(Anzeige)

(Anzeige)
Verlage
Mittwoch, 07. Oktober 2009 (14:12 Uhr)


Börsenverein und Random House zum BGH-Urteil

Viele Kreative bleiben auf der Strecke

Der Börsenverein und Joerg Pfuhl (Random House, Sprecher der im Verband organisierten Publikumsverlage beim Thema Übersetzervergütung) haben auf das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zur angemessenen Vergütung von Literaturübersetzern reagiert. Dieses bestätige die wichtigsten Elemente des Berliner Modells, das die Verlage den Übersetzern in der Vergangenheit vergeblich angeboten hätten.

„Eine Erfolgsbeteiligung für Übersetzer gibt es in den meisten Verlagen seit vielen Jahren. Es ist bedauerlich, dass der Übersetzerverband die zwischen Verlagen und Übersetzern ausgehandelte und unterschriftsreife Vergütungsregelung hat platzen lassen, denn der BGH bestätigt nun die wichtigsten Elemente des Berliner Modells“, so Pfuhl.

Zugleich warnt der Börsenverein vor den absehbaren negativen Konsequenzen des heutigen Urteils, das auf der verfehlten Novellierung des Urhebervertragsrechts durch die seinerzeitige rot-grüne Bundesregierung im Jahre 2002 basiert:

  • Kaum Änderungen für das Gros der Übersetzer: Für die meisten Übersetzer werde sich materiell nichts ändern, da die BGH-Entscheidung vor allem Bestseller-Übersetzern zu Gute komme. Von den Verlagen vorgeschlagene Honorierungsmodelle, die gezielt zu einer höheren Vergütung für anspruchsvolle literarische Übersetzungen führen könnten - insbesondere das so genannte Münchener Modell -, seien vom Verband deutscher Übersetzer in der Gewerkschaft ver.di in der Vergangenheit wiederholt abgelehnt worden.
  • Weniger Bücher übersetzt: Die eintretende Verteuerung von Übersetzungen führe dazu, dass insgesamt weniger Bücher übersetzt werden können und viele risikoreiche, aber kulturell bedeutsame Titel auf der Strecke blieben. Dies gelte auch und gerade dann, wenn ein Übersetzer in Kenntnis des wirtschaftlichen Rahmens eines Buchprojekts ausdrücklich wünsche, zu den bisher üblichen Konditionen arbeiten zu können.
  • Mischkalkulation erschwert: Das neue Urhebervertragsrecht führe generell dazu, dass Absprachen mit Urhebern nicht mehr verlässlich und geschlossene Verträge nicht rechtssicher seien. Der durch die Vorgaben des Gesetzgebers eingetretene Verlust an Rechts- und Kalkulationssicherheit erschwere die bisher praktizierte Mischkalkulation und zwinge Medienunternehmen dazu, weniger Experimente zu wagen und sich stattdessen auf sichere Produkte zu konzentrieren.

Unter dem Strich führe dies nicht zu einer angemessenen Vergütung von Urhebern, sondern dazu, dass weniger Kreative von ihren Leistungen leben könnten.
 
Vor einer endgültigen Bewertung der heutigen Entscheidung wollen Börsenverein und Verlage zunächst die Urteilsbegründung des BGH sowie das Endurteil des Oberlandesgerichts München abwarten, an das der Rechtsstreit zur Klärung offener Tatsachenfragen zurückgewiesen wurde.



blog comments powered by Disqus


ImpressumSitemapAGB © 2014

CMS, Programmierung Design und Hosting: www.wecotec.de