Bewährungsprobe in Berlin

Die Hauptversammlung auf den Buchhändlertagen wird zum zentralen Gremium des Börsenvereins. Am 20. Juni sollen engagierte Beitragszahler nicht nur über die Finanzen des Verbandes entscheiden. In Berlin stehen auch die Befriedung des BAG-Debakels und prekäre Standortfragen auf der Agenda.

In der Geschichte des Börsenvereins markieren die kommenden Buchhändlertage (19. und 20. Juni) eine Zäsur: Nach erfolgter Satzungsänderung im vergangenen Jahr liegt die Finanzhoheit nun bei den Mitgliedern und damit bei der Hauptversammlung. Basisdemokratisches Engagement und Einfühlungsvermögen müssen die Mitglieder, die sich aus ihrem Arbeitsalltag ausklinken, um nach Berlin zu fahren, bei einer ganzen Staffel entscheidender und zum Teil polarisierender Tagesordnungspunkte beweisen.

Viel Stoff für heiße Debatten im Plenum

Breiten Raum werden in der Debatte die Finanzen des Börsenvereins und seiner Wirtschaftsbetriebe einnehmen. Schatzmeister Jürgen Horbach trägt in diesem Jahr ein besonders umfangreiches Aktenpaket zum Pult:

  • Unterdeckung beim Börsenverein: Der Geschäftsbericht des Börsenvereins für das Jahr 2007 weist einen Verlust von 400.000 Euro aus. Der Grund liegt nicht in der bilanziellen Belastung durch die BAG, die Lasten trägt die Wirtschaftstochter MVB, die seit 2007 alleiniger Gesellschafter der BAG ist. Die Unterdeckung ist vielmehr das Resultat einer außerplanmäßigen Abschreibung im Rahmen der Finanzierung des Haus des Buches in Leipzig.
  • Doppeletat im Gepäck: Wegen der Sondersituation des Übergangsjahres nach Abschaffung der früher für die Absegnung des Haushalts zuständigen Abgeordnetenversammlung legt Horbach mit den Budgets für 2008 und 2009 erstmals einen Doppelhaushalt zur Diskussion und Genehmigung vor.
  • Nachbeben des BAG-Debakels: Das üppige Finanzpolster der Börsenvereins-Gruppe hat sich nach der politisch gewollten Sanierung der BAG und der damit verbundenen Abrundung der Branchendienstleistungspalette des Verbandes halbiert. Abzuwarten bleibt, ob die Hauptversammlung der Empfehlung des Verbandsvorstandes folgt, die ehemaligen Aufsichtsräte der BAG zu entlasten, um Schaden vom Ehrenamt abzuwenden (buchreport berichtete).
  • Fragen nach dem Standort: Zu den Baustellen, auf denen der Börsenverein derzeit tätig ist, gehört auch das Verbandsdomizil am Großen Hirschgraben in Frankfurt. Das in den 50er-Jahren gebaute Haus ist in einem beklagenswerten Zustand und muss dringend renoviert werden. „Einrüsten oder ausziehen?“ gehört zu den wichtigen Fragen, die bei den Buchhändlertagen für Gesprächsstoff sorgen werden.   

Beim mit Spannung erwarteten Branchentreff in der Hauptstadt wird sich außerdem zeigen, wie sich die Integrationskraft des Verbands in der sich stark verändernden Branche entwickelt und wie es um die noch vorhandenen Konsensklammern bestellt ist. Einige Rahmenbedingungen haben sich im Vergleich zu den Vorjahren verändert:

  • Mitgliedschaft: Mit der rasant voranschreitenden Veränderung der Branchenstruktur sinkt auch die Zahl der beitragszahlenden Verbandsmitglieder immer schneller. Die Spreizung zwischen Kleinen und Großen und die Interessensgegensätze werden größer, vor allem die „Beitragsgerechtigkeit“ wird höchst unterschiedlich definiert.
  • Branchenkonsens: Es gibt Zweifel, ob ambitionierte und teure Projekte wie die VlB-Bibliografie und die Volltextsuche Libreka! als Klammer sowie Kompromissplattformen für die unterschiedlichen Sparten- und Individualinteressen taugen.  
  • Verbandsdemokratie: Die Arbeitsteilung, nach der das paritätisch besetzte Frankfurter Branchenparlament die großen Branchendebatten führt (Beitragsgerechtigkeit, Preisbindung, Remittenden…) und die Berliner Hauptversammlung sich als Entscheidungsinstanz durch die ambitionierte Tagesordnung arbeitet, muss sich in der kommenden Woche erst noch bewähren.

Vor einem Jahr hatte der Verbandsreformer Matthias Ulmer für Berlin mehr Plenumscharakter statt Podiumsveranstaltung angemahnt. Die rund 6000 Mitglieder sind dazu aufgerufen, sich aktiv in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Der Blick auf die vorliegenden Anmeldungen gibt allerdings Anlass zur Skepsis. Bei den Buchhändlertagen 2007 hatte sich der Verlegerausschuss-Vorsitzende Karl-Peter Winters sogar mit 1000 Teilnehmern eine Verdopplung der Teilnehmerzahl gewünscht. Davon bleibt der Verband auch in diesem Jahr wieder weit entfernt.

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