Zu weich für diese Welt

Nachdem die „New York Times“ als erstes berichtet hatte, dass Random House-Chef Peter Olson (links) auf der Abschussliste stehe und in wenigen Wochen seinen Rosten räumen werde, folgt die deutsche Presse. Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt, dass nun derjenige, der nichts befriedigender fand als das Feuern von Feinden, Bremsern und Minderleistern, selbst Opfer des profitversessenen Denkens geworden sei. Grund für die Demission: schlechte Zahlen, der Wechsel an der Konzernspitze – Gunter Thielen habe Olson geschätzt, anders als der neue Boss Hartmut Ostrowski – sowie der große Druck, unter dem die amerikanische Verlagsbranche seit Jahren stehe. „Selbst Olson, zu dessen exzentrischeren Seiten eine Sammlung von Steiff-Raubtieren gehört, war für dieses Geschäft offenbar zu weich.“

Das „Handelsblatt“ meint, Olson – als einziger Amerikaner im Vorstand – sei in Gütersloh nie richtig angekommen. „Aus seiner intellektuellen Überlegenheit machte er keinen Hehl.“ Als Nachfolger haben die Düsseldorfer Joerg Pfuhl (Foto: rechts) im Auge, den „lautlos-effektiven Deutschland-Chef von Random House“.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ glaubt, dass spätestens in zwei Wochen, wenn ein Gipfeltreffen der Bertelsmänner in New York stattfinde, über die Modalitäten von Olsons Abgang entschieden werde. Als Nachfolgerin macht die „FAZ“ Gail Rebuck, „die resolute Chefin der britischen Filiale von Random House“, aus.
nytimes.com, „Süddeutsche Zeitung“ (S. 18), „Handelsblatt“ (S. 13), „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 37)

Die Rache der Alphamädchen

Eine Debatte auf Ansage: Nachdem Alice Schwarzer am Sonntag bei der Verleihung des Ludwig-Börne-Preises für kritischen Journalismus die gerade entstehende junge feministische Szene als „Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus“ bezeichnet hat (siehe Presseschau), holen die drei Feministinnen Meredith Haaf, Susanne Klinger und Barbara Streidl zum Gegenschlag aus. Die Autorinnen des soeben erschienenen Buchs „Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht“ (Hoffmann & Campe) und Bloggerinnen (maedchenmannschaft.net) schreiben in der „Süddeutschen Zeitung“: „Ja, unsere Generation geht nicht auf die Straße, um für Frauenrechte zu kämpfen, wie es Alice Schwarzer und Hunderte Frauen ihrer Generation taten. Aber dass wir unsere Unzufriedenheit nicht mit Plakaten demonstrieren, bedeutet nicht, dass es keinen Anlass zur Unzufriedenheit gibt.“ Fazit: „Feministische Ideen müssen in die kulturelle und gesellschaftliche Mitte, raus aus dem Nischendasein der Gender Studies oder Frauenorganisationen.“
sueddeutsche.de

VERLAGE

Biografie: Die von der Literaturwissenschaft geringgeschätzte Gattung erlebt eine Renaissance.
„Süddeutsche Zeitung“ (S. N3)

BÜCHER & AUTOREN

Michel Houellebecq: streitet mit seiner Mutti („Wenn er unglücklicherweise wieder meinen Namen irgendwo draufschreibt, kriegt er mit dem Gehstock eins auf die Birne“).
welt.de, stern.de

Elfriede Jelinek: veröffentlicht Text zu Inzest-Drama.
fr-online.de

Chun Sue: hat als 17-Jährige einen Roman geschrieben über Schulabbruch und Barbesuche, Lust und Laster, wechselnde Haarfarben und wechselnde Liebhaber – 100.000 verkaufte Exemplare, dann von chinesischen Behörden verboten.
„Handelsblatt“ (S. 10)

J.J. Voskuil: Nachruf auf den niederländischen Schriftsteller, dessen Monumentalepos „Het Bureau“ („Das Büro“), mit mehr als 5000 Seiten zu den umfangreichsten Romanwerken der Weltliteratur zählt.
„Süddeutsche Zeitung“ (S. 14), „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 35)

ONLINE

Facebook: Internet-Netzwerk wirbt im Wochentakt Spitzenmanager von Google ab.
„Handelsblatt“ (S. 13)

Google: hat sich wie ein Computervirus in jeden Rechner eingenistet (Interview mit Autor Gerald Reischl).
fr-online.de

Yahoo: Chef Jerry Yang spürt den Ärger der Aktionäre und will weiter mit Microsoft verhandeln.
sueddeutsche.de, handelsblatt.com

ARD, ZDF: Streit mit Verlegern um Expansion im Internet eskaliert – Rundfunkkommission nimmt heute Verhandlungen auf.
„Handelsblatt“ (S. 16)

MEDIEN & MÄRKTE

Kino: Dem Actionkino droht der Verlust seiner wichtigsten Tradition – der Körperlichkeit.
„Süddeutsche Zeitung“ (S. 11)

Holtzbrinck: Geschäfte laufen besser als erwartet, Konzern will im werbefinanzierten Web mitmischen.
sueddeutsche.de

SZENE

Millionenschweres Buch: Das Land Baden-Württemberg hat Johannes Fürst Waldburg-Wolfegg den Verkauf eines Hausbuches aus dem Familienbesitz von 1480 genehmigt – Verkaufswert rund 20 Mio Euro.
„Süddeutsche Zeitung“ (S. 12), faz.net

Wil Wheaton: Star-Trek– Hassfigur bloggt sich zum Vorzeige- Nerd, schreibt Rollenspiel-Kolumnen und – und hat plötzlich Fans.
spiegel.de

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