Rabattschlacht in der Schweiz

Die konkreter werdende Perspektive eines Schweizer Preisbindungsgesetzes löst jetzt einen Rabattkrieg aus: Die Medienkette ExLibris erhöht ihren Rabatt auf Bücher auf durchgehend 30%.

In der vergangenen Woche hatte die Schweizer Parlaments-Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) mit knapper Mehrheit grünes Licht für ein Gesetzgebungsverfahren gegeben. Danach soll die Schweiz wie Deutschland und Österreich ein Preisbindungsgesetz erhalten. Die bisherige Buchpreisbindungsregelung war Anfang Mai 2007 gekippt worden. Seit dem werden die Buchpreise in der Schweiz frei kalkuliert.

In einer ersten Reaktion auf die WAK-Entscheidung hatte die ExLibris-Kette bereits kritisiert, die Politik agiere „gegen Leseförderung“. Am heutigen Montag hat der preisaggressive Händler jetzt angekündigt, ab sofort eine „grosse Lese- und Sparoffensive“ zu starten. Die Migros-Tocher verdoppele im September dafür ihren Rabatt von 15 auf 30% auf das gesamte deutschsprachige Buchsortiment: „Diese Preisoffensive umfasst das gesamte Buchangebot in allen 120 Ex Libris-Filialen sowie die riesige Titelauswahl im Onlineshop www.exlibris.ch mit rund einer Million Büchern.“

Geschäftsführer Peter Bamert: „Nachdem die Wirtschaftskommission des Nationalrates entschieden hat, dass die Buchpreisbindung in der Schweiz künftig wieder eingeführt und somit überhöhte Buchpreise gesetzlich verankert werden sollen, haben wir uns entschieden, unseren unternehmerischen Spielraum zu nutzen und belohnen unsere Buchkunden mit 30%-Buchrabatt.“

ExLibris kritisiert:

  • Die in Auftrag gegebene Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz, welche als Entscheidungsgrundlage für die WAK dienen sollte, habe „dünne Ergebnisse“ erbracht und die Autoren hätten selbst darauf verwiesen, dass es eigentlich noch zu früh sei, um die Auswirkungen der Aufhebung der Preisbindung zu beurteilen.
  • In der Studie sei die Preisoffensive von Ex Libris, mit seinen Rabatten von 15 Prozent auf das gesamte deutschsprachige Buchsortiment, bei Bestsellern sogar um 30 Prozent, nur am Rande erwähnt. „Mit abenteuerlicher Mathematik interpretierte hingegen der Buchhändler- und Verlegerverband die Resultate der Studie und sprach erneut von dramatischen Preiserhöhungen. Eine absichtliche Täuschung der Schweizer Konsumenten! Denn sogar die Präsidentin der WAK, Hildegard Fässler, erläuterte die Resultate der Studie und kam dabei zum Schluss, dass Preiserhöhungen und Rabatte sich bei der Studie unter dem Strich die Waage halten.“
  • „Eine knappe Mehrheit der Kommission kommt“, so ExLibris weiter, „trotz dürftiger Informationslage, zur Erkenntnis, dass ein regulierter Preis für Bücher anzustreben sei, um den Markt gesetzlich zu regulieren. Ein Gesetz, das die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten aufgrund der überhöhten Preisen jedes Jahr mindestens 70 bis 120 Millionen Franken kosten wird. In dieser Summe nicht eingerechnet ist dabei der Schaden, der für den Schweizer Buchhandel entsteht, wenn Schweizer Kunden, darunter viele Bibliotheken, infolge der überhöhten Preise wieder im Ausland kaufen.“

Die Begründung der Gesetzesinitiative sei so ExLibris in seiner Aktionsbegründung unzeitgemäß: „Ein dichtes Netz von Buchhandlungen in der Schweiz sei wichtig, um den Zugang der Bevölkerung zu Büchern zu erleichtern und um die Vielfalt des Angebots zu fördern. Dies war einer der Gründe der WAK für ein Buchpreisgesetz. Nicht nur Experten sind über dieses Argument im Internetzeitalter verwundert. Seit über 10 Jahren existiert der Buch-Online-Handel in der Schweiz. Eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Büchern ist somit auch in den entlegensten Weilern der Schweiz möglich.“

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