nachdem in den vergangenen Monaten beinahe ausschließlich Amazon (mit dem Kindle-Programm zum Vertrieb digitaler Texte, hier mehr) und Arvato (mit der BIC Media-Technologie, hier mehr) Akzente setzen konnten, hat sich endlich auch das Börsenvereins-Portal Libreka auf der Zielgeraden zum Branchenschaulaufen am Main wieder ins Gespräch gebracht.

Für das Team um Ronald Schild ist besonders die (hier bekannt gegebene) Kooperation mit dem Fachverlagsriesen Springer SBM eine gute Nachricht, da das Libreka-Volumen schlagartig um 24 000 Titel aufgestockt und so das Urproblem des Portals, seine magere Ausstattung, entschärft werden kann. Mittelfristig ist das Masse-Problem jedoch marginal im Vergleich zu den sonstigen Herausforderungen: Das Beispiel des Bertelsmann-Dienstleisters Arvato, der seine Bücher-Volltextsuche mit einer innovativen Technologie ins Web 2.0 verlängert und nun sogar im bisherigen Netz-Innovator Nummer 1 Google seinen Nachahmer findet (hier mehr), zeigt, dass das MVB-Portal nur dann eine Chance hat, wenn es einerseits den technologischen Rückstand aufholt und auf diesem Wege die Nutzer überzeugt und sich andererseits mit möglichst vielen Partnern im Internet vernetzt, um nicht die einsame Insel der Branche im Cyberspace zu bleiben.

Ob Libreka diese Ziele zeitnah erreichen kann, hängt nicht zuletzt davon ab, ob das Portal durch den drohenden Konflikt der Verlags- und Handelssparten ausgebremst wird. Der Aufbau eines E-Book-Vertriebs, dessen Prototyp auf der Messe gezeigt werden soll, könnte dabei die Lunte anzünden.

Die Stimmung könnte außerdem kippen, sobald die Rechnungen mit den neuen VlB-Libreka-Tarifen verschickt werden (buchreport.de berichtete hier) und die Verbandsmitglieder das Ergebnis der Preiserhöhungen durch die Verquickung von VlB und Libreka vor Augen haben – dies  gilt besonders für die Verlage, die bei Libreka gar nicht mitmachen, und stationäre Buchhändler, an denen der E-Vertrieb, wie heute schon absehbar ist, vorbei läuft. Ihnen dürfte böse aufstoßen, dass sie durch ihre VlB- und indirekt auch ihre Mitgliedsbeiträge den großen Kostenberg von Libreka abtragen müssen – von einem Projekt, das noch lange Zeit keine Erlöse einspielen wird.

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