Gegen Altersschubladen

Auch im Internet machen Autoren mobil gegen die
Altersempfehlungen auf den Bücher-Umschlägen.

Die Ankündigung der Children’s Book Group (CBG) im britischen Verlegerverband, dass ab Herbst alle neuen Kinder- und Jugendbücher eine Altersklassenempfehlung auf dem Umschlag haben werden, sollte eigentlich nur eine Formalie sein. Stattdessen ist daraus eine massive Revolte empörter Autoren geworden. Sie sind sauer, weil der CBG-Beschluss über ihre Köpfe hinweg ohne Rücksprache gefasst wurde.

Bereits am 13. April hatten 13 Kinder- und Jugendbuchverlage, darunter Hachette, Penguin, Random House und Egmont, angekündigt, die farbigen Altersklassenempfehlungen umzusetzen – ab Sommer zunächst bei Nachdrucken, ab Herbst verbindlich für alle Neuerscheinungen. Viele Autoren sind seither verärgert bei ihren Verlagen vorstellig geworden und wurden abgeblockt, bis Philip Pullman der Geduldsfaden riss.

Anfang Juni hat der Whitbread-Preisträger im britischen Branchenblatt „The Bookseller“ einen offenen Brief als Anzeige veröffentlicht, in dem er „Age-Banding“ als ungeeignet und stigmatisierend anprangert. „Jede Klassifizierung ist falsch, weil sie davon ausgeht, dass alle Kinder der jeweiligen Altersgruppe gleich sind“. Seither ist das Thema auf der Insel Tagesgespräch.

Die Liste der Unterzeichner des Briefes liest sich wie ein Who’s who der britischen Kinderbuchliteratur. Zu denen, die ihren Verlagen die rote Karte gezeigt und entsprechende Angaben auf ihren Büchern nicht zulassen wollen, gehören Anne Fine, Terry Pratchett, Helen Dunmore, Geraldine McCaughrean, Melvin Burgess und Michael Morpurgo. Sie sind nicht allein: Auf einer von Pullman auf der Website www.notoagebanding.org organisierten Unterschriftenliste standen bis Dienstagabend 2085 Namen, innerhalb einer Woche sind über 1000 Unterschriften dazugekommen.

Nachdem sich die Verlage noch vor wenigen Tagen optimistisch zeigten, die Rebellion aussitzen zu können und darauf verwiesen, dass viele Schriftsteller mit der Altersklassifizierung keine Probleme haben, weicht ihre Front allmählich auf. So haben Walker und Usborne das Age-Banding vorläufig zurückgestellt, um den Dialog mit ihren Autoren zu suchen; auch andere Verlage haben Gesprächsbereitschaft signalisiert.

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