Von Göttern und Chefköchen

Ein Jahr lang hat der Verlag hinter den Kulissen an einem Kochbuchportal gearbeitet, in dieser Woche hat Gräfe und Unzer (GU)  die Kochcommunity kuechengoetter.de gestartet. Es ist der nach eigenen Angaben erste große Ausflug eines Ratgeberverlags ins Web 2.0 und eine direkte Attacke auf die größte Kochseite Europas chefkoch.de.

„Communitys und das Netz machen uns mit der Informationsbreite  und -tiefe zu schaffen“, machte GU-Chef Georg Kessler keinen Hehl aus der Online-Bedrohung. Beim Wertschöpfungs- und Contentkreislauf müssten sich die Verlage im Zeitalter der „Prosumenten“ (Kompositum aus Produzenten und Konsumenten) damit abfinden, dass sie nicht mehr die Contenthoheit hätten.

Prominente Blogger schreiben für das Portal

Nach dem Motto „Kannst Du sie nicht schlagen, verbünde Dich mit ihnen“, setzt der Verlag sein neues Portal auf drei Säulen auf:

  • Rezepte: GU veröffentlicht 8000 eigene Rezepte.
  • Community: Die Nutzer können kostenlos nach Rezepten suchen, diese kommentieren und bewerten, eigene Rezepte hochladen sowie Nutzerprofile anlegen; Mitte Dezember soll außerdem ein Forum eröffnet werden.
  • Blog: Im Blog „Der Küchenbote“ schreiben prominente Foodblogger wie Nicole Stich und Sebastian Dickhaut, daneben aber auch die Bachmann-Preisträgerin und selbst ernannte „Anti-Köchin“ Kathrin Passig.

Refinanzieren soll sich das Portal per Werbung, Kooperationen mit Partnern aus dem Essen- und-Trinken-Markt sowie speziellen Angeboten wie Kochkursen. Verantwortlich für kuechengoetter.de zeichnet Beate Muschler (38), die zum 1. Januar 2007 als Leiterin für Electronic Publishing von der Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm zu GU gewechselt war. Als Berater fungierte der New-Economy-Werber Sascha Lobo.

Anlaufverluste sind programmiert

Angesichts der Herausforderungen durch die Web 2.0-Portale blieb GU nur die Flucht nach vorn. Dennoch ist der Schritt nicht ohne Risiken:

  • Für den laufenden Betrieb des Portals haben die Münchner – neben bekannten Autoren – die Agentur Art & Weise aus Bremen sowie für die Mitte Dezember startende Kommunikationskampagne die Agentur Jung von Matt engagiert. Allein im ersten Jahr dürften auf den Verlag dadurch Kosten mindestens im fünfstelligen Bereich zukommen.
  • Da Werbeerlöse erst ab einem bestimmten Niveau von Zugriffszahlen an den Verlag fließen werden, sind hohe Anlaufverluste somit programmiert.
  • Ob die Küchengötter jemals an den Erfolg der Chefköche (300000 angemeldete Hobbyköche, 60 Mio Seitenzugriffe pro Monat) anknüpfen können, bleibt abzuwarten: Seit November hat die Betreiberin Pixelhouse GmbH den mächtigen Bertelsmann-Zeitschriftenkonzern (und Rivalen der GU-Mutter Ganske) Gruner + Jahr als Anteilseigner im Rücken. Bislang hat sich Gruner + Jahr nur an chefkoch.de beteiligt, im kommenden Jahr soll die Übernahme erfolgen.
  • Größte Hürde für GU: Den Vorsprung von chefkoch.de aufholen – das Portal ist seit 1998 online.

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