Persönlicher Austausch stärkt das Netzwerk

Das Bundesbildungsministerium fördert zukünftig berufliche Weiterbildungen mit bis zu 154 Euro im Jahr. Wirtschafts- und Fachverlage, die bereits seit Jahren einen Gutteil ihrer Umsätze mit Seminarangeboten bestreiten, werden sich über die Förderung freuen. So führte die Haufe Gruppe, damals noch als Rudolf Haufe Verlag firmierend, bereits 1978 die ersten Seminare durch. Innerhalb von 30 Jahren hat sich eine kleine Organisationseinheit mit sechs Veranstaltungen im Jahr zu einer eigenständigen GmbH entwickelt:

  • Die 2006 gegründete Haufe Akademie bietet heute eine Palette von 390 Veranstaltungsthemen und neun unterschiedlichen Qualifizierungsformaten wie Seminare, Leadership Trainings, schriftliche Lehrgänge, E-Learnings und firmeninterne Beratungen, Prozessbegleitungen und Trainings durch Haufe Akademie Inhouse.
  • Jährlich werden über 2200 Veranstaltungen in 63 Städten durchgeführt, an denen insgesamt 32000 Personen teilnehmen.
  • Zusätzlichen Service bietet das im Dezember 2007 relaunchte Webportal www.haufe-akademie.de: In der sogenannten persönlichen Lernumgebung kann zu den gebuchten Veranstaltungen umfangreiches Begleitmaterial wie Arbeitshilfen, Checklisten oder Videobeiträge heruntergeladen werden.Kompetenzen aus dem Printbereich nutzen

Kompetenzen aus dem Printbereich nutzen

Im Vergleich zum Jahr 2000 konnte der Seminarbereich innerhalb der Haufe Gruppe hinsichtlich der Teilnehmer um 165% und hinsichtlich der durchgeführten Veranstaltungen um 275% zulegen. Ein Erfolg, der laut Geschäftsführer Hansjörg Fetzer auch auf den Synergien zum Verlagsbereich beruht, dessen Netzwerk an Autoren und Fachleuten für den Veranstaltungssektor gewinnbringend genutzt werden konnte.

Stefan Behrens, Leiter Geschäftsbereich Seminare bei Weka Media, führt darüber hinaus die Themenkompetenz durch Produktmanagement und das vorhandene Vertriebs-Know-how als Gründe an, warum Seminare insbesondere für Fachverlage eine ideale Portfolio-Erweiterung darstellten. Der Seminarbereich ist mit einem Umsatzanteil von knapp unter 10% der am stärksten wachsende Bereich bei Weka Media, nach den Umsätzen mit Online-Produkten:

  • 2007 gab es ca. 270 Termine, 2008 werden es ca. 400 bundesweit stattfindende Veranstaltungen sein.
  • Entsprechend der Fachinformationsangebote von Weka Media werden u.a. Veranstaltungen in den Bereichen Arbeitsschutz, Produktsicherheit, Qualitätsmanagement oder Altenpflege angeboten.
  • Das Spektrum umfasst ein- bis zweitägige Seminare, Workshops, Tagungen, mehrtägige Lehrgänge sowie Inhouse-Seminare.

Austausch in der Community fördern

Der ebenfalls zur Weka Business Information gehörende Deubner Verlag hat seine Seminare für Steuerberater und Rechtsanwälte im Juli 2007 in der Deubner Akademie zusammengefasst, um einem Bereich, der seit Mitte der 80er-Jahre existiert, „eine eigene Plattform zu geben“, wie Seminar-Managerin Ileana Angelakakis berichtet. Das Angebot werde stetig ausgebaut und stelle eine „wichtige Säule des Verlags“. Vom Buchbereich grenze es sich insbesondere durch den fachlichen Austausch zwischen Referenten und Seminarteilnehmern sowie durch die vertiefende Praxis ab.

Auch Stephan Behrens betont, dass Seminare mehr als ein Segment sind, in dem Fachwissen lediglich durch ein anderes Medium transferiert wird: „Es ist ein zusätzlicher direkter Kontakt- und Kommunikationskanal hin zu unseren Kunden und zu den jeweiligen Fachcommunitys. Der Fachverlag, der in der Vergangenheit sehr stark über das Direktmarketing mit seinen Kunden in Kontakt getreten ist, bekommt nun ein persönliches Gesicht und wird für seine Zielgruppen erlebbar. Damit findet der Austausch auf einer neuen und intensiven Ebene statt.“ Zudem könnten die aus den Veranstaltungen gewonnenen Erkenntnisse direkt für die Produktentwicklung im Printbereich genutzt werden, lässt Behrens Effekte anklingen, die auf das neue Verlagsbild 3.0 verweisen: Buchverlage entwickeln sich immer mehr zu multimedialen Content-Providern, die sich intensiv mit ihren Kunden vernetzen.

