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Mittwoch, 30. Januar 2013 (13:28 Uhr)


„Neger“ im Kinderbuch: Hans-Heino Ewers verteidigt Anpassungen

Glätten ohne weichzuspülen

In der Debatte über textliche Veränderungen in der „Kleinen Hexe“ (Thienemann Verlag) stellt sich Hans-Heino Ewers (Foto: Uni Frankfurt) , Direktor des Frankfurter Instituts für Jugendbuchforschung, auf die Seite des Verlags. Diskriminierende Begriffe sollten ausgetauscht werden.

Hintergrund der Debatte ist die Ankündigung von Thienemann, dass Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker „Die kleine Hexe“ künftig ohne die diskriminierenden Begriffe „Negerlein“ und „Neger“ erscheinen werde. Der Literaturwissenschaftler Ewers plädiert dafür, die aktuellen Leseausgaben an den heutigen Sprachgebrauch anzupassen. Aktuell hochgradig belastete Wörter, die bereits jüngere Kinder als diskriminierend empfänden, sollten durch gleichbedeutende unbelastete Wendungen ersetzt werden. Dies sei keine Entstellung des Textes, sondern diene dem „aktuellen Verständnis seiner ursprünglichen Intention.“ 

Als Beispiel verweist der Germanist auf das weniger emotionalisierte Beispiel, dass in einem Märchen aus der Zeit von Klassik und Romantik von einem „blöden Kind“ die Rede sei; in einer Leseausgabe von heute sollte es „schüchternes Kind“ heißen, um der damaligen Bedeutung wieder nahe zu kommen.

Ewers Begründung: Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter seien noch nicht in der Lage, historische Texte als solche zu identifizieren, deshalb sei es notwendig, diese Literatur dem sprachlichen Wandel anzupassen. Gleichwohl, so räumt Ewers ein, würden solche gesellschaftlich erwünschten Anpassungsprozesse „immer komplexer“. 

Der Frankfurter sieht Literaturwissenschaftler in der Pflicht, dort Einspruch zu erheben, „wo im Windschatten vertretbarer Eingriffe Kinderbücher aus falschen Rücksichten weichgespült und in der Substanz beschädigt werden“.

Sprachliche Eingriffe beschränkten sich nicht nur auf den Bereich der Kinderbücher: „Nahezu alle Leseausgaben älterer Werke der Allgemeinliteratur beruhen auf einer unterschiedlich weitreichenden Textbearbeitung. Dabei geht es nicht nur um eine Anpassung an die aktuelle Rechtschreibung und Zeichensetzung; oft werden auch heute nicht mehr verständliche altertümliche Wendungen ersetzt.“

 



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