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Verlage
Donnerstag, 15. November 2012 (08:00 Uhr)


Lesetipp: „Zeit“-Dossier zu Digitalisierung und Literatur

„Das ist die große Schlacht“

Foto: Amazon

Ende August hatte das „Zeit“-Feuilleton auf drei Seiten, aufgehängt an Amazon („Gigant ohne Geist“), ein lesenswertes Feature über die Veränderungen in der Buchbranche gebracht mit zahlreichen Einlassungen u.a. des Bastei-Lübbe-Verlegers Stefan Lübbe, S. Fischer-Geschäftsführer Jörg Bong und Börsenvereins-Funktionär Alexanders Skipis.

In der neuen Ausgabe (15.11.) gibt es jetzt neben einem weiteren kritischen Amazon-Beitrag („Gnadenlos flexibel“ im Wirtschaftsteil) ein neues großes Stück, ein „Zeit-Dossier“ unter der Fragestellung: Wie wollen wir lesen? Was bedeutet die digitale Revolution für die Literatur?

Bei dem Thema ist Hanser-Verleger Michael Krüger (68) seit seinen Auftritten bei den Börsenvereins-Buchtagen und einem großen Buchmesse-Empfang im Frankfurter Hof für den Part des Traditionsverlegers gesetzt („E-Books? Ich kann das gar nicht bedienen“). Helge Malchow (62, Kiepenheuer & Witsch, Foto: Kurt Steinhausen) gibt auf intellektueller Augenhöhe den aufgeschlossenen Konzernverleger als Gegenpart. 

Auch wenn es womöglich spannendere Konstellationen mit echter Streitperspektive gibt, ist das „Werkstattgespräch“ eine Pflichtlektüre. Es plätschert allerdings wie unlektoriert über 3 große „Zeit“-Seiten dahin, jedes denkbare Buchthema streifend, weil das Blatt statt journalistischer Moderation und Gliederung den beiden Herren (die als Autorin durchaus interessante) Juli Zeh (38) gegenübergesetzt hat, die das einfach nicht so gut kann, sondern einfach nur mitfühlt:

  • „Malchow: Dafür können wir dank der Reader jetzt mit neuen Formen experimentieren: indem wir den Text durch Filmmaterial ergänzen, indem wir das Buch interaktiv machen.
  • Krüger: Wie schrecklich.
  • Zeh: Da zucke ich auch zusammen.“

Was ist auf jeden Fall interessant?

  • Malchows Zahlen und Sorgen zu Amazon: 13% der physischen KiWi-Bücher werden 2013 über Amazon verkauft, im elektronischen Bereich ca. 60%, mit Unsicherheiten in Sachen Preisbindung: „Wo liegt die Kontrolle für die Preise? Das ist die große Schlacht, in der wir uns im Augenblick befinden: Bestimmen die Verlage den Ladenpreis? Oder bestimmt ihn der monopolisierte Handel?“
  • Krüger zur Bedrohung der Verlage: „Je mehr die Verlage elektronisch verkaufen, desto besser für sie. Sie brauchen dafür kein Lager, kein Papier, gar nichts. Ich sorge mich nicht, dass die Verlage durch das E-Book in großer Gefahr wären.“
  • Malchows Erwartungen für Print vs. Digital: „Nach dem ersten Hype, wenn der Zauber der neuen Technik verflogen ist, werden wir wieder schärfer trennen. Wann kaufe ich mir ein Buch auf Papier, und wann nehme ich ein Lesegerät?“
  • Krügers Buchhandels-Perspektivrechnung: „Wenn sich 15% der Buchkäufer von heute auf morgen entschließen würden, ihre Bücher aus der Steckdose zu holen, sie sich online runterzuladen, dann könnte man zwei Drittel der deutschen Buchhandlungen dichtmachen.“
  • Malchow über Buchumfänge: „Mit dem Einzug des Computers in den Schreibprozess sind die Romane nach meinem Eindruck im Durchschnitt um 10% länger geworden.“
  • Krüger über die Inhaltevermehrung: „Wenn man früher einen Roman schrieb, der nicht angenommen wurde, musste man ihn wegschmeißen. Heute stellt man ihn ins Netz.“   
  • Krüger über Verlagsqualität: „Die wirklich wichtigen Texte werden heute in winzigen Verlagen gemacht, in denen zwei Leute sitzen.“   
  • Malchow zu den vielen „Shades-of-Grey“-Nachahmer-Manuskripten, die auch Hanser und KiWi erhalten: „So ist der Mensch.“


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