Ein mehrdeutiges Urteil

In der „Süddeutschen Zeitung“ kommentiert Lothar Müller die Entscheidung des OLG München im Schmerzensgeldprozess zu Maxim Billers Roman „Esra“. Auf den ersten Blick sehe die Entscheidung der höheren Instanz so aus, als sei sie ein Etappensieg von Verlag und Autor, die sich seit Beginn der juristischen Auseinandersetzungen um Billers Roman stets auf die im Grundgesetz garantierte Kunstfreiheit berufen hatten. „Deren Einschränkung durch das Persönlichkeitsrecht hat aber im konkreten Fall das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 12. Oktober 2007 ausdrücklich bestätigt, als es das Verbot der Verbreitung und Veröffentlichung erneuerte.“

Gleichzeitig aber scheine das Verfassungsgericht die Grundlagen dafür geschaffen zu haben, dass Autor und Verlag über das Verbot des Buches hinaus nicht auch noch einen Schadensersatz ertragen müssen. Denn es habe festgestellt, dass es sich bei „Esra“ um einen Roman handele – das Werk also Kunstcharakter besitze, und damit die Schuldhaftigkeit von Autor und Verlag entfalle.

Des weiteren habe das OLG nach Auskunft des Verlags nun in Betracht gezogen, dass die verschärften Anforderungen des Persönlichkeitsrechts zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Esra“ im Jahre 2003 noch nicht galten. Auch sei die Frage, ob und in welcher Höhe ein Schadenersatz zu bezahlen sei, an die Größe des Schadens zu binden: Die Summe von 50.000 Euro sei unverhältnismäßig.

Das Verbot der Publikation des Romans bleibe gleichwohl unberührt. „Der Autor Biller muss nun seinerseits entscheiden, ob es wirklich ausschließlich künstlerische Gründe sind, die ihn auf dem Text seines Romans beharren lassen.“ Kollege Alban Nikolai Herbst, dessen Roman „Meere“ 2003 aus vergleichbaren Gründen verboten worden sei, habe in diesem Frühjahr durch geringfügige Änderungen die Freigabe des Buches erreicht – und die Änderungen sogar als ästhetischen Gewinn verbucht.

„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 13)

Autoren

Franz Kafka: Zur „FAZ“-Serie über bedeutende Sätze des Schriftstellers liefert heute Hans Magnus Enzensberger seinen Beitrag.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 33)

Ole Könnecke: Der Hamburger Schriftsteller erhält den Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Auszeichnung wird zum zwanzigsten Mal vergeben.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 35)

Janwillem van de Wetering: Nachruf auf den verstorbenen niederländischen Kriminalschriftsteller.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 36), „Süddeutsche Zeitung“ (Seite 16), welt.de

Peter Handke: Der Präsident der bosnisch-serbischen Republika Srpska, Rajko Kuzmanovic, will den österreichischen Schriftsteller mit dem „Njegos-Orden erster Klasse“ für seine „Arbeit und Verdienste um die kulturelle und geistige Entwicklung wie auch für die besonderen Verdienste im Bereich der öffentlichen Aktivität“ auszeichnen.
derstandard.at

Hanna Krall: Die polnische Schriftstellerin erhält den mit 12.500 Euro dotierten Ricarda-Huch-Preis der Stadt Darmstadt für die „luzide, nie sentimentale Sprache“ ihrer Werke.
derstandard.atdiepresse.com

Salman Rushdie: Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des wichtigsten britischen Literaturpreises erhält der indisch-britische Schriftsteller den „Best of the Booker“-Preis für seinen Roman „Mitternachtskinder“. Eine Jury von fast 8000 Lesern aus der ganzen Welt hatte per Internet abgestimmt.
derstandard.atfr-online.de

Christopher Kloeble: Für sein Roman-Debüt „Unter Einzelgängern“ erhält der  Berliner Autor den mit 15.000 Euro dotierten Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung.
derstandard.at

Günter Grass: Anstelle eines Museums erhält der Schriftsteller in Danzig eine Galerie.
fr-online.de

Medien & Märkte

Einzelhandel: Nach einer 15 Monate langen Hängepartie haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft doch noch auf einen neuen Tarifvertrag für den Einzelhandel geeinigt.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 13), „Süddeutsche Zeitung“ (Seite 19), tagesspiegel.dehandelsblatt.comwelt.defr-online.de

Großhandel: Die Preise im deutschen Großhandel sind so stark gestiegen wie seit 26 Jahren nicht mehr.
welt.de

Mindestlohn: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will grundlegende Änderungen an den überarbeiteten Mindestlohn- Gesetzen von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) durchsetzen.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 15)

GfK: Tchibo-Miteigentümer Günter Herz unterstützt die Nürnberger in der Bieterschlacht um TNS.
„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 24), handelsblatt.commanager-magazin.de

Sony-BMG: Die Medienkonzerne haben im Rechtsstreit um die Genehmigung der Fusion ihrer Tonträgersparten zum Musikkonzern Sony-BMG einen vorläufigen Sieg errungen.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 19) „Neue Zürcher Zeitung“ (Seite 23), „Süddeutsche Zeitung“ (Seite 24), ftd.demanager-magazin.de

Apple: Engpass bei der Lieferung des neuen Handys iPhone 3G.
ftd.de

Online

Yahoo: Etappe im Kampf gegen Microsoft: Partner dürfen kostenlos Suchtechnik nutzen, das Angebot heißt „Boss“.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 20)

Microsoft: Nach dem Abgang von Gründer Bill Gates zeichnet Steve Ballmer sein künftiges Bild von dem Konzern.
„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 24)

Szene

Deutsche Schillergesellschaft: Am Samstag wird ein neuer Vorstand gewählt, der die Geschicke des Marbacher Literaturarchivs bestimmen soll. Diese Wahl steht ganz im Zeichen eines Konflikts zwischen Tradition und Reform.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 35)

Theater: Der Fernsehsender arte sucht den Superdramatiker. 50 Schriftsteller standen zur Auswahl, welche zehn es in die letzte Runde geschafft haben, verrät die „Welt“.
welt.de

Festivals: Ein Lob des Sommerfestivals – und ein Hoch auf die Provinz – singt Burkhard Müller in der „SZ“.
„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 13)

Sprachen: Fachleute aus dem Europarat sehen Minderheitensprachen in Deutschland in Gefahr. Die Behörden müssten mehr tun, um diese Sprachen besser zu schützen.
„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 14)

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