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Blauer Brief für Schulbuchfinanzierung

Der Schulbuchverlegerverband VdS Bildungsmedien hat die Alarmglocken geschlagen: „Die derzeitige Finanzierung von Schulbüchern und Bildungsmedien kann die vielschichtigen Bedürfnisse der Schulen angesichts der umfassenden Bildungsreformen nicht erfüllen“, konstatierten die Mitglieder auf der Hauptversammlung Ende Juni in Potsdam.

Vor den Sommerferien wurden von den Schulbuchproduzenten blaue Briefe verschickt und gleichzeitig die Bedingungen für das Bestehen der Nachprüfung benannt. Zentrale Forderung der Verleger: Die bestehenden Finanzierungssysteme für Schulbücher müssen entweder neu gestaltet oder wesentlich besser ausgestattet werden, um die Ziele der politisch vorgegebenen Reformen auch zu erreichen.

Probleme in Bayern und NRW
„In fast allen Bundesländern, in den allgemeinbildenden wie in den beruflichen Schulen und in fast allen Fächern fährt der Reformzug weiter, indem Kernlehrpläne, Ausbildungsordnungen, Fächerkombinationen und vieles andere mehr neu gestaltet werden“, skizziert Wilmar Diepgrond, Vorsitzender des Verbandes, die Lage. „Wenn diese notwendigen inhaltlichen Neubestimmungen von Unterricht und Bildungspraxis zügig und solide umgesetzt werden sollen, dann bedarf es hierfür aber einer nachhaltigen Finanzierungsbasis“, mahnt er an.

Davon ist man laut Verband weit entfernt. In Potsdam bestimmten folgende Krisenszenarien die Debatten:

  • Die Schulbuchetats der Länder und Gemeinden wurden in letzter Zeit bis auf wenige Ausnahmen dem Schulbedarf und dem Reformtempo nicht angepasst, so dass „jetzt die tatsächliche Gefahr besteht, dass die Reformen ins Stocken geraten“.
  • Erhebliche Probleme haben die Schulbuchverleger mit den Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen. Im Freistaat wurde das von Eltern und Kommunen bekämpfte „Büchergeld“ abgeschafft, ohne dass sich eine im Finanzvolumen vergleichbare Lösung abzeichnet.
  • Eher das Gegenteil ist der Fall: „Da sich die bayrischen Schulträger sperren, den kleineren Teil der Schulbuchkosten zu übernehmen, wird im Süden voraussichtlich eine erhebliche Unterfinanzierung der Schulbuchbudgets zementiert. Das würde eine unvertretbare Verschleppung der Schulreformen bedingen“, malten die Verleger das Menetekel an die Wand.
  • In Nordrhein-Westfalen geht der Elternanteil an den Schulbuchkosten laut VdS wieder auf ein Drittel zurück, nachdem er jahrelang bei knapp 50% gelegen hatte. „Dadurch werden sich die Ausleihzeiten für Schulbücher wieder deutlich erhöhen“, schätzt der Verband. Eine weitere Bedrohung für das Geschäft der Schulbuchverleger und den eingeschlagenen Reformkurs. „Dies ist angesichts der Tatsache, dass in NRW für alle Fächer der Sekundarstufe neue Kernlehrpläne erstellt wurden, geradezu unverständlich“, betonte Diepgrond.

Mit „völligem Unverständnis“ kommentierte er die Wiedereinführung der Buchausleihe in der beruflichen Bildung. „Gerade hier, wo ständig Neuausgaben und Neuauflagen produziert werden müssen, weil sich die Inhalte permanent ändern und die Berufsschüler auf aktuelle Literatur angewiesen sind, ist eine staatliche Ausleihe geradezu kontraproduktiv“, kritisierte der Verbandschef vor den Mitgliedern. Die Interessenvertretung der Anbieter von Bildungsmedien wird mit beiden Bundesländern im engen Kontakt bleiben, um Druck in eigener Sache zu machen. Nach der politischen Sommerpause werden die Verhandlungen fortgesetzt.

Punkten mit dem Qualitätsfaktor
Parallel soll eine „Qualitätskampagne“ die Wichtigkeit von aktuellen Schulbüchern unterstreichen. In der Öffentlichkeit, aber auch bei Bildungspolitikern mangelt es an grundlegendem Wissen über Einsatz und Wirkungsweise. „Selbst die Erziehungswissenschaften haben sich schon seit fast 20 Jahren nicht mehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt“, stellte Diepgrond fest.

Der VdS will die Qualitätsmerkmale von Bildungsmedien stärker herausstellen. In einem ersten Schritt wird gemeinsam mit dem Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung, der TU Dresden und der Universität München eine Konferenz geplant. Im Mittelpunkt stehen die Analyse der Produktions- und Qualitätsbedingungen sowie eine Untersuchung der Rolle von Schulbüchern im Unterricht. Beleuchtet wird auch ihre Bedeutung als Transporteure von Reforminhalten.  
Rainer Uebelhöde

siehe auch Schwerpunkt „Lernen & Wissen“ im buchreport.magazin 8/08

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