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Verlage
Freitag, 21. Dezember 2012 (08:10 Uhr)


Klaus Fuereder über Perspektiven von Amazon Publishing

„Bisher hat Amazon immer alles erreicht“

Bislang konnten die deutschen Verlage die eigenverlegerischen Aktivitäten von Amazon gelassen bis gut gelaunt beobachten. Der Aufbau eigener Imprints konzentrierte sich bislang auf die USA. Mit dem auf internationale Literatur fokussierten Programm „Amazon Crossing“ sorgte der Onliner sogar dafür, dass mehr deutsche Autoren beim US-Publikum landen – allein in diesem Jahr wurden bislang 25 deutsche Titel übersetzt, das ist die Hälfte aller ins Amerikanische gehobenen deutschen Titel. 

Doch die Stimmung dürfte sich drehen, nachdem Amazon angekündigt hat, von Luxemburg aus 2013 europäische Imprints aufzubauen – der Kooperationspartner wird zum Konkurrenten. Seit Juli, schreibt Jeff Belle, Vizepräsident bei Amazon Publishing, in einem Brief an Agenten, übersetze Amazon bereits die ersten englischen Titel aus dem eigenen Programm ins Deutsche; einige seien bereits Bestseller.

Klaus Fuereder, seit 25 Jahren im Verlags- und Medienbereich tätig und nach führenden Positionen bei Ullstein und Txtr seit 2010 selbstständiger Unternehmer und Berater, glaubt, dass Amazon mit den eigenverlegerischen Aktivitäten auch in Europa eine gute Ausgangssituation hat.

Welche Perspektiven haben die Amazon-Verlage in Europa?

Sehr gute. Es gibt reihenweise Autoren, die mit ihren Verlagen nicht zufrieden sind. Daneben bergen viele Autoren, die bis dato noch nicht im Print erschienen sind, ein großes Potenzial. Amazon hat jede Möglichkeit, über seine Vermarktungsschienen und die eigene Marktforschung die richtigen Autoren den richtigen Lesern zu einem Kampfpreis anzubieten, so lang bis die Wettbewerber aufgegeben haben. Amazon wird sich dabei sehr stark auf den E-Book-Markt konzentrieren, der Printbereich ist für Amazon nur eine Art Abfallprodukt.

Ein „Abfallprodukt“, das stationäre US-Buchhändler boykottieren – bei Barnes & Noble liegen die Amazon-Bücher nicht im Regal. Zu Recht?

Das ist nachvollziehbar. Warum sollten Buchhändler die Natter an ihrem Busen nähren? Dieser knallharte Kampf zeichnet sich jetzt auch hier ab.

Buchhändler sollen freiwillig auf Umsatz verzichten?

Der Buchmarkt hat sich ohnehin von Amazon sehr lange täuschen lassen. Für Verlage und Buchhändler ist es jetzt wichtig, konsequent zu sein.

In den USA haben die Amazon bisher vorwiegend Backlisttitel digital reanimiert und Genre Fiction bedient. Wann wird Amazon verstärkt bei Bestseller-Lizenzen mitbieten?

Das ist nur eine Frage der Zeit. Amazon hat da eine große Geduld. Wenn die Aktivitäten von Amazon im Verlagsbereich erfolgreich sind, werden bald die Autoren und Agenten den Kontakt zu Amazon suchen.

Die Agenten nutzen Amazon als Vertriebsplattform für ihre eigenen verlegerischen Aktivitäten. Wie beurteilen Sie diese Rollenverschiebung?

Sie ist konsequent. Die Agenten kennen ihre Autoren und deren Leser meistens viel besser als die Verlage. Wenn sie zudem in Marketing und PR fit sind, stellt sich sicher bei einigen die Frage, ob sie eine Zwischenstufe, die so unter Umständen nicht mehr benötigt wird, nicht lieber auslassen sollen und direkt mit Amazon anbandeln. Amazon geht seinerseits davon aus und tut alles dafür, dass allerspätestens in zehn Jahren der Buchmarkt in seiner heutigen Form nicht mehr existiert. Bisher haben sie immer erreicht, was sie sich vorgenommen haben, und darüber werden sich auch die Agenten Gedanken machen. 

aus: buchreport.express 49/2012



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