„Das Bedürfnis nach direkter Kommunikation und nach fachlichem Austausch in den Zielgruppen wird immer größer“, bestätigt Helmut Graf, der innerhalb der Verlagsgruppe Rentrop dem Verlag für die Deutsche Wirtschaft vorsteht. Das auf publizistische Beratung spezialisierte Unternehmen hat 2007 erstmals die magische Umsatzmarke von 100 Mio Euro geknackt und mit 103 Mio Euro gegenüber dem Vorjahr um 4,5% zugelegt. Bereits 2006 erzielte der Verlag 15% seines Umsatzes außerhalb der klassischen Printprodukte, neben elektronischen Medien haben Fachtagungen und Kongresse an Bedeutung im Portfolio gewonnen:

  • Eine der wichtigsten Veranstaltungen ist der seit 12 Jahren in Wiesbaden tagende Versandhandelskongress, der von der Fachmesse Mail Order World (MOW) begleitet wird. Am Kongress nehmen 1250 Besucher teil, die MOW mit 370 Ausstellern zieht jährlich 5000 Besucher an.
  • Ebenfalls etabliert hat sich der seit 2003  stattfindende Pflegemanagementkongress mit rund 200 Teilnehmern.
  • Neu seit diesem Jahr ist die „BWRmed!a-Akademie“ mit Veranstaltungen u.a. zu den Themen Personal und Arbeitsrecht, Steuern und Finanzbuchhaltung sowie Datenschutz.

Treffen der Branchenprofis

Auch beim Deutschen Fachverlag (dfv) stehen die Zeichen auf Wachstum: Mit Veranstaltungen, Kongressen und Seminaren hat das Frankfurter Unternehmen 2007 einen Umsatz von 4,9 Mio Euro (Gesamtumsatz 2007: 133,1 Mio Euro) erwirtschaftet, das sind 10% mehr als im Vorjahr. „Veranstaltungen sind aus unserer Sicht neben der Diskussion um neue Techniken und Web 2.0 wichtig für die vom Markt geforderte persönliche Kommunikation. Netzwerke im Digitalzeitalter brauchen eben auch persönlichen Meinungsaustausch“, gibt Rolf Grisebach, Sprecher der Geschäftsführung, zu Protokoll.

Seminare und Kongresse haben im dfv eine lange Tradition, sie werden von den einzelnen Verlagsbereichen in den jeweiligen Branchen durchgeführt. Eine Auswahl:

  • Das „Forum der TextilWirtschaft“ hat sich zum führenden Kongress der deutschen Textilbranche entwickelt, der jährlich 500 Gäste aus Handel, Industrie und Dienstleistung der Textil- und Modebranche zusammenführt.
  • Die Auszeichnung „Goldener Zuckerhut“ der „Lebensmittel Zeitung“, mit der Unternehmen und Persönlichkeiten der Konsumgüterwirtschaft geehrt werden, wurde 2007 bereits zum 50. Mal vergeben. Die Verleihung erfolgt vor mehr als 800 Topmanagern und Unternehmern.
  • Am 6. März tagte in Hamburg das 27. Internationale Foodservice-Forum, zu dem 1400 Besucher strömten.

Laut Klaus Kottmeier, der dem Aufsichtsrat des dfv vorsitzt, soll der Veranstaltungsbereich zu einem Standbein des Verlags ausgebaut werden. Die Basis hierfür soll die vor knapp einem Monat gegründete Gesellschaft The Conference Group (TCG) bilden, die die bisherigen Seminaraktivitäten bündelt.
Auch die Wiesbadener IZ Immobilien Zeitungs Verlagsgesellschaft, an der der dfv 2007 eine 40%ige Beteiligung erworben hat, investiert künftig in das Veranstaltungsgeschäft: Rückwirkend zum 1. Januar 2008 hat sich die IZ mit 50% an der Bernd Heuer Dialog GmbH, Düsseldorf, beteiligt, die pro Jahr rund 50 Veranstaltungen für Führungs- und Fachkräfte anbietet. Die Beteiligung steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Kartellamts.

Abrundung des Verlagsprofils

Nicht alle Verlage können oder wollen die nötigen Kapazitäten für einen eigenen Seminarbereich aufbringen. Trotzdem kann durch Kooperationen das Verlagsprofil mit passenden Veranstaltungen abgerundet werden, so geschehen beim Bank-Verlag Medien mit Sitz in Köln: Die Tochter des Bundesverbandes deutscher Banken – in den Bereichen Zeitschriften, Publishing (Loseblatt, Broschüren) und Mediasysteme aktiv – arbeitet seit 2006 mit der VÖB-Service GmbH des Bundesverbandes öffentlicher Banken zusammen, aus dessen Seminarprogramm der Bank-Verlag Medien die für ihn interessanten Veranstaltungen vertreibt, aber auch selbst Ideen zum Angebot beisteuert. Umgekehrt realisiert der Bank-Verlag Medien Buchprojekte für die VÖB-Service GmbH. „Mit dem zusätzlichen Angebot möchten wir als Vollanbieter wahrgenommen werden, der ein durchgängiges Produktportfolio anbietet“, so Andreas Stammler, Bereichsleiter Mediasysteme beim Bank-Verlag Medien. Der Seminarbereich sei kein Kernbereich des Verlags, aber ein wichtiges Zusatzgeschäft, das ein entsprechendes Image generiere.

Nicole Stöcker

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