Klassiker neu gelesen

Die deutschsprachige Presse entdeckt zwei klassische Werke über die Gräueltaten der Menschheit neu: In der „Süddeutschen Zeitung“ bespricht Andreas Dorschel das bei Suhrkamp neu verlegte Buch „Der Totenwald“ von Ernst Wiechert kritisch. Der Schriftsteller, der im Sommer 1938 acht Wochen im Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar festgehalten worden war, veröffentlichte seinen Text erstmals 1946. Für den Rezensenten ist das Buch das „Johannes-Evangelium des enttäuschten Nationalismus“, denn letztlich empfehle die Hauptfigur Johannes, sich die Nazi-Herrschaft in religiösen Bildern zurechtzulegen, statt sie in politischen Begriffen zu denken.

Die „Welt“ hat sich mit Stefan Zweigs Buch „Auf Reisen“ in der Hand nach Ypern begeben, der Ort in Flandern, an dem eine halbe Million Soldaten im Ersten Weltkrieg gefallen ist – und befindet, dass sich seit dem Besuch Zweigs vor 80 Jahren nicht viel geändert habe. Wenn man wie Zweig durch die Stadt streife, an den Denkmälern für die Gefallen inne halte, wenn man wie er den allabendlichen, letzten Zapfenstreich für die Gefallenen um 20 Uhr am Meenenpoort von Ypern vernehme, verstehe man Zweigs Aufruf, wenigstens für „fünf Minuten der Besinnung, der Erinnerung und der Empörung“ halt zu machen. „Ihn hatte die Erfahrung des Ersten Weltkrieges für immer geprägt: ‚Nur wenn wir uns stark und bewusst orientieren, werden wir der furchtbaren Vergangenheit und damit der Zukunft gerecht. Also nach Ypern.‘ Ja, auf nach Ypern!“, befindet die Zeitung abschließend.

Ernst Wiechert: Der Totenwald. Ein Bericht. Suhrkamp 2008, 13,80 Euro
„Süddeutsche Zeitung“ S. 14

Stefan Zweig: Auf Reisen. Fischer, 11,95 Euro.
Welt.de

NACHGELESEN – Bücher heute in den Zeitungen

Belletristik

Jean Giraudoux: „Doppelmemoiren“. Aus dem Französischen übersetzt, mit einem Vorwort und Anmerkungen von Joachim Kalka. Berenberg Verlag 2008. 19,00 Euro
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ S. 40

Mordecai Richler: Cocksure. Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Silvia Morawetz. Liebeskind 2008, 19,80 Euro
„Süddeutsche Zeitung“ S. 14

Hans-Ulrich Treichel: Anatolin. Roman. Suhrkamp  2008, 17,80 Euro
nzz.ch

Jacques Chessex: Abdruck der esretn Abschnitte des Romans „Der Vampir von Ropraz“, der demnächst in der Übersetzung von Elisabeth Ede bei Nagel & Kimche, Zürich, erscheint.
„Neue Züricher Zeitung“ S. 45

Gerhard Falkner: Bruno. Eine Novelle, Berlin Verlag, 16 Euro
Der Tagesspiegel

Gabriela Zapolska: Sommerliebe. Aus dem Polnischen von Karin Wolff, Nachwort von Hannelore Schlaffer. Manesse, 24,90 Euro
Spiegel Online

Sachbuch

Sari Nusseibeh (mit Anthony David): Es war einmal ein Land. Ein Leben in Palästina. Aus dem Englischen von Gabriele Gockel, Katharina Förs und Thomas Wollermann. Antje Kunstmann 2008, 24,90 Euro
„Süddeutsche Zeitung“ S. 31

Benjamin Ziemann: Katholische Kirche und Sozialwissenschaften 1945-1975. Vandenhoeck & Rupprecht 2007, 44,90 Euro
„Süddeutsche Zeitung“ S. 31

Friedrich Dieckmann: Geglückte Balance. Auf Goethe blickend. Insel 2008, 14,80 Euro
„Süddeutsche Zeitung“ S. 14

Oliver Sacks: Der einarmige Pianist. Über Musik und das Gehirn. Rowohlt 2008, 19,90 Euro
„Süddeutsche Zeitung“ S. 14

Harald Hartung: Ein Unterton von Glück. Über Dichter und Gedichte. Wallstein-Verlag 2007, 19,90 Euro
nzz.ch

Dan Diner: Gegenläufige Gedächtnisse. Über Geltung und Wirkung des Holocaust. Vandenhoeck & Ruprecht 2007, 14,90 Euro
nzz.ch

Hörbuch

Robert Gernhardt, Pit Knorr: Pisa und die Volgen. Audiobuch 2008, 19,95 Euro
„Süddeutsche Zeitung“ S. 14

Max Goldt: Nichts als Punk und Pils und Staatsverdruß. Hörbuch Hamburg 2008, 19,95 Euro
„Süddeutsche Zeitung“ S. 14

Comics

Einen ungewöhnlichen Blick auf die Kunstgeschichte und erfüllte Wunschträume, so der „Standard“ aus Österreich, gewähren eine Serie von Neuerscheinungen:
Cyril Pedrosa: Drei Schatten. Reprodukt, 20,00 Euro
Regis Loisel: Der große Tote. Ehapa Comic Collection, 12,00 Euro
Christiane Braune: Wasser & Licht. Nicolai, je 19,95 Euro
Manu Larcenet: Die Rückkehr aufs Land. Reprodukt, 22,00 Euro
Jason Lutes: Houdini. Carlsen, 12,00 Euro
Christophe Blain: Das Getriebe. Reprodukt, 15,00 Euro
derstandard.at

VORAUSGEHÖRT – Bücher im Radio

Nach Jonathan Franzen und Philip Roth stellt SWR2 Literatur heute, um 20:03 Uhr, einen weiteren großen amerikanischen Erzähler vor. Spätestens seit „Unterwelt“, dem großen Romanepos über das Amerika der Nachkriegszeit, gilt Don DeLillo als einer der schärfsten Analytiker seines Landes und der gesellschaftlichen Psychosen seiner Landsleute. Thomas David hat den 1936 geborenen Autor in New York besucht.
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Droemer
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Ferrante, Elena
Suhrkamp
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05.12.2016
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