Wie wird man Leserin, Frau Nahles?

Andrea Nahles ist eine leidenschaftliche Leserin. Als SPD-Vizevorsitzende macht sie sich für mehr Bildung in Deutschland stark. Im Interview mit buchreport äußert sich die Politikerin zur Leseförderung.

Kann man mit Leseförderung politische Blumentöpfe gewinnen?
Gewinnen vielleicht schon. Aber wenn die nicht regelmäßig gegossen werden und nur für das schöne Blumentopf-Foto herhalten müssen, dann reicht das nicht. Leseförderung ist etwas für Langstreckenläufer – in der Politik genauso wie bei anderen Unterstützern.

Was kann die Politik überhaupt leisten? Kann sie sich gegen die Medienentwicklung stemmen?
Ja, sie kann und muss. Denn man wird nur ein freier Mensch, wenn man wirklich lesen lernt. Ich weiß, das klingt hart, aber ich bleibe dabei: Lesen heißt auch „zuhören“. Lesen ist eine Grundlage für die Fähigkeit zur Empathie. Mit anderen Worten: Das „Stemmen“ ist alternativlos!

Wo muss die Politik bei der Verbesserung des Bildungsniveaus ansetzen? Was hat Priorität?
Die Grundlage für die Lust am Lesen so früh wie möglich fördern. So viel wie möglich dahin gehen, wo das Lesen nicht selbstverständlich von zu Hause aus zur Erziehung gehört.

Gibt es mittlerweile genügend Leseförderung in Deutschland?
Natürlich nicht. Deshalb braucht die seit 20 Jahren bestehende, bundesweit tätige Stiftung Lesen auch Planungssicherheit; nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht.

Was können Sie persönlich tun, damit mehr gelesen wird?
Werbeträger für das Lesen zu sein. Ich habe Burglesungen in meinem Wahlkreis initiiert, um die Lesekultur auch in meiner eher ländlichen Heimatregion wachzuhalten (zuletzt hat Nahles auf ihrer jährlichen Sommertour durch Rheinland-Pfalz zusammen mit der Stiftung Lesen auf der Burg Eltz in der Eifel eine Veranstaltung zur Leseförderung begleitet, Anm. d. Red.).

Kommt eine Spitzenpolitikerin zum Lesen, außer beim Aktenstudium?
Man muss es sich ertrotzen! Gegen die Akten und gegen die Müdigkeit, aber ich tu’s!

Zur Person: Andrea Nahles

1970 in Mendig in Rheinland-Pfalz geboren, ist  die Berufspolitikerin seit 2007 stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD und Sprecherin der Arbeitsgruppe „Arbeit und Soziales“ der SPD-Bundestagsfraktion. „Bildung ist das entscheidende Feld für mehr gesellschaftspolitisches Engagement“, verficht die studierte Germanistin, die engen Kontakt zur Stiftung Lesen unterhält.

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