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Verlage
Dienstag, 28. September 2010 (12:26 Uhr)


Bastei Lübbe stellt enhanced E-Book vor

Digitales Aufbrezeln

Klaus Kluge, bei Bastei Lübbe verantwortlich für Programm, Marketing und Vertrieb, lässt Buchinhalte digital anreichern und bläst kräftig ins Horn: „Wir glauben an das E-Book!“ Auch Peter Kraus vom Cleff, kaufmännischer Geschäftsführer von Rowohlt, will ein digitales Zeichen setzen, „wie ein Buch in Zukunft aussehen kann“, nicht nur als Faksimile eines gedruckten Buches, sondern mediengerecht erweitert mit Beilagen und Dressing. Für das Ergebnis hat sich noch kein geschmeidigerer Begriff als „Enhanced-E-Book“ gefunden.

3 Euro Aufschlag für die Extras

Bastei Lübbe exerziert das digitale Aufbrezeln mit Ken Follett an einem der Top-Autoren des Verlags vor, dessen Weltkrieg-1-Roman „Sturz der Titanen“ am heutigen Dienstag neben zwei Hörbuch-Formaten (CD, MP3-Down­load) gleich in drei Leseversionen herauskommt:

  • Hardcover (1022 Seiten), 28 Euro
  • E-Book, 19,99 Euro
  • Enhanced-E-Book, 22,99 Euro.

Das erweiterte E-Book enthält Interviews mit Follett über die Entstehung des Romans, Kartenmaterial, Fotos, Stammbäume der Romanfiguren, Hinweise auf Recherchen des Autors und historische Quellen sowie Links zu „Wikipedia“, um historische Personen und Ereignisse nachzuschlagen; infrage kommende Begriffe sind farblich gekennzeichnet (s. Abbildung).

„Eine ziemliche Investition“, sagt Kluge angesichts des erheblichen Aufwands für das Verlagslektorat um Helmut W. Pesch ebenso wie für Autor Follett, der die Anreicherungen mit erarbeitet und kontrolliert hat. Bastei Lübbe hat das Enhanced-E-Book dabei ohne Kooperation mit den anderen Follett-Verlagen gestemmt, wegen des knappen Zeitrahmens und „weil wir weiter sind als die anderen“, wie Kluge selbstbewusst anmerkt.       

Videos und konzeptionelle Kniffe

Der Kaufmann in Kraus vom Cleff weiß, dass eine noch aufwendigere
E-Produktion als die schlichten Text-E-Books „eigentlich nicht zur jetzigen Marktsituation passt“. Aber in der Erwartung, dass sich das Thema E-Book grundsätzlich als Standbein entwickelt, werden auch schon mal die Sprünge für die Kür geprobt. Der Kompetenz- und Innovationsausweis zielt dabei, wie die Verlage offen ansprechen, noch gar nicht so sehr aufs Publikum als auf Autoren und Agenten. Botschaften:

  • Autoren, wir können euch eine 360°-Betreuung bieten.
  • Agenten, wir stecken viel Geld und Ideen in digitale Bücher (und haben deshalb kaum Spielraum bei den Honorarsätzen).

Rowohlt hat sich vier Bücher deutschsprachiger Autoren als Demonstrationsobjekte ausgesucht, die als klassisches Text-E-Book im Preisniveau der gedruckten Ausgabe und mit einem 2-Euro-Aufschlag als „digitalbuchplus“ angeboten werden: Eine „Rowohlt-Monografie“ zu Albert Einstein, Bernhard  HoëckersMeilenweit für kein Kamel“ aus der Sparte humoristisches Sachbuch, Thomas HavenerIch weiß, was du denkst“ sowie das belletristische  Debüt von Internet-Experte und Werbetexter Sascha Lobo.

Die Anreicherungen bestehen in der Regel aus Bild-, Film- und Tondokumenten. Bei dem Lobo-Roman soll es dagegen um technisch-konzeptionelle „Kniffe“ gehen, Details wollen sich Autor und Verlag noch als Demonstrationseffekte für die Frankfurter Buchmesse aufbewahren.

Sowohl bei Bastei Lübbe wie bei den Rowohlt-Titeln war als Dienstleister  Textunes mit im Boot, der neben konzeptioneller Beratung die enhanced E-Books produziert hat und sich um den Vertrieb kümmert.

