Das Ende einer Ära

Nach dem Bericht der „Financial Times Deutschland“ über die Absicht des Medienkonzerns Bertelsmann, möglicherweise alle Buchclubs zu verkaufen, kommentieren die Zeitungen die Bedeutung eines solchen Schrittes.

„Bertelsmann kappt seine Wurzeln“, meint die „Frankfurter Rundschau“. Die Buchclubs seien über Jahrzehnte so etwas wie der Kern des Konzerns gewesen, mit ihnen habe Bertelsmann nach dem Zweiten Weltkrieg wieder angefangen. Mit den Gewinnen aus diesem Geschäft sei schließlich die Expansion in andere Mediensparten finanziert worden. Doch nun scheine nicht mehr das Traditionsgeschäft mit Büchern, sondern die RTL-Gruppe die wichtigste Einnahmequelle zu sein. Das Geschäftsmodell der Buchclubs habe seine großen Tage in den 50er und 60er Jahren gehabt, nun stehe fest, „dass die Zukunft vor allem aufgrund der harten Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon wenig rosig aussieht.“ Es könnte aber schwer werden, für die defizitären Buchclubs in Deutschland, England, Österreich und der Schweiz Interessenten zu finden.

In der „Süddeutschen Zeitung“ sieht Thomas Steinfeld das „Ende einer Ära“ heraufziehen. Denn der bevorstehende Verkauf der Buchclubs sei viel mehr als eine Wirtschaftsnachricht: Hervorgegangen aus einem kleinen Unternehmen, das hauptsächlich christliche Erbauungsbücher hergestellt hatte, im Zweiten Weltkrieg groß geworden als Buchlieferant für die Wehrmacht, habe Bertelsmann in den frühen Jahren der Bundesrepublik „entscheidenden Anteil an der literarischen Innenausstattung des deutschen Kleinbürgertums“ gehabt – durch den im Jahr 1954 gegründeten „Lesering“ mitsamt „Reisedienst“ (1964), durch die „Europäische Bildungsgemeinschaft“ (nach 1963) und die „Club-Center“, wie die über ganz Deutschland verteilten Bücherstuben der Verlagsgemeinschaft nach 1969 hießen.

„Hinter der Buchgemeinschaft stand einst der Gedanke an eine ebenso literarische wie intellektuelle Emanzipation.“ Doch inzwischen ähnele der „Club“ einem großen Bücherkaufhaus, das man von Bildungsvorbehalten ebenso unbelastet betrete wie man einst zum Mitglied einer Buchgemeinschaft wurde. Längst hätten sich die Leser daran gewöhnt, sich über die Buchhandlung an ihrem Wohnort oder über das Internet jedes Buch bestellen zu können, und längst seien sie bereit, die dafür notwendige Auswahl selbst vorzunehmen, sich hineinzulesen und kundig zu machen und also zum Dienstleister an sich selbst zu werden. Doch gerade vor dem Hintergrund, dass jährlich Massen von Büchern auf den Markt strömten, sei die Buchgemeinschaft eine kluge Erfindung gewesen: „Sie wird uns noch sehr fehlen.“

„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 13), ftd.defr-online.dewelt.de

Verlage

Verlagsgruppe Weltbild: Der Medienkonzern Georg von Holtzbrinck bestätigt Interesse an der Verlagsgruppe, der Buchhändler Thalia schweigt.
manager-magazin.defr-online.de

Autoren

Franz Kafka: Werner Spies stellt „seinen“ Kafka-Satz in der „FAZ“-Serie vor.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 33)

Henrietta Rose-Innes: Die südafrikanische Autorin hat den Caine-Preis für afrikanische Literatur gewonnen. Die mit 12 500 Euro dotierte Auszeichnung erhielt sie für ihre Erzählung „Poison“ (Gift).
„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 15)

Naira Gelaschwili: Ein Porträt der georgischen Übersetzerin von u.a. Hölderlin und Rilke.
welt.de

Medien & Märkte

Mittelstand: Die mittelständischen Unternehmen verlieren die Zuversicht und blicken nun pessimistischer in ihre Zukunft.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 12)

Handel: Der Versandhandel wächst stärker als der stationäre Handel, jede zweite Bestellung wird über das Internet abgewickelt.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 16), „Süddeutsche Zeitung“ (Seite 24), manager-magazin.de

Einzelhandel: Im längsten Tarifkonflikt in der Geschichte des deutschen Einzelhandels ist ein Ende in Sicht
fr-online.de

Zeitungen: Flaue Umsatzentwicklung, schrumpfende Anzeigengeschäfte und die Bedrohung durch Gratiszeitungen – u .a. von der Deutschen Post – machen den deutschen Zeitungen zu schaffen.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 12), „Süddeutsche Zeitung“ (Seite 17), „Neue Zürcher Zeitung“ (Seite 19), focus.de

Reichtum: Die Deutschen sind so reich wie noch nie: Mit rund 4,6 Billionen Euro Geldvermögen hatten die Bundesbürger Ende 2007 mehr auf der hohen Kante als jemals zuvor.
„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 19 und 21), focus.detaz.de

Online

VM Ware: Das amerikanische Softwareunternehmen VM Ware Inc., einer der größten Börsenlieblinge des vergangenen Jahres, hat einen Rückschlag erlitten. Der Aktienkurs brach um 25 Prozent ein.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 16)

Mietsoftware: Das Geschäft mit Online-Mietsoftware für Unternehmen boomt. Nach Salesforce.com und Google, die bisher den Markt dominieren, wirft nun auch Microsoft zwei Abopakete auf den US-Markt.
manager-magazin.de

Lesecomputer: Die Verkaufszahlen des digitalen Lesegeräts Kindle hält Amazon geheim. Ein Analyst rechnet nun vor, wie viele Exemplare schon verkauft sein könnten.
manager-magazin.de

Philips: Der niederländische Elektronikkonzern gibt sein Geschäft mit PC-Monitoren an die chinesische Firma TPV Technology ab.
„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 23)

Szene

Stipendien: Das Land Thüringen vergibt im kommenden Jahr erstmals ein Stipendium, das Autoren die Möglichkeit geben soll, intensiv an einem Projekt zu arbeiten. Gezahlt werden maximal ein Jahr lang monatlich 1.000 Euro.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 31)

J. R. R. Tolkien: Bevor das ehemalige Wohnhaus des „Herr der Ringe“-Autors abgerissen wurde, fand ein britischer Abrissunternehmer eine handgeschriebene Postkarte, die er nun versteigern will.
spiegel.de

Surrealismus: Bericht über die hochrangig besetzte und höchst instruktive internationale Marbacher Tagung „Surrealismus in der deutschsprachigen Literatur“.
„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 15)

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