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Management
Dienstag, 17. Dezember 2013 (15:41 Uhr)


Das niederländische Online-Portal "De Correspondent" hat kurz nach dem Start...

Crowdfunding-Rekord für Qualitätsjournalismus

Layout von De CorrespondentIm März 2013 hatte das Team um Chefredakteur Rob Wijnberg die Crowdfunding-Kampagne für ihr Projekt gestartet. Ein Auftritt Wijnbergs in einer niederländischen Talkshow überzeugte binnen einer Stunde 5.000 Unterstützer – die Zahl sollte sich während der Fundraising-Kampagne noch fast vervierfachen –, und so füllten innerhalb von drei Wochen 1,3 Millionen Dollar die Kassen des Start-ups (die Summen entstammen einem Beitrag im US-Fachportal medium.com und sind daher in US-Dollar angegeben). Jay Rosen, renommierter Journalistik-Professor an der New York University, schrieb dazu im April 2013 auf Twitter: „Das ist es. Ich erkläre De Correspondent zum interessantesten journalistischen Start-up von allen, die mir 2013 unter die Augen kamen".

Zwischenbilanz nach zwei Monaten

Nach dem Start der Finanzierungskampagne gab sich das Entwicklungsteam fünf Monate Zeit, am 30. September wurde die Website freigeschaltet. Zwei Monate nach dem Start zieht Herausgeber Ernst-Jan Pfauth in einem englischsprachigen Beitrag für die Branchenplattform Opens external link in new windowmedium.com eine erste Bilanz. So arbeiten derzeit sieben Vollzeitredakteure und 19 Freelancer für die Plattform, die inzwischen 24.000 Abonnenten davon überzeugt hat, für das journalistische Experiment jährlich 60 Euro zu berappen. Mit ihrem Einsatz haben sie das Startkapital auf insgesamt 1,7 Millionen US-Dollar aufgestockt.

In dem Beitrag erläutert Pfauth das redaktionelle Konzept hinter dem Erfolg. Bei De Correspondent handle es sich um eine Online-Plattform, die Hintergrund, Analyse und investigativen Journalismus biete – vor allem aber  "die Art von Geschichten, die dazu tendieren, vom Radar der Mainstream-Medien zu verschwinden, weil sie nicht mit dem übereinstimmen, was man normalerweise als News betrachtet".

Das neue Medium solle, wie es in einem Manifest des Chefredakteurs Wijnberg – frei übersetzt – heißt, „ tagesaktuelle Stories bringen, aber mit dem Ziel, tiefliegende Strukturen und langfristige Entwicklungen, die unsere Welt bestimmen und gestalten, aufzudecken, zu erklären und hervorzuheben, anstatt dem letzten Hype, Sensationen und Breaking News nachzulaufen.“

Statt "News" wirklich Neues

Chefredakteur Rob Wijnberg und Herausgeber Ernst-Jan Pfauth hatten zuvor in Diensten des NRC Handelsblad gestanden, der führenden Tageszeitung Hollands. Dort seien die Zeichen der Zeit nicht erkannt worden, wie Pfauth rückblickend schildert: Diese erforderten nämlich, statt auf News, die sowieso überall kostenlos im Netz verfügbar sind, auf wirklich Neues zu setzen. Das heißt,  weniger auf spektakuläre Entwicklungen, stattdessen auf Ereignisse, die sich konkret auf das Leben der Menschen auswirken.

Konkret hat sich dies in einigen konzeptionellen Weichenstellungen niedergeschlagen, die Pfauth schildert:

  • Die Kommunikation zwischen den einzelnen Autoren und "ihren" Lesern spielt eine zentrale Rolle in der redaktionellen Arbeit. Autoren würden eine Art Themengärten auf der Plattform pflegen, die Raum zum Austausch bieten. Dadurch würden sich nicht nur Abonnenten in so etwas wie Mitglieder oder Teilnehmer verwandeln, auch die Qualität der Beiträge steige: "Nehmen wir an“, argumentiert Pfauth, „einhundert Mediziner lesen den Correspondent. Zusammen wissen sie weit mehr als ein einziger Medizinjournalist. Unsere Website musste daraufhin konzipiert werden, sie in die Lage zu versetzen, ihr Wissen mit unseren Autoren zu teilen". Sobald die Stories im Themengarten im Austausch mit den Lesern gereift sind, würden sie auf die Startseite kommen, damit auch Leser mit anderen Interessen auf den Beitrag aufmerksam werden.
  • Das Angebot ist komplett anzeigenfrei. "De Correspondent ist ein kommerzielles, profitorientiertes Unternehmen, aber unser Geschäftsmodell besteht darin, Inhalte an Leser zu verkaufen und nicht Leser an Werbekunden“, erläutert Pfauth diese Entscheidung. Abonnementgebühren und Spenden seien die hauptsächlichen Finanzquellen. Ziel sei ein besserer Journalismus und nicht, "die Taschen von Teilhabern zu füllen".
  • Abgesehen von Facebook-Posts werben die Betreiber ihrerseits auch nicht auf konventionelle Art für die eigene Plattform – dafür sehen sie einen besseren Weg: Leser können die Links zu ihren bevorzugten Artikeln weiterleiten, was sich als effiziente Methode der Abo-Gewinnung erwiesen habe. So habe der erfolgreichste Artikel allein 147 Leser davon überzeugt, ein Abo abzuschließen.
  • Nicht ganz unerheblich für den Erfolg dürfte auch die Zusammenarbeit mit der Amsterdamer Kreativagentur Opens external link in new windowMomkai sein, seit Dezember 2012 Gründungspartner des Projekts, die die Plattform zum Selbstkostenpreis aufgesetzt und professionelles Artwork zugeliefert hat. Zum Kundenkreis des Unternehmens zählen Adobe, Nike oder Red Bull.
  • Das von Momkai entwickelte Content Management System namens Respondens ermöglicht es den Redakteuren, ihre jeweiligen Themenbereiche selbst zu zu pflegen. Das CMS soll auch getrennt vom Kerngeschäft weiter vermarktet werden. Pfauths Überzeugung: "Wir glauben, dass Webentwickler genauso wichtig wie Journalisten sind, wenn es darum geht, neue Wege zu finden, um Geschichten zu erzählen."

Der Herausgeber ist optimistisch, dass die Konzeption nicht nur gut klingt, sondern auch in der Realität trägt. Immerhin seien in den ersten sechs Wochen seit dem Launch im September 4 000 neue Abos hinzugekommen.

Beitrag von Ernst-Jan Pfauth, Herausgeber des Correspondent: Opens external link in new windowHow we turned a world record in journalism crowd-funding into an actual publication

De Correspondent - Opens external link in new windowenglische und Opens external link in new windowniederländische Version

(hff)




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