Fehlendes Konzeptions-Know-how   

Nach dem lange zögerlichen Anlauf der Publikumsverlage, das Thema
E-Book zu forcieren, sind die ersten Enhanced-Ansätze jetzt durchaus bemerkenswert, zumal auch der hiesige Publikums-Marktführer Random House noch keine Anstalten macht, Enhanced-Produkte zu entwickeln und auch in den ausländischen Märkten bisher wenig passiert (s. buchreport.datei). Auch einige Unternehmensberater runzeln die Stirn:

  • Ursula Welsch (Taching) etwa hatte kürzlich im buchreport.magazin fehlendes Know-how in der Konzeption wie in der technischen Umsetzung beklagt.
  • E-Book-Dienstleister und Verleger Matthias Heubach (Hamburg) dämpft die Erwartungen, weil es meistens keine passenden Zusatzinhalte gibt, die Verlage aber oft auch nicht in der Lage sind, entsprechenden Content zu produzieren, und die Lektorate „müssten ganz anders aufgestellt und profiliert werden.

Konzepte funktionieren nicht mit aktuellen E-Readern 

Wenn Enhanced-E-Books im Stil der aktuellen Pilot-Produkte von Bastei Lübbe und Rowohlt tatsächlich die Produkte der Zukunft markieren, hat das Auswirkungen auf die Hardware. Die aktuellen E-Reader mit der E-Ink-Technik sind dafür nicht geeignet, weil sie nur in der Schriftdarstellung überzeugen, sondern Tablet-Computer wie das „iPad“  und Smartphones.

Auch im Lehr- und Fachbuchbereich würden nicht die E-Reader, sondern die Tablets den Durchbruch bringen, „weil sie die Stärken der multimedialen Bücher ausspielten“, sagt Ralf Birkelbach, Chef der Springer Fachmedien Wies­baden: „Die Bücher müssen von einer rudimentären elektronischen Umsetzung – meist als PDF – im nächsten Schritt in eine neue Form gebracht werden, die die eigentlichen Stärken des E-Books ausspielt. Das kostet viel Geld und erfordert langfristige strategische Grundsatzentscheidungen.“

Neben den Tablets könnte aber auch eine neue Generation von E-Readern für Bewegung sorgen, die deren niedrigen Stromverbrauch und gute Schriftwiedergabe mit Farbdarstellung und schnellem Bildwechsel verbindet. Anfang des Jahres hatte der Hardware-Produzent Qualcomm die „Mirasol“-Technik auf der CES-Messe in Las Vergas vorgestellt ...

 

Enhanced-E-Books international

Die Weiterentwicklung des E-Books vom faksimilierten gedruckten Buch zu erweiterten und angereicherten (enhanced) digitalen Inhalten steckt auch international bei den Publikumsverlagen noch in den Anfängen:

  • Erst im Juni hatte Amazon das hauseigene Kindle-Programm um E-Books mit angereicherten Inhalten ausgeweitet. Aktuell hat der Onliner allerdings nur 33 Titel im Portfolio, die nur auf den Apple-Lesegeräten iPad, iPhone und iPod touch verfügbar sind. Der eigentliche Kindle-Reader kann die neuen Multimedia-Inhalte nicht darstellen.
  • Zwei Monate später zog Apple nach und führte in die E-Books integrierte Bewegtbilder in den iBookstore ein.
  • In Frankreich hat Editions Eyrolles nach eigenen Angaben gerade das erste Enriched-E-Book der Nation auf den Markt gebracht: Ein Software-Fachbuch, das eine 45-minütige Videoschulung enthält und über den iBook­store von Apple vertrieben wird. Weitere XL-Bücher sollen im Laufe des Jahres folgen und dazu beitragen, dass der Verlag in zwei Jahren rund 8% der Erlöse (aktuell: 3%) auf der digitalen Schiene einspielt.
  • Eyrolles folgt damit den Vorstößen der britische Dependance von Random House, die seit April 2009 unter dem Titel Books and Beyond ein angereichertes E-Book-Format entwickelt: Neben dem eigentlichen Buch-text umfasst es Audio- und Videomaterial sowie Interviews und Spiele zum Buch. Zwar sind die Umsätze mit den Enriched-E-Books nach Angaben des Verlags noch überschaubar, aber das Projekt ist vermutlich eher als Testfeld für Innovationen gedacht und insofern unentbehrlich.
  • Auch Macmillan forciert das Geschäft mit angereicherten E-Books. Im Februar 2010 präsentierte das US-Verlagshaus eine Art Software mit dem Namen DynamicBooks, die auf den lukrativen Bildungssektor zugeschnitten ist. Mit der Software können akademische Lehrkräfte Printtexte (auch anderer Autoren) ergänzen und auf bestimmte Lesergruppen wie ihre Studenten hin anpassen. 2009 hatten auch McGraw-Hill und Wiley (WileyPlus) eigene E-Book-Formate für den Lehrbuchmarkt präsentiert.


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