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Pressemitteilung
Mittwoch, 18. November 2009 (09:11 Uhr)


Standing Ovations für den Preisträger

Geschwister-Scholl-Preis an Saviano verliehen

Der Geschwister-Scholl-Preis 2009 wurde dem italienischen Schriftsteller Roberto Saviano verliehen. Er nahm die Auszeichnung für sein aktuelles Buch „Das Gegenteil von Tod" persönlich entgegen. Darüber hinaus erhielt er den Preis für sein engagiertes Schreiben insgesamt, das im Sinne des Preises von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem gegenwärtigen Verantwortungsbewusstsein wichtige Impulse zu geben.

Nach Savianos Dankesrede wollte der Applaus lange nicht verebben. "Die Verleihung dieses Preises ist für mich eine konkrete Bestätigung. Mit diesem Preis schützen Sie mich mehr als ein bewaffneter Personenschutz“, waren seine bewegenden Worte.

„Wir alle wollen ein Stück mithaften für Roberto Savianos Unversehrtheit. Und für die Hoffnung, dass er eines Tages wieder ein Leben führen kann, das diesen Namen auch verdient. Dann vielleicht sogar in einem normalen europäischen Land, in dem Schriftsteller sich nicht mehr verstecken müssen“, sagte Giovanni di Lorenzo in seiner Laudatio.

Ein Wort sei zurückgekehrt ins Bewusstsein, in unsere Alltagssprache, so beginnt Wolf Dieter Eggert seine Rede: „Ein einziges Wort, das alle bisherigen Geschwister-Scholl-Preisträger charakterisiert, allen voran unseren heutigen, dreißigsten und selbst erst dreißigjährigen Roberto Saviano: ich spreche von Zivilcourage“.

Am Nachmittag vor der Preisverleihung traf der Preisträger auf ausgewählte Studenten des Geschwister-Scholl-Instituts. Beide Seiten genossen das offene Gespräch sichtlich. Den Studenten soll auch zukünftig ein Gespräch mit den kommenden Preisträgern ermöglicht werden.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern und die Landeshauptstadt München vergaben den mit 10.000 Euro dotierten Geschwister-Scholl-Preis dieses Jahr zum 30. Mal. Zu den bisherigen Preisträgern zählen David Grossmann, Anna Politkovskaja, Saul Friedländer, Necla Kelek und Arno Gruen, um nur einige Namen zu nennen.

Die Jury schreibt in ihrer Begründung, dass der gerade 30jährige Saviano den Mut hat, die Wahrheit zu sagen: „Er spricht Dinge aus, die in Italien fast niemand zu sagen wagt und hat damit auch unseren Blick auf Italien verändert.“ Schon mit seinem literarischen Debüt „Gomorrha“ (2006) hat er einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, wie die Mafia, speziell die Camorra, immer noch das Leben der Menschen systematisch zerstört. Ausdrücklich verweist die Jury auf die Klarheit und Intensität der Sprache Savianos, die seine Essays, Reportagen und Erzählungen so erschütternd macht: sie ist nüchtern, gleichzeitig empathisch, zart und in höchstem Maße poetisch. Seine literarische Wucht ist gespeist aus dem Zorn über die weltweite Macht der organisierten Kriminalität – trotzdem ist Roberto Saviano fähig wie kein anderer, die komplexen Sachverhalte eindringlich und allgemeinverständlich darzustellen. Damit leistet er ungeachtet seiner eigenen Situation einen einzigartigen Beitrag zum Verständnis des Leidens seiner Mitmenschen in seiner Heimat. Der Geschwister Scholl-Preis ehrt somit einen Autor, der unter Einsatz seines Lebens dagegen anschreibt, eine ausweglos erscheinende Situation als gegeben hinzunehmen.

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