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Verlage
Freitag, 22. Juli 2011 (14:03 Uhr)


Schweiz: Schwacher Euro macht Verlagen zu schaffen

Fluch des starken Franken

Dem Klischee nach ist die Schweiz eine Insel der Seligen. Wie hart aber die Wellen der weltwirtschaftlichen Realitäten an deren Strände branden können, erfahren derzeit Buchverlage und Zwischenbuchhandel in den Kantonen: Die Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung Euro gegenüber dem Schweizer Franken lässt Umsätze und Gewinne abstürzen.

Wie sehr das Schweizer Buchzentrum (SBZ) an dem Ungleichgewicht der Währungen zu knabbern hat, berichtete dessen Geschäftsführer Andreas Grob bereits im Mai auf der Jahrestagung der Genossenschaft eBuch in Göttingen: Viele Schweizer Buchhändler nutzen derzeit die Möglichkeit des Direkteinkaufs in Deutschland als währungsbedingte Konditionenverbesserung. „Die Kunden wandern scharenweise ab“, klagte Grob. Das SBZ sieht sich zu massiven Preissenkungen gezwungen, um im Geschäft zu bleiben, mit dramatischen Gewinnrückgängen als Folge (buchreport berichtete).

Einnahmen in Euro, Kosten in Franken

Jetzt schlagen auch Schweizer Verlage Alarm. Zu Wort meldet sich vor allem Kein & Aber-Verleger Peter Haag. Das Gefälle zwischen den Währungen trifft die Buchmacher vor allem aus zwei Gründen:

  • Verlage wie Kein & Aber, Diogenes oder Unionsverlag erzielen über 80% ihres Umsatzes in Deutschland und Österreich, also im Euro-Raum. Kein & Aber etwa erwirtschafte insgesamt rund 90% des Ertrages in Euro, müsse aber rund 45% seiner Kosten in „harten“ Franken bezahlen, rechnete Haag der „NZZ“ vor. Unter dem Strich bleibe ein Währungsverlust von rund 15% des Umsatzes, der „den gesamten Gewinn weggefressen“ habe, klagt Haag.
  • Die wachsende währungsbedingte Vorliebe der eidgenössischen Buchhändler für den (billigeren) Bezug über das deutschen Barsortiment geht zulasten des Direktbezugs vom Verlag. „Wir verlieren dadurch rund 15% vom Schweizer Umsatz“, berichtet Haag im „Schweizer Buchhandel“.

Ärger über deutsches Barsortiment

Haags Zorn richtet sich namentlich auch gegen den deutschen Zwischenbuchhändler KNV, der eidgenössische Buchhändler zu den günstigeren Konditionen beliefert. „Unser Verlag hält sich an das Spartenpapier. Wir übervorteilen die Grossisten gegenüber anderen Kunden nicht. Umgekehrt jedoch spielt uns das Barsortiment durch den unfairen Währungsvorteil an die Wand“, argumentiert der Verleger.

Bei KNV mag man sich diesen Schuh freilich nicht anziehen. Auf das Verhältnis der Währungen habe das Barsortiment schlechterdings keinen Einfluss, meint KNV-Einkaufsleiter Markus Fels. Wenn Schweizer Sortimenter sich für einen Bezug über das Barsortiment entschieden, sei der Währungsvorteil nur einer unter vielen anderen Gesichtspunkten.

Eigene Euro-Preise für die Schweiz?

Die Verlage hätten kaum eine Möglichkeit, zu reagieren, erklärt Stefan Fritsch in der „NZZ“. Diogenes versuche zwar durch Anhebung der Euro-Preise das Franken-Preisniveau zu halten, könne mit der gegenwärtigen Abwertung aber kaum Schritt halten.

Kein & Aber-Mann Haag regt eine grundsätzliche Lösung für das Problem an. Sein Vorschlag: „Mit einer einwandfreien Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen können wir einen Schweizer Preis in Euro festsetzen, der sich am hiesigen Markt orientiert und nicht am deutschen.“ Dieser Preis könne dann regelmäßig an den Wechselkurs angepasst werden.



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