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Verlage
Freitag, 10. September 2010 (17:28 Uhr)


Langenscheidt plant massiven Personalabbau

„Die Lage ist ernst“

Als Langenscheidt den Verkauf der Thüringer Verlagsauslieferung TVA an Rhenus bekanntgegeben hat, haben die Münchner den Schritt mit der Fokussierung aufs Kerngeschäft begründet. Nach buchreport-Informationen ist der Verkauf jedoch weniger strategischer Natur, sondern im Wortsinn notwendig. Und nur der erste Schritt einer massiven Umstrukturierung, die inzwischen auch per Pressemitteilung angekündigt wurde. Demnach sollen bis 2011 rund 71 Stellen abgebaut werden. Nach buchreport-Informationen standen zunächst bis zu 90 Stellen auf der Kippe.

Aus Unternehmenskreisen hatte buchreport.de schon Mitte der Woche erfahren, dass die Verlagsleitung den Mitarbeitern bei einer Betriebsversammlung in der vergangenen Woche die bitteren Nachrichten mitgeteilt hat: Unter den 71 Stellen, die abgebaut werden sollen, sind 20 betriebsbedingte Kündigungen, daneben Beendigungsvereinbarungen (z.B. vorzeitiger Abschied in die Rente) und auslaufende Verträge. Einvernehmlich mit dem Betriebsrat sei in den letzten Wochen eine sozialverträgliche Lösung mit Interessenausgleich und Sozialplan erarbeitet worden, meldet das Unternehmen heute.

„Die Lage ist ernst, bei der Konkurrenz aber noch schlimmer“, fasst ein Mitarbeiter die Botschaft der Chefetage an die Mitarbeiter zusammen, die ursprünglich erst nach der Buchmesse öffentlich kommuniziert werden sollte. Die Banken übten nach Auskunft der Verlagsleitung aktuell großen Druck auf das Unternehmen aus.

Flankiert wird der Stellenabbau von einer Neustrukturierung des Verlags, der in  „Business Units“ aufgeteilt werden soll: Geschäftsbereiche, deren Verantwortliche Mitglieder der Geschäftsleitung sein werden. Die neue Struktur solle gewährleisten, dass Redaktion, Herstellung und vor allem Vertrieb aus einer Hand kommen und somit ein hohes Maß an Synergien und Umsetzungsgeschwindigkeit entsteht, lautet die offizielle Begründung. Nach Einschätzung von Mitarbeitern folgt der Umbau allerdings primär arbeitsrechtlichen Motiven, um möglichst einfach Stellen abbauen zu können. Details zur künftigen Strategie des Verlags, heißt es im Unternehmen, sollen im vierten Quartal skizziert werden.

In München wächst unter den Mitarbeitern die Angst, dass auch der Stellenabbau noch nicht das Ende der Restrukturierung einläutet. Angeblich gibt es nur bis 2011 eine Zusage, mit dem Verlag an der Isar zu bleiben – angeblich gibt es Überlegungen, nach Berlin zu ziehen und dabei Fördermittel der Hauptstadt zu kassieren. In der Pressemitteilung heißt es dagegen, im Rahmen der Verhandlungen mit dem Betriebsrat sei der Standort München gesichert worden.

Durch die Neustrukturierung in Business Units ergeben sich folgende personelle Änderungen:

  • Der langjährige Redaktionsleiter Herbert Bornebusch (55) verantwortet künftig den Geschäftsbereich „Lehrwerke“.
  • Alexandra Kiesling (39), bislang für das Auslandsgeschäft und Nebenmärkte zuständig, übernimmt die Unit „Sprachenlernen“.
  • Barbara Lennartz (56), bislang Chefredakteurin Polyglott und verantwortlich für Prozessoptimierung in der Gruppe, wird die Bereiche „Wörterbücher“ sowie „Reise“ führen.
  • Dorothee Ronge (35), bisher für internationale Kooperationen zuständig, wird das Geschäftsfeld „Kinder- & Jugendbuch“ und das „Entertainment-Programm“ weiterentwickeln.
  • Die Redaktionsleiterin „Multimediales Lernen“, Silke Exius, verlässt das Unternehmen.
  • Der bisherige Wörterbuch-Redaktionsleiter, Vincent Docherty, wird innerhalb der Verlagsgruppe künftig „Innovationen und den internationalen Bereich Sprachen“ verantworten.

Foto: Verlagsgruppe Langenscheidt

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