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Verlage
Donnerstag, 24. Juli 2008 (17:12 Uhr)


Amazon plant neue E-Book-Generation

„Kindle" für den Lehrbuch-Markt

In Amazons Halbjahresbericht (der Umsatz- und Gewinnzuwächse vermeldet) wird dem E-Book-Lesegerät „Kindle" nur eine Zeile gegönnt, derzufolge 140.000 Titel zur Verfügung stehen. Nach Informationen des Tech-Blogs Crunchgear arbeitet Amazon aber an der nächsten Generation des E-Book-Lesegeräts:

  • Demnach soll im Oktober, fast ein Jahr nach dem „Kindle“-Launch, eine neue Version mit ähnlicher Bildschirm-, aber kleinerer Gesamtgröße sowie verbesserter Bedienung erscheinen.
  • Anders als die erste Schwarz-Weiß-Generation erschienen die neuen Modelle in verschiedenen Farben, ein Zugeständnis an jüngere Nutzer.
  • Für das kommende Jahr sei ein vergrößerter „Kindle“, der etwa auf DIN-A4-Größe wachsen soll, geplant.

Bei allen Fragezeichen, die stets im Vorfeld von verschwiegenen Amazon-Projekten zu setzen sind, und bei allen Unklarheiten, wann der „Kindle“ auch in Deutschland zündelt – die Zielrichtung eines XL-„Kindle“ wäre deutlich:
Amazon würde sich ein Stück vom großen Kuchen für akademische Lehrbücher sichern. Die Chancen erscheinen aus heutiger Sicht gut:

  • Nach einer Statistik des Branchenverbands National Association of College Stores (NACS) umfasst allein der US-Markt für akademische Lehrbücher ein Volumen von 5,5 Mrd Dollar; besonders elektronische Lehrbücher boomen.
  • Die dort aktiven Verlage sind schon heute im Vergleich zu anderen Bereichen des Buchmarktes onlineaffin. Die meisten Häuser bieten E-Books an. Die Bildungsverlags-Gruppe McGraw-Hill Education, die Anfang des Jahres infolge der Verlagerung der eigenen Produkte auf digitale Inhalte über 300 Stellen kürzte, hält sogar 95% der gedruckten Titel auch als E-Book vor.
  • Dass Verlage die Chancen des elektronischen Formats erkannt haben, zeigen Projekte wie CourseSmart.com, einem Vertriebsportal für elektronische Lehrbücher von sechs Verlagen, darunter Pearson und Wiley; die E-Titel kosten durchschnittlich 50% weniger als die Print-Fassungen.
  • Auch Studenten hoffen auf elektronische Lösungen, wegen hoher Preise der Fachliteratur (da kleinste Auflagen) sowie Gewichtsvorteilen von E-Books.
  • Der „Kindle“ würde die bisherige Hardware-Lücke schließen und besonders durch die Recherche-Möglichkeiten in umfangreichen Fachbüchern punkten.
  • Was Verlage außerdem zur Kooperation mit Amazon animieren könnte, ist die Aussicht, die Auswüchse des Gebrauchtbuchmarktes einzudämmen.

Immer mehr Studenten verkaufen ihre durchstudierten Bücher über Portale wie den Amazon Marketplace oder das deutsche bookya.de, wodurch das Geschäft der Verlage wie des klassischen Buchhandels stark beeinträchtigt wird. Der US-
Wiederverkaufsmarkt für Lehrbücher wird allein auf 2,3 Mrd Dollar taxiert. DRM-geschützte E-Books unterbinden demgegenüber eine Zweitverwertung.

Nicht nur die Zielrichtung, sondern auch der voraussichtliche Verlierer von Amazons Kindle-Erweiterung ist schon heute klar erkennbar: Der akademische Buchhandel, an dem das digitale Geschäft vorbei läuft und der bereits heute ächzt. Auf der jüngsten Tagung der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhandlungen (AWS) klagten besonders medizinische Fachbuchhändler über deutliche Umsatzrückgänge.

Amazon versucht aber Verdrängungsängste zu dämpfen: Trotz „Kindle“ kauften Kunden die gleiche Anzahl physischer Bücher wie zuvor, während ihre gesamten Buchkäufe um das 2,6-fache ansteigen, analysiert das Unternehmen auf buchreport-Anfrage seine Verkaufsstatistik. 



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