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Verlage
Mittwoch, 27. Februar 2013 (08:42 Uhr)


TOC buchreport: Matthias Leonardy über illegale E-Book-Angebote

Bauschen Sie Piraterie auf, Herr Leonardy?

Kooperieren bei der Piraterie-Bekämpfung (v.li.): Matthias Leonardy (GVU), Alexander Skipis (Börsenverein) und Florian Drücke (Bundesverband Musikindustrie).

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU) will für Verlage und den Börsenverein gegen Bücherpiraten kämpfen. Matthias Leonardy ist Chef des Vereins, der am 23. April auf der TOC buchreport (hier mehr zur Veranstaltung) einen Überblick über E-Book-Piraterie geben wird (mehr dazu am Ende des Artikels). Im Interview zieht Leonardy eine Zwischenbilanz der eigenen Verlags-Akquise. Und warnt davor, dass künftig mehr spezialisierte E-Book-Piraterieportale auf den Plan treten könnten.

Ihre Kooperation mit dem Börsenverein steht und fällt mit dem Zuspruch der Verlage – gemeinsam muss ein Mindestbeitrag von 100.000 Euro (netto) pro Jahr aufgebracht werden. Wie ist die Resonanz?
Unterschiedlich. Wir haben von einigen großen Verlagen sehr schnell Zuspruch erhalten. C.H. Beck-Verleger Wolfgang Beck erklärte, er wolle von Anfang an dabei sein, um den Piraten das Wasser abzudrehen. Schleppender läuft es bei den kleineren Verlagen und Mittelständlern, die sehr genau rechnen: Bin ich im E-Book-Bereich überhaupt schon so stark vertreten, dass mir das Engagement finanziell in diesem Zusammenhang tatsächlich schon etwas bringt? 

Piraterie sei ein Problem vor der Küste von Somalia, nicht in der Buchbranche, sagt Sascha Lobo. Wird das Thema aufgebauscht?
Nein, der Bereich der Piraterie ist gespenstisch groß, wenn man sich alleine anschaut, dass bei bestimmten Downloadplattformen tausende von Büchern in einem Paket heruntergeladen werden können. Wir müssen bei den Verlagen erst noch Aufklärungsarbeit leisten, bevor es losgeht.

Sehen Sie Unterschiede zwischen den Medien-Branchen?
Das Problem ist im E-Book-Bereich ähnlich gelagert wie in anderen Medien-Bereichen, wo Online-Vollsortimenter alles verramschen, was in eine Datei gepackt werden kann. Es gibt noch nicht so viele spezialisierte E-Book-Anbieter, das wird sich aber ändern. Die Szene wird sich professionalisieren, und dann wird es Angebote geben, die sehr nutzerfreundlich sind. Es gab in der Vergangenheit ja schon mit library.nu großen Anbieter, der vom Netz genommen wurde, mit zivilrechtlichen Mitteln.

Warum setzen Sie auf strafrechtliche Verfolgung?
Ist der Täter bekannt, kann man ihm zivilrechtlich – mit Abmahnungen, Unterlassungsklagen, Schadensersatz – viel schneller das Handwerk legen. Weil sich die Betreiber oft aber verbergen, machen wir die Vorermittlungen, und Kripo und Staatsanwaltschaft übernehmen die weiteren Schritte. Privatpersonen, Unternehmen und Rechtsanwälte dürfen beispielsweise keine Durchsuchungen machen oder Telefone abhören, sondern nur die Polizei, auf Anweisung eines Richters. Das Urheberrecht wird bei der Justiz meistens depriorisiert. Wir bieten der Polizei Weiterbildung in Sachen Urheberrecht und Internet an. Wir haben auch deshalb ein anderes Standing als Anwaltskanzleien, weil wir für ganze Branchen tätig sind und nicht nur für einzelne Rechteinhaber. Und weil wir nicht darauf aus sind, Profite mit unserer Verfolgung der illegalen Anbieter zu erzielen, sondern als Non-Profit-Verein im Interesse der gesamten Kreativ-Branche arbeiten. 

Schadet Ihnen das schlechte Image der Abmahn-Anwälte?
Die Diskussion ist überhitzt und verkürzt. Es wird immer über die Anwälte debattiert, die nur deshalb losmarschierten, um sich selber die Taschen voll zu machen. Andererseits ist es doch legitim, dass sich die Rechteinhaber per Abmahnung wehren - und dabei geht es um die Frage des richtigen Maßes, um das Signal zu senden: "Wir dulden das nicht, wollen damit aber keinen Profit machen." Ebenso wichtig kann es sein, Speicherplatzanbieter zur Löschung von illegalen Inhalten aufzufordern. In der Piraterie-Verfolgung gibt es komplementäre Ansätze, die alle wichtig sind. 

Haben Verlage bessere oder schlechtere Karten als andere Branchen im Kampf gegen die Piraten?
Branchenpolitisch haben sie insofern eine bessere Ausgangsposition, als dass man ihnen nicht vorwerfen kann, dass sie nicht von Anfang an selbst attraktive Online-Angebote gemacht hätten. Das wurde der Musikindustrie traditionell vorgeworfen - "Napster hat es euch vorgemacht". Die Bereitschaft der Politik, hier zu unterstützen, ist aber genauso schlecht wie in der Musikbranche. Es tut sich einfach nichts im Justizministerium, was man am Warnhinweis-Modell sehen kann, das wir mit dem Börsenverein fordern. Warnhinweise wären eine wesentliche Option, um den Druck aus der öffentlichen Debatte zu nehmen. Aber wir diskutieren seit fast fünf Jahren mit den Ministerien - und sind nicht weitergekommen.

Also hoffen Sie auf einen Regierungswechsel?
Auch mit einer anderen Koalition wird das Warnhinweismodell wohl nicht kommen, weil es auch bei den übrigen Parteien nicht beliebt ist. Es wird von bestimmten Gruppen immer wieder der Irrtum befeuert, dass dazu Datenpakete überwacht und allen in die Emails geschaut werden soll. Angesichts dieser Orwell-Phantasie ist es schwierig, die Diskussion zu versachlichen.

Die Fragen stellte Daniel Lenz

Zur Person: Matthias Leonardy

übernahm 2008 die Geschäftsführung der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Zuvor arbeitete Leonardy von 2004 bis 2008 als Chefsyndicus der deutschen Ebay-Gruppe. 

  

Die GVU auf der TOC buchreport

Christine Ehlers erörtert am 23.4. in Berlin, wie stark die Piraterie auch das E-Book im Vergleich zu anderen digitalen Inhalten betrifft. Trifft die aktuelle Debatte um Piraterie den Punkt? Welche inhaltlichen Vergleiche lassen sich anstellen? Welche Strategien versprechen für Verlage erfolgreich zu werden?

 



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