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Verlage
Dienstag, 16. Juni 2009 (15:00 Uhr)


Joachim Kaps zum Verlag 3.0

„Long Tail wird länger und flacher“

Die Digitalisierung der Medien stellt die Geschäftsmodelle von Verlagen zunehmend in Frage. Welche Geschäftsmodelle zwischen Werbefinanzierung und Paid Content schaffen für Verlage auch langfristig eine solide wirtschaftliche Grundlage? Wie können Verlage ihre Nutzer im Netz zu zahlenden Kunden machen? Antworten gibt die von der Akademie des Deutschen Buchhandels in Kooperation mit Heinold, Spiller & Partner veranstaltete Konferenz  „Verlag 3.0 – Geschäftsmodelle für den digitalen Verlag“ (1. Juli, München, hier und hier mehr Infos). Vorab interviewt buchreport.de einige Referenten und Diskutanten. Heute: Joachim Kaps (Foto, Geschäftsführer, Tokyopop).

In welchen inhaltlichen Segmenten sind die Chancen für Verlage am größten, digitale Geschäftsmodelle zu realisieren?
Vieles spricht dafür, dass sich die digitale Welt langfristig gar nicht so sehr von der analogen unterscheiden wird. Blickt man auf die Märkte, die hier schon etwas Vorsprung haben, verteilen sich die Interessen der Nutzer nicht grundlegend anders als im Buchmarkt. Kurzfristig wird es allerdings deutlich leichter sein, zunächst die jungen Zielgruppen zu erobern, für die digitale Plattformen schon jetzt gelebter Alltag sind. Handys und I-Phones werden hierbei schnell eine bedeutendere Rolle spielen als jene Endgeräte, die nur ein elektronisches Buch sind. Daher startet TOKOYPOP seine Aktivitäten mit digitalen Angeboten auch in diesem Bereich. Wir gehen davon aus, dass Bildmedien wie Comics und Manga für die digitalen Kanäle besonders attraktiv sind. Aber auch der Fortsetzungsroman dürfte eine Renaissance erleben – und wer mag, kann ihn dann gerne auch Twitter-Roman nennen.

Für welche Art von Leistungen werden Kunden künftig bezahlen?
Bezahlen werden Kunden nur dann, wenn Sie für sich einen zusätzlichen Nutzen in einem Produkt erkennen. Die blanke Überführung eines guten Buches in ein schlechtes E-Book wird kaum die Massen begeistern können. Und schon gar nicht dann, wenn gleich nebenan im Web illegale, aber kostenfreie Alternativen zur Verfügung stehen. Daher sind die Verlage gut beraten, sich besser auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einzustellen und nicht nur ihre bestehenden Kataloge 1:1 zu digitalisieren. Ein neuer Variantenreichtum in der Verpackung von Inhalten ist hier ebenso gefragt wie ein Ausloten technischer Möglichkeiten und spezifischer Nutzerbedürfnisse, die die jeweiligen Endgeräte mit sich bringen.

Was wird der größte Unterschied zu klassischen Kundenbeziehungen sein?
Die Kundenbeziehungen werden direkter und das Feedback der Leser wird noch schneller bei den Verlagen ankommen als bisher. Dies birgt Chancen und Risiken. Einerseits verschwinden Filterfunktionen des Marktes, was für Nischenthemen eine Chance sein kann. In den Verlagen wird man andererseits sehr aufpassen müssen, dass man nicht nur nach der schnellen „Lesequote“ schielt, weil nicht alles, was schnell viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, auch auf Dauer interessant sein muss. Dies wird umso schwieriger, weil die Angebote und die Erwartungen der Kunden immer spezieller werden. Der berühmte »Long Tail« wird im digitalen Umfeld zwangsläufig immer länger, aber auch flacher. Auf Dauer wird man auch auf YouTube mit Videos vom eigenen Wellensittich niemanden hinter dem Ofen hervorlocken, nicht mal, wenn Hansi singt wie Paul Potts. Solche kurzfristigen Effektfänger nutzen sich sehr schnell ab.



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