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Mittwoch, 25. Mai 2011 (14:51 Uhr)


Interview mit Bloomsbury-Programmleiterin Dorothee Grisebach

Bestseller ins Bild gesetzt

Graphic Novels erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Immer mehr Publikumsverlage nehmen literarische Comics ins Programm. Am 10. September bringt auch Bloomsbury Berlin seinen Weltbestseller „Drachenläufer“ in bunten Bildern. Im Interview mit buchreport erläutert Bloomsbury-Programmleiterin Dorothee Grisebach (Foto) Marktchancen und Entwicklungspotential der Graphic Novels.

Welche Zielgruppe haben Sie im Blick?

Einerseits wollen wir einen Teil der millionenfachen Leser des Romans erreichen und zum anderen natürlich die Gemeinde der bereits süchtigen Graphic-Novel-Leser. Wir sind gespannt, wie uns das gelingen wird.

Eignet sich jeder Roman zur Graphic Novel?

Im Fall von „Drachenläufer“ kommen verschiedene Kriterien zusammen: Erstens sicherlich der Bestsellererfolg von über 20 Mio verkauften Exemplaren weltweit, zweitens ein gewisses Crossover-Potenzial, da sich auch Jugendliche mit den Hauptfiguren identifizieren können. Wir wissen von Buchhändlern, dass der „Drachenläufer“ auch in Schulen als Lektüre empfohlen wurde.

Nach dem Roman der Comic: Ein singulärer Fall oder eine programmatische Strategie, dem Genre mehr Beachtung zu schenken?

Wir wollen zunächst Erfahrungen sammeln, auch vertrieblich: Neben den stationären Buchhändlern wollen wir auch die einschlägigen Comic-Sortimenter erreichen. Außerdem haben wir den Titel sowohl in der Hardcover- als auch in der Taschenbuch-Vorschau angezeigt, denn wir wünschen uns, dass das Buch nicht nur in den eher kleinen Abteilungen für Graphic Novels „versteckt“ wird, sondern neben die Taschenbuch-Ausgabe gestellt und im besten Fall parallel präsentiert wird.

Immer mehr Belletristikverlage nehmen literarische Comics ins Programm. Wie viel Potenzial hat dieser Markt?

Wir haben die Chance, ein neues Publikum zu erreichen. Ein Beispiel: In Berlin habe ich ein Fachgeschäft besucht, das ausschließlich Graphic Novels verkauft. Dort hatte man vom „Drachenläufer“ noch nichts gehört.  Jetzt stoßen also Leser von Graphic Novels auf Hosseinis Roman und bekommen Lust, sich die Taschenbuch-Ausgabe des Originals zu besorgen. Ich bin sicher, dass künftig solche Interaktionen zwischen verschiedenen Lesergruppen stattfinden werden, wovon Literatur und Buchkultur insgesamt profitieren.

Comics haben es im stationären Buchhandel schwer. Sind Graphic Novels ein Türöffner?

Das würde ich mir sehr wünschen. Bisher verhält sich das allgemeine Sortiment zwar noch zögerlich, was Comics und Graphic Novels betrifft, aber es ist doch ein Markt, der sich zunehmend verbreitern wird. Ich denke auch an die Edition der „Süddeutschen Zeitung“, die im März in den Handel gekommen ist und die gewiss ganz neue Käufergruppen für das Genre erschließen wird. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung bin ich zuversichtlich, dass wir im richtigen Moment dieses Marktsegment besetzen.       

Die Fragen stellte Till Spielmann



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